Arztkarriere im Ausland

Ärzte aller Länder zieht es für den Job in die Schweiz

Trotz der Coronavirus-Pandemie stieg im vergangenen Jahr in der Schweiz der Anteil an Ärzten mit einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation weiter an – ein Trend mit Folgen.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Arzt vor Schweizer Flagge

Immer mehr Ärzte aus dem Ausland entscheiden sich für einen beruflichen Zwischenstopp in eidgenössischen Kliniken.

© niyazz / stock.adobe.com

Bern. Die Schweiz hat die Corona-Pandemie bisher – zumindest aus der Versorgungsperspektive – gut gemeistert. Die Alpenrepublik hat auch während der Pandemie weiter Ärzte mit einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation wie der deutschen Approbation angezogen.

Wie aus der Medizinerstatistik des Schweizer Berufsverbands der Ärzte FMH für 2020 hervorgeht, waren bei den Eidgenossen im vergangenen Jahr 38 .502 Ärztinnen und Ärzte berufstätig – 16 .908 Frauen und 21 .594 Männer –, was einen Zuwachs gegenüber 2019 um 620 Ärzte bedeutet. Mit 14 .386 Medizinern stieg der Anteil derer, die aus dem Ausland stammen oder ihre Berufsqualifikation außerhalb der Schweiz erworben haben, von 36,3 Prozent auf nun 37,4 Prozent – und setzt den Trend der vergangenen Jahre fort.

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Attraktivität und Abhängigkeit

Die Entwicklung sieht der ärztliche Berufsverband mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Der Anteil von Ärztinnen und Ärzten mit ausländischen Diplomen ist in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern hoch. Die Schweiz bietet eine hohe Lebensqualität und gute Arbeitsbedingungen.

Durch ihre Angrenzung an mehrere Länder und ihre Mehrsprachigkeit kommt die Schweiz für mehr Ärztinnen und Ärzte als Arbeitsort in Frage als ein Land mit lediglich einer Landessprache und wenigen Nachbarländern. Der hohe Anteil an Ärztinnen und Ärzten, die mit einem ausländischen Diplom in der Schweiz arbeiten, zeigt die Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland, und es ist zu bedenken, dass diese Ärztinnen und Ärzte in ihren Herkunftsländern fehlen“, heißt es in der aktuellen Ärztestatistik für 2020.

Bemerkenswert ist, dass sich das Plus an 620 Ärzten im Versorgungsalltag nicht unbedingt bemerkbar machen dürfte. Denn: „Unter Berücksichtigung des Arbeitspensums kommen die Ärztinnen und Ärzte auf 33 .496 Vollzeitäquivalente (2019: 33 .486, ein Vollzeitäquivalent entspricht rund 55 Wochenstunden)“, heißt es in der Ärztestatistik.

Die Schweiz bietet eine hohe Lebensqualität und gute Arbeitsbedingungen.

Schweizer Ärzteverband FMH Aus der FMH-Ärztestatistik 2020

Ein Blick in die Sektoren zeigt, dass im vergangenen Jahr 20 .301 Ärztinnen und Ärzte hauptberuflich im Praxissektor tätig waren, im Spitalsektor 17 .610. Im Spitalsektor liegt der Frauenanteil mit 47 Prozent höher als im Praxissektor mit 41 Prozent. Das Durchschnittsalter der Ärztinnen (46,4 Jahre) und Ärzte (52,7 Jahre) lag 2020 bei 50,0 Jahren. Im Praxissektor ist die Ärzteschaft dabei laut FMH durchschnittlich zehn Jahre älter als im Spitalsektor (54,8 Jahre gegenüber 44,1 Jahre).

Der Altersunterschied zwischen den Sektoren sei hauptsächlich auf die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte zurückzuführen, die sich in Spitälern in Weiterbildung befänden. Im Praxissektor beträgt der Anteil der Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland 34,5 Prozent, im Spitalsektor 40,5 Prozent. Der Großteil der ausländischen ärztlichen Fachkräfte stammt aus Deutschland (52,6 Prozent), gefolgt von Italien (9,1 Prozent), Frankreich (7,1 Prozent) und Österreich (6,0 Prozent).

Bundesrat zieht die Zügel an

Unterdessen hat der Bundesrat die Kriterien für die Planung der Spitäler, Geburtshäuser und Pflegeheime durch die Kantone weiter vereinheitlicht. „Im Bereich der Spitäler ermöglichen die einheitlichen Anforderungen eine bessere Koordination der Planungen unter den Kantonen.

Die Kantone sind denn auch angehalten, ihre Planungen der Spitäler und Pflegeheime stärker zu koordinieren“, heißt es von Seiten der Regierung. Zudem werde die Wirtschaftlichkeitsprüfung der Spitäler künftig schweizweit einheitlich erfolgen.

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