Herzinsuffizienz

Ein Drittel weniger Hospitalisierungen durch Telemonitoring

Weniger Klinikeinweisungen, geringere Sterblichkeit: Telemonitoring stellt bei Herzinsuffizienz eine wichtige Ergänzung in der Versorgung dar. Kassen rufen daher zum verstärkten Einsatz der Technik auf.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Die neue GBA-Richtlinie zum Telemonitoring hat das Potenzial, die Versorgung bei Herzinsuffizienz nachhaltig zu verbessern, meinen Experten.

Die neue GBA-Richtlinie zum Telemonitoring hat das Potenzial, die Versorgung bei Herzinsuffizienz nachhaltig zu verbessern, meinen Experten.

© sdecoret / stock.adobe.com

Berlin. Krankenkassen haben sich für die verstärkte Nutzung telemedizinischer Anwendungen in der Versorgung chronisch Kranker ausgesprochen. „Digitale Angebote können die Versorgung entscheidend verbessern und werden nicht nur während Corona wichtiger“, sagte Barmer-Vorstandsmitglied Dr. Mani Rafii am Donnerstag in Berlin.

Als „bestes Beispiel“ nannte Rafii Telemonitoring bei Herzinsuffizienz. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) habe dafür Ende 2020 den Weg in die Regelversorgung geebnet und damit „Geschichte geschrieben“. Grundlage für die GBA-Richtlinie seien auch Studien von Charité und Barmer gewesen.

Auch Mortalität geht zurück

Demnach sei die Zahl ungeplanter Hospitalisierungen mithilfe telemedizinischer Betreuung um 30 Prozent zurückgegangen, berichtete Rafii. Das schaffe mehr Lebensqualität. Telemedizin könne den direkten Arzt-Patienten-Kontakt nicht ersetzen, sei aber eine wichtige Ergänzung.

Die neue GBA-Richtlinie zum Telemonitoring werde die Versorgung bei Herzinsuffizienz „nachhaltig“ verbessern, sagte der Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité, Professor Friedrich Köhler. Aus 15-jähriger Forschungsarbeit wisse man, dass die telemedizinische Mitbetreuung die Sterblichkeit um drei von 100 Betroffenen pro Jahr reduzieren könne.

„Haus- und Facharzt bleibt der Bestimmende“

Bei dem Projekt von Charité und Barmer stehe nicht so sehr die Technologie im Vordergrund, sondern das Bemühen um eine sektorenübergreifende Betreuung des Patienten, betonte Köhler. Dabei sei der Haus- und Facharzt „nach wie vor der Bestimmende“. Er entscheide, welcher Patient für telemedizinische Betreuung geeignet sei, und er trage stets die Hauptverantwortung für die Therapie.

Die telemedizinische Mitbetreuung ergänze die Arbeit der Haus- und Fachärzte, betonte Köhler. Dazu würden täglich Vitalwerte wie Herzschlag, Sauerstoffsättigung oder Blutdruck vom Patienten erfasst und an ein Telemedizinzentrum übertragen.

Liege ein Wert nicht im Normbereich oder werde er nicht übermittelt, könnten Ärzte umgehend reagieren, ohne dass der Patient in der Klinik sei. Zudem finde ein monatliches Patientengespräch statt, das auch der Anleitung zum Selbstmanagement diene.

Patienten können sofort kontaktiert werden

Zuletzt hatte die AOK Nordost im Rahmen ihres Telemedizin-Projekts „AOK-Curaplan Herz Plus“ nachweisen können, dass die Teilnahme am Projekt die Sterblichkeitsrate um ein Drittel senkt. Deuteten Werte auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands hin, könnten Patienten sofort kontaktiert werden und einen Arzt aufsuchen. Häufig ließen sich so Krankenhauseinweisungen vermeiden. „Gerade bei der Versorgung von chronisch Kranken kann die Telemedizin wertvolle Dienste leisten“, stellt die AOK Nordost fest.

Barmer-Vorstandsmitglied Rafii betonte, die Pandemie habe digitalen Anwendungen in der Medizin einen „Schub“ gegeben. Digitalisierung sei aber kein Selbstzweck. „Im Vordergrund muss Evidenz stehen.“ Entscheidend seien die Parameter Funktionalität und Lebensqualität.

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