Bundeskongress in Berlin

Gender-Perspektive mischt die Medizin auf

Gender hat die Gesundheitspolitik erreicht. Der Bundeskongress Gender Gesundheit in Berlin treibt diesen Prozess mit an.

Veröffentlicht:

BERLIN. Die geschlechtsspezifische Medizin, die Gender-Gesundheit, wird in der Politik immer sichtbarer. Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD geht ausdrücklich darauf ein.

"Wir wollen die jeweiligen Besonderheiten berücksichtigen, die sich aus der Frauen- und Männergesundheitsforschung insbesondere für die gesundheitliche Versorgung und die Erarbeitung von medizinischen Leitlinien ergeben", heißt es da.

Grund sind signifikante Unterschiede einmal bei der Wahrnehmung und damit auch der Behandlung von Krankheiten bei Frauen und Männern. Männer bekommen viel eher Herzinfarkte als Frauen, so der tief verwurzelte gesellschaftliche Konsens. Männer leiden dafür deutlich seltener an Depressionen. Beides scheint aktuellen Forschungsergebnissen zufolge falsch zu sein.

Die Fehlwahrnehmung kann tödlich sein. Die Infarktsymptome bei Frauen werden oft anders zugeordnet. Das Ergebnis ist bekannt: Seit 2007 ist die Sterblichkeit nach einem Infarkt bei Frauen höher als bei Männern, hat die KORA-Studie aufgezeigt.

Die Frage nach Depressionen bei Männern stellen Ärzte viel zu selten, hat ein Report der Barmer GEK festgestellt.

Bundeskongress am 13. und 14. März

"Die Gender-Zuordnung zu bestimmten Krankheitsbildern haben sowohl die Betroffenen als auch die Ärzteschaft verinnerlicht", sagt Dr. Martina Kloepfer. Sie ist Veranstalterin des 2. Bundeskongresses GenderGesundheit am 13. und 14. März in Berlin.

Dabei geht es nicht nur um medizinische und zahnmedizinische Aspekte der geschlechtsspezifischen Medizin. Das Programm nimmt auch die soziologischen Umwälzungen in den Gesundheitsberufen und ihre möglichen Konsequenzen in den Blick. Nur rund 40 Prozent der weiblichen Medizinstudierenden gingen in die Versorgung.

Das sei volkswirtschaftlich bedenklich und inhaltlich schade, sagt Kloepfer. Das zeitige Konsequenzen für die Lebensentwürfe kommender Ärztegenerationen.

Ganz neu ist das Thema in der Regierungspolitik nicht. Schon seit 2011 hat der Gesetzgeber die Arzneimittelhersteller mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz dazu verpflichtet, neue Wirkstoffe geschlechtsspezifisch auszuwerten, zu unterschiedlich ist die Verstoffwechselung bei Frauen und Männern. Der Frauenanteil bei Zulassungsstudien ist seither deutlich gestiegen und hat oft schon mehr als die Hälfte erreicht, heißt es beim Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa). Das fördere Erkenntnisgewinn.

Auch das männliche Geschlecht hat bereits mehr Aufmerksamkeit erfahren. 2013 hat die Bundesregierung erstmals einen Männergesundheitsbericht veröffentlicht. (af)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Lesetipps
Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Ein Anwalt hält eine Gesetzessammlung in der Hand.

© Kzenon / stock.adobe.com

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren