Coronavirus und Schulen

Virologen für Maskenpflicht im Unterricht

Maske aufziehen im Unterricht? Die Gesellschaft für Virologie ist klar dafür – und warnt davor, die Rolle von Kindern in der Corona-Pandemie zu unterschätzen.

Veröffentlicht: 07.08.2020, 15:06 Uhr
Verhaltensregeln für die Schule während der Corona-Krise

Tatsächlich wird an den Schulen nach den Ferien vieles neu sein in Sachen Corona. Die Gesellschaft für Virologie hat Verhaltensvorschläge gemacht.

© Felix Kästle/dpa

Berlin. Zum Schutz vor einer Corona-Infektion in Schulen haben sich Virologen für das „konsequente“ Tragen von Alltagsmasken auch im Unterricht ausgesprochen. Dies habe für alle Schuljahrgänge zu gelten.

Zudem sollten die Kinder altersgerecht über den Umgang mit der Maske aufgeklärt werden, heißt es in der Stellungnahme einer Ad-hoc-Kommission der Gesellschaft für Virologie zur Wiederaufnahme des Regelunterrichts nach den Sommerferien.

Klassenzimmer gut durchlüften

Die Klassengröße solle abhängig von der Zahl der Neuinfektionen verkleinert, Klassenzimmer sollten regelmäßig und gut durchlüftet werden, empfehlen die Virologen. Zudem schlagen sie vor, innerhalb der Klassenverbände feste Kleingruppen inklusive Lehrpersonal zu definieren. Die Gruppen sollten im Schulalltag nach Möglichkeit wenig durchmischt sein.

Ratsam sei auch ein Mix aus Präsenzunterricht und Heimarbeitseinheiten. Komme es gegen Jahresende zu einem kritischen Anstieg der Neuinfektionen „mit regelmäßiger Beteiligung von Bildungseinrichtungen“, sei eine Ausdehnung der Weihnachtsferien zu erwägen. Das erscheine auch deshalb sinnvoll, „weil es über Weihnachten durch feiertagsbedingte Reisetätigkeit und Familienfeiern vermutlich zu einer weiteren Zunahme der Infektionsrisiken kommen kann“, heißt es in der Stellungnahme.

Konsequente Händehygiene solle auch in Schulen beibehalten werden, raten die Experten, auch wenn die Übertragung des Virus durch Oberflächen bislang wahrscheinlich überschätzt und die aerogene Übertragung unterschätzt worden sei.

Milder Verlauf, aber ...

Nach heutigem Wissensstand verliefen Infektionen mit SARS-CoV-2 bei Kindern in der überwiegenden Mehrheit mild, mit deutlich geringeren Raten an Hospitalisierung, Komplikationen und Todesfällen als bei Erwachsenen, betonen die Experten. Zugleich warnen sie davor, die Rolle von Kindern in der Pandemie und bei der Übertragung des Virus zu unterschätzen. „Solche Vorstellungen stehen nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen.“

Zuletzt hatten auch Pädiater und Krankenhaushygieniker ein Konzept zur Rückkehr zum regelhaften Schulbetrieb nach den Ferien vorgelegt. Das Konzept sieht unterschiedliche Schutzmaßnahmen vor, die sich nach der Zahl der Neuinfektionen in der betreffenden Region richten. Im Unterricht können die Kinder demnach die Maske an ihrem Platz abziehen – sofern genügend Abstand zwischen ihnen gewährleistet ist.

Die Bundesländer handhaben die Maskenpflicht in den Schulen bisher unterschiedlich. Einige haben auch noch keine Entscheidung getroffen. (hom)

Die komplette Stellungnahme der Virologen im Wortlaut finden Sie hier.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Prof. Dr. Ingo Heberlein

Schaut über den virologischen Tellerrand hinaus!

„Nach heutigem Wissensstand verlaufen Infektionen mit SARS-CoV-2 bei Kindern in der überwiegenden Mehrheit mild, mit deutlich geringeren Raten an Hospitalisierung, Komplikationen und Todesfällen als bei Erwachsenen.“

aber: „Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen. Solche Vorstellungen stehen nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen.“ (Stellungnahme der der Ad-hoc-Kommission SARS-CoV-2 der Gesellschaft für Virologie vom 6.8.2020)

