BKK-Gesundheitsreport 2020

Corona lässt den Krankenstand Achterbahn fahren

SARS-CoV-2-Infektionen spielen beim Krankenstand in den Betrieben kaum eine Rolle, heißt es in einem aktuellen Report des BKK-Dachverbands. Die Folgen für die Gesundheit zeigen sich an anderer Stelle.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Im März zählte die BKK 59 AU-Tage je 10000 Beschäftigten.

Im März zählte die BKK 59 AU-Tage je 10 000 Beschäftigten.

© Ulrich Baumgarten / picture alliance

Berlin. Corona lässt den Krankenstand Achterbahn fahren. Im März dieses Jahres erreichte er unter den BKK-Versicherten mit 6,7 Prozent den höchsten Wert seit zehn Jahren. Im Mai wurde dagegen mit 3,7 Prozent ein historischer Tiefstwert verzeichnet, das geht aus dem aktuellen BKK-Gesundheitsreport 2020 hervor.

Ein volatiles Bild zeigt auch der Blick auf die Fälle von Arbeitsunfähigkeit und die AU-Tage im laufenden Jahr. „Die monatlichen Fehlzeiten folgen im Wesentlichen der epidemiologischen Entwicklung der Fallzahlen“, sagte BKK-Dachverbands-Chef Franz Knieps bei der Vorstellung des Reports am Donnerstag in Berlin.

Demnach gab es im März 59 AU-Tage je 10000 Beschäftigten, im April 105 und im Oktober 86. Die Fallzahlen dazu betrugen im März 6,3, im April 10,4 und im Oktober 12,2 je 10.000 Beschäftigte. Im Sommer blieben die Werte moderat. Die coronabedingten Anteile von AU-Fällen und AU-Tagen liegen pro Monat zwischen 0,3 und einem Prozent.

Jeder Zweite arbeitet im Home-Office

Die Pandemie verändert die Arbeitswelt dramatisch. Gut jeder zweite Beschäftigte (54 Prozent) in Deutschland arbeitet inzwischen ganz oder teilweise im Home-Office. Das geht aus einer Kantar-Umfrage im Juni im Auftrag des BKK-Dachverbandes unter 3000 Beschäftigten hervor. Weitgehend ausgenommen sind die Angehörigen von Gesundheitsberufen, für die in der Regel Präsenz Voraussetzung für die Ausübung ihrer Tätigkeit ist.

„Rücken“ ist immer noch am häufigsten

  • Seit 2009 sind die Fälle von Arbeitsunfähigkeit von 1,09 je Beschäftigten auf 1,38 im Jahr 2019 angestiegen, die AU-Tage von 13,5 auf 18,4.
  • Fast jeder vierte Fehltag im Jahr 2019 geht auf Muskel-Skelettkrankheiten zurück, jeder sechste auf psychische Störungen und jeder siebte auf Atemwegserkrankungen.
  • SARS-CoV-2 hat im Jahr 2020 bislang nur geringe Fehlzeiten verursacht.

Ohne Folgen für die Gesundheit scheint der Trend nicht zu bleiben. Vereinsamung und körperliche Beeinträchtigung aufgrund ergonomisch unzureichender Heimarbeitsplätze können die Folge sein, heißt es im Gesundheitsreport. Umgekehrt können aber die selbstbestimmte Wahl des Arbeitsortes und der damit verbundene Vertrauensvorschuss seitens des Arbeitgebers auch psychologisch aufbauen.

Die BKK-Umfrage zeige, dass Beschäftigte, die von zuhause aus arbeiten könnten, ihre Gesundheit positiver bewerteten als solche, die nie von zuhause aus arbeiteten, berichtete Professorin Simone Kauffeld von der TU Braunschweig.

„Abseits der technischen Voraussetzungen ist eine neue Arbeits- und Führungskultur, die die Beschäftigten unterstützt, die wichtigste Voraussetzung für eine gesundheitsförderliche Gestaltung von Mobilität und Arbeit“, mahnte Knieps Konsequenzen aus den Ergebnissen an.

Pendler seltener krank?

Schwerpunkt des Reports ist die Situation von Berufspendlern, die allerdings vor Corona untersucht worden ist. Sie sind meist weniger krank, seltener in ärztlicher Behandlung und nehmen weniger Arzneimittel zu sich. Grund ist die Soziologie dieser Berufsgruppe. Unter den Pendlern sind am häufigsten „männliche und gut verdienende Beschäftigte mit hohem Schulabschluss“ vor allem aus IT- und naturwissenschaftlichen Berufen. „Damit liegt die Vermutung nahe, dass die negativen gesundheitlichen Folgen des Pendelns durch diese positiven Voraussetzungen in dieser Gruppe teilweise kompensiert werden“, sagte Untersuchungsleiter Professor Holger Pfaff von der Universität Köln.

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