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Kommentar zum BVKJ-Kongress

Hoffen auf Präventionsgesetz

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:

Schon lange nicht mehr ist der bundesweite Kongress für Jugendmedizin in Weimar in der Öffentlichkeit und bei den Ärzten auf solch große Resonanz gestoßen wie diese 20. Jubiläums-Auflage.

Dies lag sicher am provozierenden Tagungsthema "Schule macht krank?!?" Dass Schule krank macht, davon sind nicht nur immer mehr Schüler und Eltern überzeugt.

Nicht anders ist es zu erklären, dass der Druck auf die Haus- sowie die Kinder- und Jugendärzte in der Praxis zunimmt, immer mehr Heilmittel und Arzneien zu verordnen, um dem Schulversagen zu begegnen.

Doch die Verordnung medizinischer Leistungen setzt häufig nur unzureichend an den Symptomen an und kann die krank machenden Faktoren in der Schule kaum beseitigen.

Dazu sind gesamtgesellschaftliche Anstrengungen nötig. Dabei könnten Ärzte durchaus eine wichtige Rolle spielen, wenn sie die Zeit, die sie in der Schule oder an Netzwerktischen verbringen, auch vergütet bekämen.

Noch wichtiger wäre es aber, schon im Vorschulalter flächendeckend Programme zu etablieren, in denen der Gesundheitsstatus gerade sozial benachteiligter Kinder und deren Schulkompetenz präventiv gestärkt werden.

Überzeugende Modelle hierfür gibt es bereits. Bleibt nur zu hoffen, dass das Präventionsgesetz diesen Ansätzen neuen Schub gibt.

Lesen Sie dazu auch: Jugendärzte schlagen Alarm: Schulstress macht immer mehr Kinder krank

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Kommentare
Anne C. Leber 10.03.201413:32 Uhr

Leserzuschrift von Dr. Matthias Komp

Die Berichte wie auch Ihr Kommentar sprechen ein bedrückendes Thema an. Sowohl für Schüler wie auch für Lehrer hat sich die Schule zu einem biographisch eminent destruktiven Belastungs- und Erkrankungsfaktor entwickelt. Zwei Drittel meiner Psychotherapiepatientin sind Lehrer und Lehrerinnen, jedes Jahr gehen von diesen vier bis sechs in den gesundheitlich begründeten und notwendigen frühzeitigen Ruhestand – was eigentlich alarmierend ist und ein Armutszeugnis für unser Schulsystem. Von kinder- und jugenspsychotherapeutischen Kollegen höre ich dasselbe in Bezug auf schulische Belastung und Krankmachung. Insofern ist die Forderung nach Ärzten an Schulen eine dringende Notwendigkeit – aber nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer. Supervision ist in den Lehrerzimmern ein Fremdwort. Statt dessen wird ein Leistungsdruck erzeugt, der Schüler schon frühzeitig für das spätere „burn-out-im-Berufleben“ „einstimmt. Ob Präventionsgesetze hier etwas ändern bezweifle ich, solange Junglehrer ohne psychologische und entwicklungspädagogische Kenntnisse und Fähigkeiten in Schulen geschickt werden, wenn schon Referendare Angststörungen entwickeln, bevor sie verbeamtet sind (gegenüber Schülern und Vorgesetzten!!!).
Von den Politikern ist nicht viel zu erwarten, sind es doch entweder Juristen oder vor dem eigenen Berufsfeld geflüchtete Lehrer, denen der Alltag fremd ist bzw. die in Vorführsituationen nur geschönten Wirklichkeiten begegnen. Dass die Hoffnung zuletzt stirbt, zeigt ihr Kommentar, sehr geehrter Herr Schmid. Aber solange die Schüler nach in der Wirtschaft üblichen Kriterien unter Druck gesetzt werden und mit „Wissensmüll“ überflutet werden, der mit ihrer Lebenswirklichkeit wenig zu tun hat und daher auch nicht überprüfbar ist bzw. in einen relevanten Lebenserfahrungszusammenhang gesetzt werden kann, habe ich wenig Hoffnung auf gesundheitsfördernde Sphären an unseren Schulen.

Dr. Matthias Komp,
Kirchheim unter Teck

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