AOK-Gesundheitsatlas

Im Norden weniger Diabetiker

In Schleswig-Holstein und Hamburg liegt der Anteil an Diabetikern deutlich unter dem Bundesschnitt.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 25.11.2019, 13:41 Uhr

Kiel/Hamburg. Regional gibt es zwar auch im Norden starke Unterschiede, insgesamt liegt der Anteil der Diabetiker in Hamburg und Schleswig-Holstein mit deutlich weniger als acht Prozent aber unter dem bundesweiten Schnitt von 8,6 Prozent. Das zeigt der AOK-Gesundheitsatlas. Dabei lassen sich die regionalen Unterschiede im Norden nach Ansicht der AOK nicht allein mit dem Sozialstatus oder einem Stadt-Land-Gefälle erklären.

Den bundesweit niedrigsten Anteil an Diabetikern weist laut AOK-Gesundheitsatlas Hamburg mit 6,4 Prozent auf. In Schleswig-Holstein liegt die Landeshauptstadt Kiel mit 6,1 Prozent noch darunter. Die kreisfreie Stadt Neumünster weist dagegen mit 8,3 Prozent den höchsten Wert in Schleswig-Holstein auf. Damit liegt Neumünster aber immer noch unter dem Bundesdurchschnitt (8,6%). Landesweit liegt der Anteil in Schleswig-Holstein bei 7,3 Prozent.

Nicht nur sozial schwache Regionen betroffen

In beiden Bundesländern zeigt sich eine höhere Krankheitshäufigkeit in sozial benachteiligten Schichten. Die Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes wie ungesunde Ernährung, Übergewicht und Adipositas werden häufiger bei Personen mit niedrigem Sozialstatus gefunden. Allerdings kann dieser Zusammenhang nicht allein als Erklärung herangezogen werden, wie Tom Ackermann, Vorstandschef der AOK Nordwest deutlich machte. Er verwies auf einen im Landesvergleich hohen Anteil an Diabetikern im Kreis Ostholstein (7,5 Prozent), der nicht zu den sozial schwachen Regionen zählt.

Trotz der guten Werte in beiden Bundesländern sehen die AOK-Chefs Handlungsbedarf. Matthias Mohrmann von der AOK Rheinland/Hamburg forderte: „Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Strategie, ein Gesamtpaket mit klarem Fokus auf Prävention: viel Bewegung und gesunde Ernährung in Kitas und Schulen sowie gut sichtbare und klar verständliche Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen.“

Zwei Versorgungsprojekte im Test

Ackermann verspricht sich außer von solchen Strategien Fortschritte durch zwei Projekte. Für das im Oktober gestartete ComanD schreiben Ärzte in Schleswig-Holstein und Westfalen Patienten in ein sechsmonatiges Programm ein, mit dem diese ihre individuelle Gesundheitskompetenz stärken können durch ärztliche Beratung, Ernährungsberatung und digitale Unterstützung. Im Innovationsfondsprojekt Dimini dagegen geht es darum, die Entstehung von Diabetes zu verzögern oder zu verhindern.

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