Rheinland-Pfalz

Freiheiten nur für vollständig Geimpfte? KV-Chef rudert zurück

Wie lässt sich die Impfbereitschaft gegen COVID-19 steigern? Der Chef der KV Rheinland-Pfalz hat einen expliziten Vorschlag. Seine Äußerungen hatten eine heftige Diskussion ausgelöst – jetzt erklärt er sich.

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KV-RLP-Vorstandschef Dr. Peter Heinz

Mit Schleife und rigorosen Ideen zur Förderung der SARS-CoV-2-Impfbereitschaft: KV-RLP-Vorstandschef Dr. Peter Heinz

© Andreas Arnold / dpa

Mainz. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP), der Allgemeinmediziner Dr. Peter Heinz, hat am Samstag seine Forderung erneuert, Öffnungen der Pandemiemaßnahmen einstweilen nur vollständig gegen COVID-19 Geimpften einzuräumen. Am Montag bedauerte Heinz seine „missverständlichen Aussagen zur Impfthematik“.

„Die Nicht-Geimpften haben nicht die Freiheit, ihre Maske abzulegen. Sie dürfen nicht ins Stadion, nicht ins Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt einkaufen. Und man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten, in den Urlaub zu fahren“, sagte er der „Rhein-Zeitung“ (Samstag-Ausgabe) mit Blick auf jene, die keine abgeschlossene Impfserie haben oder gar den zweiten Impftermin „schwänzen“.

Ungeimpfte als „Gefahr“

„Diesen Menschen muss man klarmachen, dass sie von der Gesellschaft nicht als geschützt angesehen werden und dadurch Nachteile haben“, sagte Heinz. „Sie dürfen dann nicht so behandelt werden wie ein Geimpfter.“ Per Sonntag hatten 58,2 Prozent aller Bundesbürger mindestens eine begonnene Impfserie, 42,1 Prozent sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Bereits im Mai forderte Heinz Anreize, sich impfen zu lassen. Im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ sagte er seinerzeit, für vollständig gegen SARS-CoV-2 Geimpfte solle die Maskenpflicht entfallen. Ohne solch einen einfachen Anreiz „bleiben wir irgendwann mit dem Impfen stecken“.

„Wer Ungeimpften Freiheiten zurückgibt, verspielt die Chance, alle Menschen mit der Impfung zu erreichen“, legte der KV-Chef nun nach. Man müssen den Menschen klarmachen: „Ohne Impfung gibt es keine Freiheiten. Ohne diesen Druck werden wir die Menschen nicht überzeugen.“ Ungeimpfte seien eine Gefahr für die Gesellschaft und dürften daher nicht die gleichen Freiheiten wie Geimpfte bekommen.

„Freitesten schützt nicht“

Impfprämien hält Heinz hingegen für „absurd“. Auch eine Impfpflicht lehnt er als „Bevormundung“ ab. Freiheiten nur Geimpften zu geben sei keine versteckte Impfpflicht, „sondern eine zwangsläufige Schlussfolgerung aus einer pandemischen Lage“.

Selbst mit einem negativen Test dürften Ungeimpfte seiner Ansicht nach nicht in den Urlaub fahren: „Das Freitesten schützt ja nicht. Wer zum Beispiel auf eine Insel mit einem negativen PCR-Test fährt, kann sich dort sehr wohl anstecken, fährt wieder nach Hause und ist Virusträger“, so Heinz. „Es um eine Durchimpfung gehen und nicht darum, Tests zu verkaufen. Freitesten ist kein Instrument, um eine Pandemie zu knacken.“

Heinz rudert zurück

Am Montag ruderte Heinz zurück und erklärte: „Ich habe mich in der Frage, wie wir einer Impfmüdigkeit weiter begegnen können, offenbar unglücklich und missverständlich ausgedrückt. Es war weder meine Absicht noch Intention, Ungeimpften ihre Grundrechte in irgendeiner Form abzusprechen. Es ging mir allein darum, nochmal deutlich zu machen, dass unterschiedliche Regeln für Geimpfte und Ungeimpfte während der Pandemie sinnvoll sind und beibehalten werden sollten, solange damit für die Menschen gesundheitliche Risiken verringert werden können. Auch wenn die Infektionszahlen aktuell niedrig sind, brauchen wir weiterhin das Bewusstsein, dass eine hohe Impfquote für uns alle der effektivste Weg aus der Pandemie und der schnellste Weg zurück in eine Normalität mit allen Freiheiten ist.“ (dpa/nös/ato)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Cordula Petit

