BKK-Gesundheitsreport

Corona trifft Beschäftigte in Pflege und Gesundheit hart

Corona zeigt soziologische Risiken in der Arbeitswelt auf. In Gesundheits- und Pflegeberufen gibt es überdurchschnittlich viele Krankschreibungen. Das zeigt ein aktueller Report.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Pflegekräfte waren im Coronajahr 2020 überdurchschnittlich häufig krank geschrieben.

Pflegekräfte waren im Coronajahr 2020 überdurchschnittlich häufig krank geschrieben.

© Robin Utrecht / picture alliance

Berlin. COVID-19-Diagnosen treffen eher Frauen, jüngere Menschen und Beschäftigte mit niedrigen Schul- und Ausbildungsabschlüssen.

Das geht aus dem BKK-Gesundheitsreport 2021 „Krise – Wandel – Aufbruch“ hervor, den der Dachverband der Betriebskrankenkassen am Dienstag vorgestellt hat.

Frauen stark betroffen

Im ersten Corona-Jahr 2020 hat sich die Pandemie in besonderem Maße bei den Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeberufen mit ihren hohen Frauenanteilen niedergeschlagen. Sie waren häufiger als die Angehörigen anderer Branchen krank geschrieben, vermerkt der Report.

Je 1000 Beschäftigte insgesamt verzeichnet die Statistik in den medizinischen Gesundheitsberufen für das vergangene Jahr 13,2 Fälle von Arbeitsunfähigkeit und 132 AU-Tage. Noch stärker betroffen waren die Pflegenden.

Unter ihnen wurden im Berichtsjahr je 1000 Beschäftigten 14 Fälle von Arbeitsunfähigkeit und 135 AU-Tage gezählt. Die nichtmedizinischen Gesundheits- und Körperpflegeberufe stehen mit 11,6 Krankschreibungen und 124 AU-Tagen ebenfalls weit oben.

Auch die Psyche leidet

Über alle Berufsgruppen gerechnet, kam es 2020 zu 7,7 Krankschreibungen je 1000 Arbeitnehmer und 71 AU-Tagen. Im Schnitt war den BKK-Erhebungen zufolge jeder Beschäftigte 18,2 Tage arbeitsunfähig gemeldet (2019: 18,4). Mehr als die Hälfte der AU-Tage gehen auf das Konto von Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychischen Störungen und Atemwegserkrankungen.

Eine Umfrage im Auftrag des Kassenverbandes weist zudem auf negative Einflüsse der Pandemie auf die körperliche und seelische Gesundheit in den Belegschaften hin. Rund ein Viertel der rund 3000 Befragten spricht von einer Verschlechterung der eigenen Arbeitsmotivation und des Zusammenhalts in den Belegschaften. Mehr als 44 Prozent sehen die Arbeitswelt schlecht auf künftige Krisen vorbereitet.

Der BKK-Dachverbands-Chef Franz Knieps fordert nun eine Reaktion der Unternehmen: „Das Wichtigste ist Resilienz, das heißt, die Widerstandsfähigkeit der Belegschaft für die unterschiedlichen Belastungen zu stärken“, sagte Knieps bei der Vorstellung des Reports am Dienstag.

Dreimal mehr Home Office

Insgesamt hat sich das AU-Geschehen gegenüber 2019 abgeschwächt. Knieps verwies auf den starken Rückgang der AU-Fälle gegenüber 2019 um 15,4 Prozent. Allein ein Fünftel weniger Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen (minus 22,1 Prozent) wurden gezählt. Der größte Rückgang bei den AU-Tagen sei mit minus 8,3 Prozent bei den Infektionen festgestellt worden.

Die Herausgeber des Reports führen dies auch auf die Kontaktbeschränkungen und den Zuwachs an Home Office-Tätigkeit zurück. Im Vergleich zu 2017 habe sich Home Office im Berichtsjahr von 13 Prozent auf 41 Prozent mehr als verdreifacht.

Belegschaften beeinträchtigt

Der gestiegene Anteil an Arbeit im Home Office hat zwar die Zahl der Kontakte und damit auch die Infektionsgefahren reduziert, gleichzeitig aber auch das soziale Gefüge der Belegschaften getroffen.

Gerade in der Krise sei es aber notwendig, dass alle Beschäftigten an einem Strang zögen, um die Betriebe handlungsfähig zu halten, betont Professor Holger Pfaff vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaften an der Universität Köln sowie Herausgeber des BKK-Reports. „Die Unternehmen müssten wieder eine Art Gemeinschaftsgefühl erzeugen, das in der Pandemie oftmals verloren gegangen ist und uns in gewisser Weise atomisiert hat“, sagte Pfaff.

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