Ländervergleich

COVID-19: Sterberate in Deutschland relativ niedrig

Im Jahr 2020 standen in einigen europäischen Ländern elf bis zwölf Prozent der Todesfälle in Zusammenhang mit COVID-19. In Deutschland lag die Quote deutlich darunter.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Die Pandemie hat die Welt seit zwei Jahren im Griff. Die coronabedingten Sterbefallzahlen fallen allerdings sehr unterschiedlich aus.

Die Pandemie hat die Welt seit zwei Jahren im Griff. Die coronabedingten Sterbefallzahlen fallen allerdings sehr unterschiedlich aus.

© Photocreo Bednarek /stock.adobe.com

Köln. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern verzeichnete Deutschland ebenso wie Dänemark im Jahr 2020 einen geringeren Anteil an Corona-bedingten Todesfällen. Dennoch war COVID-19 hierzulande immerhin die sechshäufigste Todesursache. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kurzanalyse des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherer (WIP).

2021 könnte die neue Erkrankung sogar auf dem zweiten Platz landen, so die Forscher. Die Zahl der erfassten Todesfälle mit COVID-19 als Haupttodesursache hat sich von 39.758 im Jahr 2020 auf 78.320 fast verdoppelt. „In einer vorläufigen Rangliste für 2021 würde sich COVID-19 damit sogar auf Rang zwei und damit vor den zerebrovaskulären Krankheiten, der Demenz, dem Lungenkarzinom und dem Myokardinfarkt einordnen“, schreiben die Autoren Dr. Frank Wild und Larissa Tembrink.

Todesursachenerfassung ist schwierig

Ihre Analyse beruht auf den offiziellen Daten zu Todesfällen aus Deutschland sowie aus Dänemark, Italien, Österreich, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz, Spanien, Tschechien und dem Vereinigten Königreich. Die Forscher weisen auf eine Reihe von Einschränkungen hin. Die Todesursachenerfassung sei häufig ein schwieriges Vorhaben. Wild und Tembrink gehen davon aus, dass die Relevanz von Corona in den meisten Ländern höher einzuordnen ist als aus den offiziellen Daten ablesbar.

Bei der Gegenüberstellung müssten zudem die unterschiedlichen demografischen Voraussetzungen berücksichtigt werden, betonten sie. „Die Altersstruktur beeinflusst die Krankheitsprävalenzen und damit die Verteilung der Todesursachen in den einzelnen Ländern.“ Bei den einbezogenen Ländern variiert laut der Studie das Medianalter um sieben Jahre zwischen 47,9 Jahren (Italien) und 40,8 Jahren (Vereinigtes Königreich). Deutschland weise mit 46,6 Jahren die zweitälteste Bevölkerung auf.

Corona-Maßnahmen nicht unterschätzen

Laut der untersuchten Daten war COVID-19 im Jahr 2020 in Spanien, der Schweiz, Italien und im Vereinigten Königreich die wichtigste Todesursache. In diesen Ländern entfielen zwischen elf und zwölf Prozent der Todesfälle auf die Erkrankung. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 4,2 Prozent, in Dänemark 2,3 Prozent. Im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der Todesfälle weltweit fast verdoppelt, schreiben die Autoren. „Voraussichtlich wird die relative Bedeutung zu anderen Todesursachen damit noch weiter steigen.“

Ohne Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung, die Hygieneregeln und die Verfügbarkeit von Impfstoff wäre die Sterblichkeit noch weitaus höher, betonen Wild und Tembrink.

Die enorme Bedeutung von COVID-19 zeigen nach ihren Angaben auch die Statistiken zur Übersterblichkeit und zur Entwicklung der Lebenserwartung. Mit Ausnahme Dänemarks hat sich die Lebenserwartung Neugeborener in allen untersuchten Ländern von 2019 auf 2020 reduziert. Die Spanne ist groß. In Spanien gab es einen Rückgang um 1,44 Jahre bei Männern und 1,50 Jahre bei Frauen. In Deutschland waren es 0,38 Jahre bei Männern und 0,23 Jahre bei Frauen. Nur Dänemark verzeichnete einen minimalen Anstieg der Lebenserwartung.

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