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Kommentar zur Sehhilf-Studie

Doppeltes Pech

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

Menschen mit geringen finanziellen Mitteln gehen seltener zum Augenarzt als notwendig - sei es zur Untersuchung, sei es zur Vorsorge. Das legen Ergebnisse einer Versorgungsforschungsstudie nahe, in die Nutzer der Mülheimer Tafel und Mitarbeiter eines Krankenhauses einbezogen waren.

Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Die sozioökonomisch schlechter gestellten Menschen hatten deutlich häufiger trotz mangelnder Sehschärfe keine Sehhilfe, sie hatten ein viel größeres Potenzial zur Steigerung der Sehschärfe.

Das Fehlen einer Sehhilfe oder das Tragen einer nicht richtig angepassten Brille kann den betroffenen Menschen das Leben unnötig erschweren. Wer seltener zum Augenarzt geht, läuft zudem ein höheres Risiko, dass Augenkrankheiten nicht oder erst spät erkannt werden.

Die Forderung nach augenärztlichen Screenings mit einem niederschwelligen Zugang ist richtig. Vonnöten sind auch andere Erstattungsregelungen für Brillen.

Bei Erwachsenen zahlen die Kassen seit der rot-grünen Gesundheitsreform 2004 die Gläser nur noch bei extremer Sehschwäche. Wer "einfach" nur schlecht sieht und sich keine Brille leisten kann, hat also Pech gehabt. Eine Härtefallregelung, wie es sie beim Zahnersatz gibt, könnte auch bei Sehhilfen Sinn machen.

Lesen Sie dazu auch: Sehhilfen: Blinder Fleck bei Armen?

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