" ....solange damit für die Menschen gesundheitliche Risiken verringert werden können" - ich denke, Herr Dr. Heinz hat sich nicht mißverständlich ausgedrückt - Zurückrudern hilft da nicht.
Viele Parameter wurden in seinen Aussagen missachtet:
- auch Geimpfte können Überträger sein - was also hilft das "den Anderen"?
- ich vermisse schmerzlichst Aktivitäten dafür, dass die Gesundheit der Bevölkerung aktiv zu einer Priorität erklärt wird
- was fehlt sind Prävention von Diabetes, Bluthochdruck, schwachen Immunsystemen .. Gefahren im Falle einer Infektion
- was soll geschehen mit Menschen, die wunderbar gesund sind und deren Immunsystem über T-Zellen so aktiv ist, dass nicht einmal Antikörper produziert werden trotz Exposition
- ich vermisse klare Vorgaben an die Nahrungsmittelindustrie, die Gesundheit ihrer Kunden nicht länger massiv zu untergraben.
- wo ist denn der Anreiz für Menschen, die aktiv ihre Gesundheit pflegen und Ihr Immunsystem aktivieren und trainieren? Sollen auch sie geimpft werden, weil man hier alle über einen Kamm scheren zu müssen glaubt? Eine Impfung ist ein Eingriff in das Immunsystem mit durchaus noch unklaren Folgen.

Impfung ist kein Freifahrtschein - viele andere Schritte sind notwendig, die in unserer Gesellschaft und unserem Gesundheitssystem nicht gefördert, sondern sträflich vernachlässigt worden sind. Wir müssen mit Gefahren leben - und viele davon fordern, obwohl alle seit 1 1/2 Jahren nur auf die Corona-Zahlen starren, parallel dazu im Stillen wesentlich mehr Opfer.
Wann beginnen wir endlich, das komplette Bild zu betrachten?

Dr. Diemut Fuchs

Ich schlage vor, daß der sehr verehrte Herr Kollege sich erst einmal für das totale Verbot einer selbst- und fremdschädigenden Droge namens Zigaretten et al. stark macht. Diese Droge richtet, mit der ständig wiederholten Begründung „es ist ja MEINE Gesundheit“, auf Kosten der Krankenversichertengemeinschaft gesellschaftlich und volkswirtschaftlich wesentlich mehr Schaden an, als es das Coronavirus selbst (unberücksichtigt der menschengemachten Kollateralschäden) bisher getan hat oder auch in Zukunft noch tun wird.
Bevor der so eifrig um „Überzeugung“ bemühte Kollege allen, evtl. auch nur derzeit vielleicht noch auf die Zulassung eines Totimpfstoffs wartenden, Impfunwilligen sämtliche Grundrechte entziehen will, hätte er eigentlich schon längstens zum Schutze der Nichtraucher und zur Entlastung des durch chronische Raucherschäden dauerbeanspruchten Gesundheitssystems ein totales Rauchverbot fordern müssen.

Dr. Stephan Gümpel

„Ungeimpfte seien eine Gefahr für die Gesellschaft und dürften daher nicht die gleichen Freiheiten wie Geimpfte bekommen.“
In diesen Zeiten über gewisse Freiheiten von vollständig Geimpften nachzudenken und zu diskutieren halte ich durchaus für legitim. Ungeimpfte aber als Gefahr für die Gesellschaft hinzustellen, ist schon allein für sich genommen sehr gefährlich. Welchen Schritt bedarf es dann noch, sie schon heute als die Schuldigen für künftige Pandemien zu diffamieren und vielleicht noch öffentlich bloß zu stellen?! Dann fehlt nur noch ein Patch, bspw. mit einer durchgestrichenen Spritze, den jeder Ungeimpfte sichtbar zu tragen hat.

Barbara Schlomann-Schmitter

Hat dieser Mann noch nichts vom Grundgesetz gehört?
Es ist unglaublich, was sich zwischenzeitlich an derartigen
Aussagen ansammelt.


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