Sehhilfen

Blinder Fleck bei Armen?

Eine Studie an der Universität Witten/Herdecke zeigt Defizite bei der Versorgung von Menschen aus prekären Lebenslagen mit Sehhilfen.

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DÜSSELDORF. Sozial Benachteiligte haben im Vergleich zu sozioökonomisch bessergestellten Menschen eine deutlich schlechtere Versorgung mit adäquaten Sehhilfen. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Witten/Herdecke. Sie sehen Handlungsbedarf bei der ophthalmologischen Versorgungsqualität und der Anpassung von Sehhilfen.

In die Untersuchung haben die Wissenschaftler Besuchern der Tafel in Mülheim/Ruhr auf der einen und Verwaltungsmitarbeitern eines Krankenhauses auf der anderen Seite kostenlose augenärztliche Untersuchungen angeboten.

106 Tafelbesucher untersucht

Die Studie umfasste - neben der Erhebung sozioökonomischer Daten - die Bestimmung des objektiven Brechkraftfehlers der Augen sowie der Brillenwerte und verschiedene Sehschärfebestimmungen, sagte Birgit-Bettina Bestges, Assistenzärztin an der Augenklinik des Evangelischen Krankenhauses Mülheim, beim "Dialog Versorgungsforschung NRW" in Düsseldorf zur gesundheitlichen Versorgung von Menschen in prekären Lebenslagen.

In die anonymisierte Auswertung sind die Daten von 106 Besuchern der Tafel und 46 Klinikmitarbeitern eingeflossen. Sie zeigt, dass 34 Prozent der Tafelnutzer eine mindestens einseitig korrigiert erreichbare Sehschärfe von unter 0,5 hatten, wohingegen dies nur bei zehn Prozent der Verwaltungsmitarbeiter der Fall war.

25 Prozent des Tafelkollektivs hatten eine Alltagssehschärfe auf mindestens einem Auge von unter 0,5, ohne dass eine Fernbrille zur Verfügung stand. Im Vergleichkollektiv waren es drei Prozent.

Bei 45 Prozent der Tafelnutzer stellten die Forscher ein mindestens einseitiges Steigerungspotenzial um mindestens zwei Visusstufen fest und nur bei 15 Prozent des Verwaltungspersonals, berichtete Bestges.

"Wir konnten im Tafelkollektiv Steigerungspotenziale von zehn Stufen finden." Nach Angaben der Augenärztin waren in beiden Kohorten die Brillen nicht optimal angepasst. "Hier besteht Handlungsbedarf", sagte sie.

Die Untersuchungsbedingungen und das eingesetzte Instrumentarium waren suboptimal, räumte Bestges ein. Dennoch zeigt die Untersuchung ihrer Einschätzung nach, dass augenärztliche Screenings für die Brillenanpassung und die Messung des Augeninnendrucks notwendig sind.

Sie müssten niederschwellig zur Verfügung stehen. Auch Änderungen bei der Kostenübernahme für Brillen durch die Krankenkassen hält sie für sinnvoll.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Doppeltes Pech

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