Bezug genommen wird (u.a.) auf einen Lagebericht des RKI vom 21.7.2020 woraus sich ergebe, dass der prozentuale Anteil von Kindern an der Gesamtzahl der Neuinfektionen in Deutschland in einer Größenordnung liege, der dem Anteil der Kinder an der Gesamtbevölkerung entspreche. Das ist falsch! Das RKI berichtet für die Kinder bis 10 Jahre einen Anteil von 2,7 % der nachgewiesenen Infektionen und für die Altersgruppe 10 – 19 einen solchen von 5 %, zusammen also 7,7 Prozentpunkte. Das statistische Bundesamt weist für 2019 einen Anteil beider Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung von 18,4 % aus, leider nicht getrennt für die Kinder bis 10 (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Tabellen/liste-altersgruppen.html).. Es bleibt als Feststellung: beide Altersgruppen zusammen sind in der Zahl der nachgewiesenen Infizierten deutlichst geringer vertreten als andere Altersgruppen. Gäbe es eine Statistik des RKI zu den Covid-19 Erkrankungsfällen, müsste die Diskrepanz noch viel krasser sein, weil wir wissen, aus welchen Altersgruppen sich die Krankenhausfälle, die Beatmungsfälle und schließlich die Todesfälle ganz überwiegen rekrutieren.

Also kann es, statt Alarmismus zu betreiben, bei der Einsicht der Studie von vier Universitätskliniken im Auftrag der Landesregierung BW bleiben: „Kein Hinweis auf Kinder als Treiber des Infektionsgeschehens“ … „Insgesamt scheinen Kinder demnach nicht nur seltener an COVID-19 zu erkranken, was schon länger bekannt ist, sondern auch seltener durch das SARS-CoV-2-Virus infiziert zu werden.“ Das deckt sich auch mit zahlreichen anderen Hinweisen weltweit.

Wie schön wäre es, wenn nicht weiterhin die Virologen rein aus virologischer Sicht ihre Deutung der vorhandenen Studien öffentlichkeitwirksam vermarkten würden, um die Erregungskultur zu bedienen. Da die Sars-Covid-2 Pandemie wie jede Epidemie nicht nur ein virologisches, sondern ein medizinisches und darüber hinaus eminent soziales Geschehen ist, ist die virologische Expertise natürlich notwendig, aber längst nicht hinreichend. Wie wäre ein Schulterschluss mit anderen wissenschaftlichen Fachgesellschaften? Das könnte zu abgewogener Darstellung und zu Empfehlungen führen, die auch die kollateralen Wirkungen einschließen.

Dr. Horst Grünwoldt

Beim "Masketragen" dürften die unhygienischen Aspekte den vermeintlichen "Infektionsschutz" bei weitem überwiegen!
Der von amts wegen angeordnete sog. "Mund-Nasen-Schutz" führt zunächst zur Atemdepression. ( Deshalb sind ja Asthmatiker sowie so davon befreit). Die dürfte in der warmen Jahreszeit aber auch bei klinisch Gesunden pneumologisch ganz und gar unerwünscht sein; insbesondere bei Menschen, die von berufswegen durch den unhygienischen Bedarfsartikel sprechen müssen. Auf der feuchten Innenseite des i.d.R. mehrfachverwendeten "Flattermanns" werden die Nasen-Staphylokokken und die Mund-Rachen- Streptokokken angereichert. Das kann man bakteriologisch bei uns allen schon nach 3-stündigen Maskentragen durch Abklatsch-Kultur bakgteriologisch nachweisen. Aber dafür scheint wohl die Versammlung der Virologen gemäß ihrer "Stellungnahme der Ad-hoc-Kommission "Sars-CoV-2" zu Präventionsmaßnahmen bei Schulbeginn nach den Sommerferien 2020" seuchenhygienisch inkompetent zu sein. Dazu zähle ich auch die uns öffentlich als Verunsicherer über die Medien schon aufgefallenen Unterzeichner, die Professoren Melanie Brinkmann, J. Schmidt-Chanasit und C. Drosten. Die haben gegenüber den Statistikern des RKI nämlich im vergangenen Halbjahr 2020 nicht klarstellen können oder wollen, dass eine abgestrichene Schleimhaut-"Kontamination" mit einem "Virus" oder sonstigen Antigen noch keine somatische "Infektion" mit pathogener Organ-Manisfestation darstellt. Als "Corona-Fälle" dürften demgemäß erst Patientgen mit Covid19- Bronchopneumonie in die Seuchenstatistik aufgenommen werden, weil -trotz anderer Hypothese- eine potentiell "ansteckende Viruslast" erst aus untergehenden (Gewebe-) Zellen freigesetzt werden kann.
Insofern ist sowohl die "Nachverfolgung" von positiven Abstrichen, wie auch die 14-tägige Quarantäne-Verhängung von gesunden (nicht-intim-verkehrenden) Kontakpersonen, als auch die Massentesterei nur geeignet, alle unhygienischen "Maßnahmen" bis zum Überdruß fortzuführen.
Dr. med. vet. H. Grünwoldt, Rostock

