Vor dem Weltkrebstag

EU-Krebsplan: Vier Milliarden Euro gegen Krebs

Die EU-Kommission hat am Mittwoch ihre künftige Krebsstrategie veröffentlicht. Dabei soll jeder Europäer in puncto Krebs von modernster Technik profitieren. Auf welchen vier Pfeilern die Strategie fußt.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen (l.) hat am Mittwoch den EU-Krebsplan verabschiedet.

Die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen (l.) hat am Mittwoch den EU-Krebsplan verabschiedet.

© Etienne Ansotte / EU

Brüssel. Die Europäische Union (EU) soll im Kampf gegen Krebserkrankungen Flagge zeigen. Tatsache sei, wie die EU-Kommission am Mittwoch betonte, dass allein im vergangenen Jahr bei 2,7 Millionen Menschen in der EU Krebs diagnostiziert worden sei und 1,3 Millionen Patienten den Kampf gegen ihre onkologische Erkrankung verloren hätten. Verharre Europa im jetzigen Zustand, so sei 2035 mit einem Anstieg der jährlichen Neudiagnosen um 25 Prozent zu rechnen und Krebs werde in Europa zur zweithäufigsten Todesursache.

Doch so weit will es Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyern nicht kommen lassen. Die Kommission hat dafür am Mittwoch den lange erwarteten EU-Krebsplan nach mehrmaligen Verschiebungen angenommen. Im Selbstverständnis der Kommission fungiert der Krebsplan als tragende Säule der europäischen Gesundheitsunion, die Präsidentin von der Leyen im November 2020 zusammen mit der Forderung nach einer sichereren und widerstandsfähigeren EU vorgestellt hat.

Vier Milliarden Euro aus verschiedenen Töpfen

Gestützt auf neue Technologien, Forschung und Innovation gibt der Plan ein neues EU-Konzept für Krebsprävention, -behandlung und -versorgung vor. Er umfasst den gesamten Krankheitspfad, von der Prävention über Diagnostik und Therapien bis hin zur Förderung der Lebensqualität von Krebskranken und -überlebenden. „Der Fokus liegt dabei auf Maßnahmen, bei denen die EU den größten Mehrwert erbringen kann“, wie es von Kommissionsseite heißt. Wie in vielen vorangegangenen Diskussionsveranstaltungen von EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides wie auch Mitgliedern des Europaparlaments betont wurde, soll der Plan in seiner Umsetzungsphase vor allem auch dazu führen, dass jeder einzelne EU-Bürger in jedem einzelnen Mitgliedstaat Zugang zu modernster Technik entlang seiner onkologischen Patient Journey bekommt.

Europas Plan gegen den Krebs wird laut von der Leyen durch Maßnahmen in vielen verschiedenen Politikbereichen unterstützt, von Beschäftigung, Bildung, Sozial- und Gleichstellungspolitik über Marketing, Landwirtschaft, Energie, Umwelt und Klima bis hin zu Verkehr sowie Kohäsions- und Steuerpolitik.

Der Plan gliedere sich in vier Hauptaktionsbereiche mit zehn Leitinitiativen und zahlreichen Fördermaßnahmen. Er werde mithilfe der gesamten Palette der Finanzierungsinstrumente der Kommission umgesetzt, wobei insgesamt vier Milliarden Euro für einschlägige Maßnahmen vorgesehen seien – einschließlich Mitteln aus den Programmen EU4Health, Horizont Europa und Digitales Europa.

Die vier Hauptpfeiler im Überblick

  • Prävention: Mit einem bunten Strauß an Maßnahmen sollen die wichtigsten Risikofaktoren für Krebserkrankungen bekämpft werden. Dazu gehören der Tabakkonsum – bis 2040 soll erreicht werden, dass weniger als fünf Prozent der Bevölkerung Tabak konsumieren –, schädlicher Alkoholkonsum, Umweltverschmutzung und Exposition gegenüber gefährlichen Stoffen. Darüber hinaus werden im Rahmen der Kampagne „HealthyLifestyle4All“ gesündere Ernährung und mehr Bewegung gefördert. Um durch HPV verursachte Krebserkrankungen zu verhindern, sieht der Plan vor, dass bis 2030 mindestens 90 Prozent der Mädchen-Zielpopulation in der EU geimpft werden und bei den Jungen eine deutliche Steigerung der Impfzahlen erreicht wird.
  • Früherkennung: Hier sollen die Mitgliedstaaten unter anderem dabei unterstützt werden, bis 2025 für 90 Prozent der für eine Brustkrebs-, Gebärmutterhalskrebs- bzw. Darmkrebs-Früherkennung infrage kommenden EU-Bürgerinnen und -Bürger Vorsorgeuntersuchungen anzubieten. Um dies zu erreichen, werde ein von der EU unterstütztes Krebsvorsorgeprogramm vorgelegt.
  • Diagnose und Behandlung: Bis 2030 sollten 90 Prozent der betroffenen Patienten Zugang zu nationalen onkologischen Spitzenzentren haben, die über ein neues EU-Netz miteinander verbunden sind. Darüber hinaus werde bis Ende 2021 eine neue Initiative „Krebsdiagnostik und Behandlung für alle“ eingeleitet, die dazu beitragen soll, den Zugang zu innovativen Krebsdiagnosen und -behandlungen zu verbessern. Die Europäische Initiative zum Verständnis von Krebs (UNCAN.eu) werde dazu beitragen, Personen mit hohem Risiko für häufige Krebsarten zu ermitteln, heißt es.
  • Verbesserung der Lebensqualität: Dieser Pfeiler im Krebsplan adressiert Kranke wie Überlebende. Zu diesem Bereich gehören die Themen Rehabilitation, Rezidive, metastasierte Erkrankung sowie Maßnahmen zur Förderung der sozialen Integration und der Wiedereingliederung am Arbeitsplatz. Es wird eine Initiative „Besseres Leben für Krebskranke“ ins Leben gerufen, deren Schwerpunkt auf der Nachsorge liegt.

Kinder mit Krebs im Fokus

Außerdem werde zur Unterstützung von neuen Technologien, Forschung und Innovation ein neues Wissenszentrum für Krebs gegründet, das auf EU-Ebene zur Koordinierung wissenschaftlicher und technischer Initiativen gegen Krebs beitragen soll. Es werde eine europäische Initiative über bildgebende Verfahren in der Krebsmedizin auf den Weg gebracht, die die Entwicklung neuer computergestützter Instrumente zur Verbesserung von personalisierter Medizin und innovativen Lösungen fördern soll.

Mit der Initiative „Hilfe für Kinder mit Krebs“ wird ein besonderes Augenmerk auf Kinder gerichtet. Es soll sichergestellt werden, dass sie Zugang zu einer schnellen und optimalen Früherkennung, Diagnose, Behandlung und Versorgung haben. Schließlich wird 2021 zur Ermittlung von Trends, Unterschieden und Ungleichheiten zwischen den Mitgliedstaaten und Regionen ein Register der Ungleichheiten bei der Krebsbekämpfung eingerichtet.

Lob für den Krebsplan erntete von der Leyen stante pede von der Europäischen Krebspatienten-Koalition (European Cancer Patient Coalition/ECPC), die in einem Statement am Mittwoch hervorhob, das Maßnahmenpaket zeige, dass Krebs trotz der noch immer nicht bewältigten Corona-Pandemie höchste Priorität bei der Kommission genieße.

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