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Appell an die Politik

Gesundheitswirtschaft fordert Dekade des Umbaus

Kurz vor einem möglichen Übergang der Sondierungsgespräche in Koalitionsverhandlungen wenden sich Vertreter der Gesundheitswirtschaft mit ihren Forderungen an die Parteien.

Veröffentlicht:
Das Gesundheitswesen wird auch in der nächsten Legislaturperiode eine Dauerbaustelle bleiben.

Das Gesundheitswesen wird auch in der nächsten Legislaturperiode eine Dauerbaustelle bleiben.

© janews094 / stock.adobe.com

Berlin. Vertreter der Gesundheitswirtschaft fordern die Sondierer von SPD, Grünen und FDP auf, die künftige Gesundheitspolitik neu auszurichten und den Umbau auf etwa zehn Jahre anzulegen. Ausgangspunkte für neue Versorgungsstrukturen sollten demnach der Generationswechsel in den Heil- und Gesundheitsberufen, die Alterung der Gesellschaft und die Digitalisierung sein, heißt es in einem am Donnerstag verbreiteten Appell einer Gruppe „Verantwortungsbereite Gesundheitswirtschaft“ an die Parteien.

Mehr Verantwortung für Ärzte

Die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten von Ärzten und Therapeuten sollten neu geordnet und besser als heute auf den Versorgungsbedarf einer gealterten Gesellschaft abgestimmt werden. Das Angebot an Studiengängen in der Pflege und den therapeutischen Berufen solle verbreitert werden. Ziel sei eine von unten nach oben aufgebaute Verantwortungslogik. Ärzte und Pflegekräfte sollen sich darin alleine den Patientinnen und Patienten und ihren Anliegen widmen können.

Die Autoren nehmen dafür auch die ambulante Bedarfsplanung in den Blick. „Die bisherige bundesweite ambulante und länderspezifische stationäre Planung ist auf Landesebene zusammenzuführen“. Auf Landesebene soll auch die Kassenaufsicht angesiedelt werden. Die Kassen sollen Rücklagen aufbauen und sie in eine „auf den Patientennutzen ausgerichtete Gesundheitsversorgung investieren“ können.

Regionaler Qualitätswettbewerb

Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der Versorgung sollen zum Qualitätsmaßstab eines Wettbewerbs der Gesundheitsregionen werden, heißt es in dem Papier. Die Digitalisierung ermögliche eine ergebnisbezogene Leistungstransparenz. Zudem fordert die Gruppe, Daten aus dem Versorgungsalltag zur Evaluation des Nutzens von Therapien heranzuziehen. Zudem seien steuerliche Anreize für Forschung an und Entwicklung sowie der Abbau von Bürokratie für ein innovationsoffeneres Gesundheitssystem heranzuziehen.

Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem Professor Boris Augurzky, Stiftung Münch; Dr. Helmut Hildebrandt, OptiMedis AG; Dr. Bernadette Klapper, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe; Professor Heinz Lohmann und Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. Weiter sind Vertreter mehrerer öffentlicher, konfessioneller und privater Klinikverbünde dabei.

Privatkliniken: Doppeluntersuchungen abbauen

Der Bundesverband Deutscher Privatkliniken meldete sich zudem mit einem „Positionspapier“ zu Wort. Ärzte sollten Reha-Maßnahmen direkt und verbindlich verordnen können, ohne aufwändiges Antrags- und Bewilligungsverfahren. Dringender Handlungsbedarf bestehe zudem bei der Öffnung der Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Zudem solle über regionale Versorgungsnetze die Zahl von Doppelbehandlungen abgebaut und das Personal in allen Bereichen des Gesundheitswesens entlastet werden.

Der Verband stellt darüber hinaus die Evaluation von Pflegepersonaluntergrenzen und Pflegebudget in Frage. Eine „echte Entlastung“ in der Pflege könne nur über das Übertragen von mehr Verantwortung auf examinierte und akademisch ausgebildete Pflegekräfte sowie die Digitalisierung erwirkt werden. (af)

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