Kommentar zu Krebsregistern

Der Fluch des Föderalismus

Der Föderalismus lässt sich nicht beseitigen – doch für die Krebsregister wird er zur Schwäche. Umso wichtiger ist eine Harmonisierung von Anfang an.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 19.02.2020, 19:12 Uhr

Vielfalt ist gut gegen Einfalt, sie erlaubt Wahlmöglichkeiten und Wettbewerb, was zu Verbesserungen führen kann.

Vielfalt kann aber auch zu einer Plage werden, wenn sie dysfunktional ist. Ein besonders gutes Beispiel dafür sind die klinischen Krebsregister, die mit beschämender Verspätung im internationalen Vergleich seit fünf Jahren aufgebaut werden.

Ihre fundamentale Schwäche ist der Föderalismus, der dazu führt, dass 16 verschiedene Landesgesetze von 16 verschiedenen Administrationen umgesetzt werden. Daraus entstanden ist ein babylonisches Gewirr an Statistik, inhaltlich-qualitativ unterschiedlich und nicht interoperabel.

Das heißt aber: Für internationale Spitzenforschung in der Medizin oder auch für (Versorgungs-)Forschung bei seltenen Krankheiten sind die klinischen Krebsregister derzeit nicht tauglich und müssten aufgerüstet und vor allem datentechnisch neu strukturiert werden.

Notwendig und sinnvoll wäre dies beispielsweise, um neuartige Fragestellungen bei der Bewertung von Orphan Drugs mithilfe von Real-World-Data bearbeiten zu können. Das leisten die Register derzeit nicht. Es dürfte für Arzneimittelhersteller auch unzumutbar sein, 16 Anträge bei 16 Registern zu stellen – mit unterschiedlichen Anforderungen und Ergebnissen.

Der Föderalismus lässt sich nicht beseitigen – er hat Verfassungsrang. Aber das macht es umso wichtiger, schon beim Start in Gesetzgebungsverfahren auf der Länderebene eine Harmonisierung anzustreben – dort, wo sie geboten ist.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

Lesen Sie dazu auch:
Hören Sie dazu auch:
Mehr zum Thema

Nutzenbewertung

IQWiG: Darolutamid hat bei Prostatakrebs Zusatznutzen

Dr. Clemens Fischer im Interview

„Wir schöpfen unser Potenzial nicht aus“

Das könnte Sie auch interessieren
Thromboseprophylaxe und COVID-19

„ÄrzteTage extra“-Podcast

Thromboseprophylaxe und COVID-19

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Leo Pharma GmbH, Neu-Isenburg
Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

CAT-Algorithmus

Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

Anzeige
Kommentare
Dr. Birgit Bauer

Es würde ja schon reichen , wenn die Länder zu einer vernünftigen Zusammenarbeit fähig wären, aber die vielen Alpha-Tiere und der ausgeprägte Egoismus in unserem Land stehen dem, nicht nur in diesem Bereich diametral gegenüber.
Im übrigen können auch Verfassungen bei entsprechenden Mehrheiten geändert werden !


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Neuer Subtyp der Herzschwäche?

HFrecEF

Neuer Subtyp der Herzschwäche?

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden