Kinder- und Jugendärztekongress

Frühe Hilfen wirken – können aber noch deutlich besser werden

Nehmen Familien Frühe Hilfen an, wirkt sich das positiv auf Impfstatus und den Besuch von Früherkennungsuntersuchungen aus. Defizite gibt es vor allem noch dort, wo Eltern psychisch erkrankt sind.

Von Raimund SchmidRaimund Schmid Veröffentlicht:
Die Frühen Hilfen können vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Alter von drei Jahren in Anspruch genommen werden.

Die Frühen Hilfen können vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Alter von drei Jahren in Anspruch genommen werden.

© Oksana Kuzmina / stock.adobe.com

Berlin. 73 Prozent der pädiatrischen Praxen sind bundesweit bereits Bestandteil des Systems der Frühen Hilfen. Damit konnte seit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes 2012 zum ersten Mal eine funktionierende Schnittstelle zwischen Medizin, Sozialarbeit und Jugendämtern geschaffen werden. Diese Bilanz hat Ilona Renner vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen beim Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Berlin gezogen.

Das Angebot der Frühen Hilfen richtet sich an Familien in Belastungssituationen – vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Alter von drei Jahren und wird seit 2018 pro Jahr mit 51 Millionen Euro über die Bundesstiftung Frühe Hilfen – gefördert.

Allein in Brandenburg werden 1000 Familien betreut

Für Dr. Ulrike Horacek, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ), sind die Frühen Hilfen „ein Paradebeispiel für einen gelungen sozialpädiatrischen Ansatz durch interdisziplinäre Zusammenarbeit“, der in vielen Bereichen des Gesundheitssystems noch fehle.

Das Netzwerk Frühe Hilfen sei mittlerweile über alle Regionen der Republik gespannt, erklärte Renner. In Brandenburg hätten sich mittlerweile 21 Regionalnetzwerke Frühe Hilfen gebildet, in denen 1000 Familien und 4200 Kinder betreut würden, erläuterte Professor Gabriele Elsäßer. Sie hat in Brandenburg die Netzwerke und eine landesweite Koordinierungsstelle mit aufgebaut.

Eckpfeiler der Frühen Hilfen sind zum einen niedrigschwellige Angebote für belastete Familien (Schwangerschaft-Treffs, Still-Cafés) sowie der Einsatz von geschulten ehrenamtlichen 1000 Familienpaten. Diese würden unter anderem auch für Hausbesuche eingesetzt, die vom Erstkontakt an bis zum 33. Lebensmonat in regelmäßigen Abständen stattfinden.

Bei diesen aufsuchenden Hilfen stehen dann zum Beispiel die Überprüfung des Impfstatus oder die Inanspruchnahme von Früherkennungs-Untersuchungen im Fokus. Dabei hat sich laut Elsäßer herausgestellt, dass Familien aus den Frühen Hilfen bei fast allen Gesundheitsparametern überdurchschnittlich gut abschneiden. Allerdings gebe es bundesweit noch Verbesserungsbedarf.

Familienpaten nur schwer zu finden

Familien etwa, in denen die Eltern selbst psychisch krank sind, konnten bislang kaum erreicht werden, weil psychiatrische Dienste und Berufsgruppen bisher nur sporadisch einbezogen sind. Auch würden über die Frühen Hilfen insgesamt immer noch zu wenige belastete Familien erreicht werden.

Dies liege auch daran, dass Familienpaten zum Teil nur schwer zu rekrutieren seien und Gesundheitsfachkräfte wie „Community-Nurses“ fehlten. Daher beklagten beim Berliner Kongress auch Ärzte aus Sozialpädiatrischen Zentren, dass die Angebote der Frühen Hilfen bei ihnen noch nicht angekommen seien.

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