Dr. Thomas Georg Schätzler

2. Studie
Frühe Empfehlungen zum Mund-Nasen-Schutz (MNS) waren maßgeblich, dass die Zahl an SARS-CoV-2-Erkrankungen in China schneller zurückging als in den meisten westlichen Ländern. Das ist Ergebnis einer Gruppe von Forschern in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2020; DOI:10.1073/pnas.2009637117)
In asiatischen Ländern haben viele Menschen bereits vor der SARS-CoV-2-Epidemie in der Öffentlichkeit einen MNS getragen. In Japan gehört dies bei Erkäl­tungen zum guten Ton, um Andere nicht anzustecken. In China haben viele Menschen wegen der starken Luftverschmutzung einen MNS getragen.
Als die chinesische Regierung Ende Januar einen Lockdown zunächst für die Provinz Hubei und später für weitere Städten verkündete, war der MNS ein selbst­verständlicher Bestandteil der Maßnahmen.
Durch die gleichzeitige Einführung lässt sich der Stellenwert der einzelnen Maßnahmen in China nicht auseinander dividieren. Im westlichen Kulturkreis ist die Situation anders. Ein MNS wurde hier nur im Krankenhaus in der Regel nur im OP oder auf Intensivstation getragen. Regierungen und WHO taten sch deshalb schwer, Allen zum MNS zu raten.
In Italien wurde die Empfehlung erst am 6. April nach 28 Tagen Lockdown ausge­sprochen, in New York am 17. April nach 32 Tagen Lockdown. In den meisten anderen Städten und Staaten der USA folgte die Empfehlung zum MNS erst später, wenn überhaupt.
Die zeitlich versetzten Empfehlungen ermöglichen es den Epidemiologen, die Auswir­kungen der einzelnen Maßnahmen zu berechnen. So können Renyi Zhang von der Texas A&M University et al. zeigen, dass sich die Kurven in Italien und in New York deutlich abgeflacht haben, seitdem ein MNS vorgeschrieben ist.
Im Rest der USA ist dies nicht der Fall. Dort stiegen bis Mitte Mai die Erkrankungszahlen, obwohl der Bevölkerung zur sozialen Distanz geraten wurde, und Quaran­täne-Regelungen („Stay at home“) galten...
Einzelheiten
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/113769/Studie-Mund-Nasen-Schutz-wichtiger-als-Social-Distancing
MfG, Dr.Schätzler

Dr. Thomas Georg Schätzler

2 Studien dazu:
Mund-Nase-Schutz ist nach einer von der WHO in Auftrag gegebenen Meta-Analyse effektiv, wobei Respiratoren wie N95 laut der Publikation im Lancet 2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31142-9
einen besseren Schutz bieten als einfache chirurgische Masken.
Wirksamkeiten von der WHO empfohlenen, international üblichen Schutzmaßnahmen wurden bisher nie in randomisierten Studien untersucht.
Das Team um Holger Schünemann von der McMaster Universität in Hamilton/Ontario musste sich deshalb ganz auf epidemiologische Untersuchungen stützen, die Gefahr laufen, die Effektivität von Schutzmaßnahmen falsch einzustufen. Diese Gefahr vermindert sich, wenn verschiedene Beobachtungsstudien zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Dies war bei den meisten der 172 Studien der Fall, die die kanadischen Forscher ausgewertet haben. Insgesamt 44 vergleichende Studien (7 zu COVID-19, 26 zu SARS und 11 zu MERS) konnten in eine Meta-Analyse einbezogen werden, aus deren Ergebnissen sich die Infektionsrisiken abschätzen lassen.
Nach den Ergebnissen der Meta-Analyse senkt eine körperliche Distanz von mehr als 1 Meter sowohl im Gesundheitswesen als auch im Gesellschaftlichen das Ansteckungsrisiko um 82 %. Die adjustierte Odds Ratio betrug 0,18 und war mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 0,09 bis 0,38 signifikant. In den Studien betrug das absolute Infektionsrisiko bei einer Distanz von weniger als 1 Meter 12,8 %, bei einer Distanz von mehr als 1 Meter sank es auf 2,6 %.
Nach den Berechnungen der Forscher verdoppelt sich die Schutzwirkung mit jedem zusätzlichen Meter Distanz (Änderung des relativen Risikos 2,02). Die Berechnungen reichten bis zu einer Distanz von 3 Metern...
Ein Mund-Nase-Schutz senkt das Infektionsrisiko laut der aktuellen Studie um 85 % (adjustierte Odds Ratio 0,15; 0,07 bis 0,34).
Nach
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/113442/WHO-Studie-untersucht-Schutzwirkung-von-sozialer-Distanz-und-Mund-Nase-Schutz
Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt Mauterndorf/A)


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