Aufruf an Koalitionäre

DDG: Kostenlawine bei Diabetes mit mehr Prävention stoppen

Mit Blick auf die Regierungsbildung im Bund erinnern Ärzte an die grassierende Diabetes-Epidemie: Diese verschlinge Folgekosten in Milliardenhöhe. Nötig sei ein Ausbau der Verhältnis- und Verhaltensprävention.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Luft nach oben: Diabetologen fordern mehr Bewegungsangebote für junge Menschen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

Luft nach oben: Diabetologen fordern mehr Bewegungsangebote für junge Menschen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© New Africa / stock.adobe.com

Berlin. Diabetologen haben vor einer Kostenlawine infolge der Zunahme von Diabeteserkrankungen gewarnt. Die direkten Krankheitskosten des Diabetes-Typ-2 beliefen sich in Deutschland heute schon auf 21 Milliarden Euro im Jahr. Hinzu addierten sich indirekte Kosten, die für Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung anfielen, teilte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit.

Diabetes sei „nicht ansteckend, man kann ihm nicht mit Mundschutz und Handhygiene beikommen, und auch Abstand zu halten nützt nichts“, erklärte die DDG mit Blick auf die seit gut eineinhalb Jahren für Schlagzeilen sorgende Coronavirus-Pandemie. Gleichwohl breite sich auch der Typ-2-Diabetes wie eine „Epidemie“ aus. Die Erkrankungszahlen nähmen seit Jahrzehnten kontinuierlich zu.

Derzeit acht Millionen Betroffene

Bei gleichbleibender Entwicklung sei davon auszugehen, dass hierzulande bis zum Jahr 2040 rund zwölf Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt seien, schreibt die DDG. Neben volkswirtschaftlichen Kosten, für die die Solidargemeinschaft aufkommen müsse, käme das Leid der Patienten hinzu, das sich in verlorenen Lebensjahren und Einbußen in der Lebensqualität ausdrücke.

Die Zahl der Bundesbürger, bei denen ein Diabetes Typ 2 bereits sicher diagnostiziert sei, liege aktuell bei rund acht Millionen, rechnete Professor Wolfgang Rathmann, stellvertretender Direktor des Instituts für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf, vor. Hinzu kämen mindestens zwei Millionen Menschen, die einen unerkannten Typ-2-Diabetes haben.

In der Gesundheitspolitik wollen wir Vorsorge und Prävention zum Leitprinzip machen.

Auszug aus einem „Ergebnispapier“ von SPD, Grünen und FDP nach Abschluss von Sondierungen für ein Regierungsbündnis auf Bundesebene.

Ursächlich für den Anstieg der Zahl des Diabetespatienten sei auch die „erfreuliche Abnahme“ der Diabetessterblichkeit, sagte Rathmann. Im Durchschnitt liege die Lebenserwartung der Betroffenen jedoch noch immer vier bis sechs Jahre unter der von gleichaltrigen gesunden Menschen. Ausschlaggebend seien schwere Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Erkrankungen der Netzhaut, Nierenversagen oder das diabetische Fußsyndrom.

„Bei der Vermeidung und Behandlung dieser Folgeerkrankungen haben wir in den vergangenen Jahren zwar Fortschritte erzielt“, sagte der Chefarzt der GZW Diabetes-Klinik Bad Nauheim und Vorsitzender der AG „Diabetischer Fuß“ der DDG, Dr. Michael Eckhard. Sowohl bei Prävention des Typ-2-Diabetes als auch bei Therapie müsse man aber besser werden.

Die beeinflussbaren Risikofaktoren für Diabetes wie ungesunde Ernährung oder fehlende Bewegung seien bekannt, betonten die DDG-Experten. Die Spirale einer ungesunden Lebensweise zurückzudrehen, liege aber nicht nur in der Verantwortung des Einzelnen.

„Ampel“-Verhandler wollen liefern

Politik und Gesellschaft müssen dabei im Sinne von Verhältnisprävention Hilfestellung leisten, forderte Eckhard. Dazu gehörten auch mehr Bewegungsangebote für junge Menschen. Für Lebensmittel sei verpflichtend der Nutri Score einzuführen.

SPD, Grüne und FDP, die mittlerweile zu Koalitionsgesprächen zusammengefunden haben, wollen liefern. In einem „Ergebnispapier“ zu den vorangegangenen Sondierungen der Parteien heißt es: „In der Gesundheitspolitik wollen wir Vorsorge und Prävention zum Leitprinzip machen.“

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