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KBV-VV

Gassen: Vertragsärzte haben Corona-Pandemie „gerockt“

Die KBV fordert von der Politik eine klare Strategie zum Umgang mit SARS-CoV-2, um gut durch die Herbst- und Wintermonate zu kommen. Für einen möglichen Ansturm sind die Praxen gerüstet, heißt es auf der KBV-VV. Verschiedene Impfszenarien seien durchgespielt.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung plädiert zur Rückkehr zu mehr anlassgezogenem Testen auf den Erreger SARS-CoV-2.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung plädiert zur Rückkehr zu mehr anlassgezogenem Testen auf den Erreger SARS-CoV-2.

© Moritz Frankenberg / dpa

Berlin. Deutschlands Vertragsärzte vermissen eine klare politische Strategie zum Umgang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 in den bevorstehenden Herbst- und Wintermonaten.

„Wir brauchen eine deutlich über die Maskenfrage hinausreichende Strategie, um einen erneuten flächendeckenden starken Anstieg von Infektionen zu vermeiden“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, auf der KBV-Vertreterversammlung am Freitag.

Wieder mehr anlassbezogen testen

Zu einer derartigen Strategie gehöre mehr, „als möglichst vielen Menschen Wattestäbchen in die Nase zu stecken“, sagte Gassen. Es sei wieder mehr anlassbezogen zu testen. Risikogruppen wie medizinisches Personal seien besonders zu berücksichtigen.

„Entscheidend bei all den Maßnahmen ist auch, dass die Regelversorgung akuter und chronisch Kranker gewährleistet bleibt.“ Ansonsten seien die Schäden wegen Corona größer als die durch Corona.

Auch ohne Reiserückkehrer könnte das Testaufkommen in den nächsten Wochen allein wegen saisonaler Effekte um mindestens 1000 Tests je 100.000 Einwohner in der Woche steigen – „also um rund 800.000“, rechnete Gassen vor.

Mehr Tests führten zu mehr positiven Ergebnissen. Daraus lasse sich aber nicht automatisch eine erhöhte pandemische Aktivität ableiten. Bund und Länder sollten daher die bisher definierte Grenze, ab der öffentliche Einschränkungen greifen, „flexibilisieren“. Derzeit greifen Einschränkungen, wenn es mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Region gibt.

Pandemierat? Nur mit den Ärzten

Die Einberufung eines Pandemierats könne sinnvoll sein, sagte Gassen im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz im Anschluss an die Vertreterversammlung. In das Gremium seien Vertragsärzte zwingend einzubeziehen. „Es wäre doch abstrus, wenn die, die die Arbeit machen, nicht beteiligt wären.“

Sechs von sieben Corona-Patienten seien von niedergelassenen Ärzten behandelt worden. Deutschland tue daher gut daran, mit Corona „medizinisch“ umzugehen, „nicht politisch und für die Galerie“.

„Sind gerüstet!“

Die Praxen seien auf einen möglichen Ansturm von Erkältungs- und Grippepatienten in den kommenden Monaten vorbereitet – trotz Corona, sagte die Vorsitzende der KBV-Vertreterversammlung, Dr. Petra Reis-Berkowicz. „Wir sind gerüstet.“ Die Politik solle daher „nicht in sinnlosen Aktionismus“ verfallen, appellierte die Ärztin. „Entwickelt geeignete Rahmenbedingungen – und zwar mit dem Sachverstand der Ärzteschaft, um unsere Arbeit leichter zu machen.“

Auch KBV-Vorstand Gassen rief Politiker in Bund und Ländern auf, die niedergelassenen Ärzte „einfach ihre Arbeit machen zu lassen“ und sie nicht zu belehren, wie man mit Pandemien umzugehen habe. Es seien die rund 170.000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten gewesen, die die Pandemie „gerockt“ hätten.

Impfszenarien durchgespielt

Mit Blick auf eine mögliche Corona-Impfung betonte KBV-Vorstandvize Dr. Stephan Hofmeister, KBV und Kassenärztliche Vereinigungen hätten in den vergangenen Wochen verschiedene „Module“ zum Ablauf einer solchen Impfung entwickelt. Welches Modul am Ende greife, hänge maßgeblich davon, was „für ein Impfstoff kommt“, so Hofmeister.

Komme etwa ein Impfstoff, der „ganz besondere Lagerungsanforderungen“ stelle wie etwa eine Lagerung bei minus 70 Grad, dann werde sicherlich „zentral“ geimpft werden müssen und nicht in der Einzelpraxis.

Die Vertragsärzte stünden zu möglichen Impf-Szenarien mit dem Bundesgesundheitsministerium „im Dialog, um Rahmenbedingungen schaffen zu können, damit wir dann – sobald ein Impfstoff vorliegt – loslegen können“.

Impfung ist Sache des Arztes

In jedem Fall sei die Impfung ärztliche Aufgabe, reagierte Hofmeister auf Vorschläge, auch Apotheker bei einer möglichen Corona-Impfung einzubinden. „Wir halten das grundsätzlich weder für erforderlich, was die Menge angeht, noch für medizinisch vertretbar – schon gar nicht im Zusammenhang mit einem völlig neuen und noch nicht so erprobten Impfstoff wie es der COVID-19-Impfstoff sein wird.“

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