Pandemie-Folgen

Blutplasma droht durch Corona zum knappen Gut zu werden

Die Corona-Einschränkungen beeinträchtigen Blut-und Plasmaspenden. Letztere drohen im kommenden Jahr knapp zu werden, warnen europäische Institutionen und die Industrie.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Die Angst vor dem Coronavirus hat auch Auswirkungen auf die Spendebereitschaft von Blutplasma.

Die Angst vor dem Coronavirus hat auch Auswirkungen auf die Spendebereitschaft von Blutplasma.

© Waltraud Grubitzsch / dpa-Zentralbild / picture alliance

Berlin. Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 schränkt die Möglichkeiten zu Blut- und Plasmaspenden ein. Es bestehe ein „signifikantes Risiko“ für Engpässe bei Plasmaprodukten, warnt das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) bereits seit April.

Schon seit 2010 sei das Spendeaufkommen in Deutschland um 14 Prozent zurückgegangen, meldet der Biotherapeutikahersteller CSL Behring. Gleichzeitig habe sich der Verbrauch an Blutplasmapräparaten in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Im zweiten Quartal 2020 sei das Spendeaufkommen um 30 Prozent eingebrochen. Die Herstellung von Plasmaprodukten dauere sieben bis 12 Monate. Ein Mangel könnte also erst mit entsprechender Verzögerung sichtbar werden, heißt es beim ECDC.

„Eine Vorhersage kann hier nicht getroffen werden“, hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) der „Ärzte Zeitung“ auf Anfrage mitgeteilt. Es sei aber wahrscheinlich, dass weltweit Ausgangssperren, Abstands- und Hygieneregeln einen Einfluss auf die Anzahl der Blut-und Plasmaspenden haben könnten. Auch in Deutschland würden nicht aufgrund mangelnder Spendebereitschaft, sondern wegen der problematischen Logistik „Spendeprozesse verlangsamt“.

16.000 Patienten mit Plasmabedarf

In Deutschland werden ausweislich einer Aufstellung des Plasmaherstellers CSL-Behring derzeit rund 16.000 chronisch erkrankte Menschen mit Blutplasma behandelt. Betroffen sind zum Beispiel Menschen mit Immundefekten, die mit Plasmagaben ausgeglichen werden können. Für eine Anwendung seien oft bis zu zehn Spenden nötig. Zusätzlicher Bedarf zum Beispiel an dem Plasmabestandteil Albumin entsteht in Notfällen bei der Versorgung von Patienten mit Schock oder nach schweren Verbrennungen. In Krankenhäusern werden Plasmaprodukte bei größeren Operationen benötigt.

Die Europäische Union könne lediglich 57 Prozent ihres Bedarfes an Immunglobulinen aus den Spenden der eigenen Bevölkerung decken, sagt Dr. Dirk Hoheisel, General Manager von CSL Behring. In Europa herrsche daher eine hohe Abhängigkeit von den USA. Medienberichten zufolge landeten 2018 rund sieben Millionen Liter Plasma aus den USA in Deutschland.

Drei Millionen Liter Plasma im Jahr

Rund drei Millionen Liter Plasma im Jahr steuern die Menschen in Deutschland selbst bei. Zwei Drittel stammen aus privaten Spendezentren, ein Drittel vom Deutschen Roten Kreuz. Selbst wenn keine dieser Spenden mehr Deutschland verlassen würde, würde es für die Versorgung der Patienten hierzulande bald nicht mehr reichen, sagt Hoheisel. Der Industrievertreter fordert bessere Bedingungen für die Plasmaspende. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) solle das Thema Plasmaspenden in ihren Kampagnen stärker akzentuieren. Zudem gelte es die Frage zu beantworten, ob bei der Plasmaspende immer ein Arzt vor Ort sein müsse, oder nicht auch der Arzt in Notfallbereitschaft ausreiche.

Ob die Gabe von Rekonvaleszentenplasma künftig eine Rolle in der Therapie von COVID-19-Patienten spielen könne werde derzeit in kontrollierten klinischen Prüfungen untersucht, teilt das PEI mit. „Plasmahersteller weltweit, darunter auch CSL, werden in den nächsten Tagen mit der klinischen Untersuchung eines Hyperimmunansatzes starten“, sagte auch Dirk Hoheisel der „Ärzte Zeitung“. Dabei werde nicht einfach nur Rekonvaleszentenplasma eingesetzt, sondern aus Plasma von Gesundeten hochgradig aufbereitete Antikörper, die selektiv greifen sollen. Noch sei dieser Ansatz eine Hypothese, die Phase-3-Studie werde in Kürze beginnen.

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