Sachsen-Anhalt

COVID-19: Drive-in Abstrichstation in hausärztlicher Eigenregie

Der Allgemeinarzt Dr. Robin John hat ein Wochenende mit Helfern getüftelt – fertig war die Drive-in Corona-Abstrichstation.

Von Petra Zieler Veröffentlicht: 23.03.2020, 11:52 Uhr
Die Autoschlange macht schon von Weitem auf den Drive-in-Parkplatz in Schönebeck aufmerksam.

Die Autoschlange macht schon von Weitem auf den Drive-in-Parkplatz in Schönebeck aufmerksam.

© Petra Zieler

Schönebeck. Sich im Vorbeifahren auf Corona testen zu lassen, das ermöglicht in Schönebeck seit vergangener Woche auch eine Hausarztpraxis.

Die Autoschlange macht schon von Weitem auf den Drive-in-Parkplatz in Schönebeck aufmerksam. Doch die bewegt sich relativ rasch voran.

Halt ist an einem kleinen Wohnwagen geboten. Patienten, die Kontakt zu Infizierten hatten oder Symptome haben, kommunizieren dort über die Wechselsprechanlage mit dem Hausarzt Dr. Robin John.

Über eine Wechselsprechanlage kommuniziert Hausarzt Dr. Robin John mit den Patienten, die sich testen lassen möchten. Unterstützt wird er von der angehenden Ärztin Luise Mecke

Über eine Wechselsprechanlage kommuniziert Hausarzt Dr. Robin John mit den Patienten, die sich testen lassen möchten. Unterstützt wird er von der angehenden Ärztin Luise Mecke

© Petra Zieler

An Stationen kein direkter Kontakt

Der sitzt im Wohnwagen, fragt nach Kontaktdaten und überweisendem Arzt, gibt anschließend Anleitung zum Selbsttest, die auch in Schriftform vorliegt und ganz in Ruhe nachgelesen werden kann. Nächster Halt ist die Entnahmestation für Röhrchen mit Pipetten.

Die werden benetzt in der „Abwurfstelle“ gesammelt und später einem Magdeburger Labor zur Auswertung übergeben. Es gibt keinerlei Kontakt zwischen dem Arzt und seinen Helfern, der PJlerin Luise Mecke und dem Studenten Henning Otte, der es gut und sinnvoll findet, dort in der Uni-freien Zeit auszuhelfen.

Ohne Schutzausrüstung beste Alternative

Dr. John: „In der Praxis sind wir immer in der Bredouille, Abstreichen oder nicht und müssen uns die Frage stellen, inwiefern wir unsere Mitarbeiter, aber auch die chronisch kranken Patienten, gefährden.“

Drive-in-Stationen seien die beste Alternative. Doch es gab ein Problem. „Wir hatten keine Schutzausrüstung und die Chancen, sie aktuell zu bekommen, geht gen Null. Nehmen Patienten die Abstriche aber selbst vor, braucht es keinen gesonderten Schutz.“

An einem Wochenende ausgetüftelt

Gedacht und ein Wochenende lang getan: mit der Familie, den Ärzten im Team und einem ITler. Was die Handvoll Tüftler dazu brauchte, ist schnell aufgezählt: einen Wohnwagen, den Hausarzt Stefan Böhm von einem Bekannten auslieh, eine Wechselsprechanlage, einen Nadeldrucker, einen VPN-Zugang zur Praxis und ein Gerät zum Einlesen der Chipkarte.

Die Kosten sind mit 500 bis 600 Euro überschaubar und erschwinglich. „Wichtig war für uns die Unterstützung des Oberbürgermeisters, der uns die kostenlose Nutzung eines großen Parkplatzes in Schönebeck zugesichert hat. Auch die Stadtwerke waren sehr kooperativ.“ Erwogen werde dort sogar, den Strom kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Knapp 100 Patienten ließen sich bislang pro Tag testen. Jeder kann die eigenen Testergebnisse nach 24 bis 48 Stunden über die Internetseite der Hausarztpraxis und eine eigene ID-Nummer einsehen. Nachahmen erwünscht.

Wie stark schränkt der Ausfall von MitarbeiterInnen derzeit ihre Arbeit in der Praxis ein?

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