Mögliche Omikron-Welle

Kinder- und Jugendärzte warnen vor neuen Schulschließungen

Noch ist nicht klar, wie hart die Corona-Mutante Omikron Deutschland trifft. Pädiater warnen aber: Erneute Schließungen von Kitas und Schulen dürften nur das allerletzte Mittel sein.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
In die Schule – oder doch zurück zum Homeschooling? Die Position von Pädiatern dazu ist eindeutig.

In die Schule – oder doch zurück zum Homeschooling? Die Position von Pädiatern dazu ist eindeutig.

© seanlockephotography / stock.adobe.com

Berlin. Kurz vor dem Schulstart im neuen Jahr haben Kinder- und Jugendärzte dazu aufgerufen, trotz unklarer Omikron-Lage am Präsenzunterricht festzuhalten. „Es gibt eine klare und unmissverständliche Zusage der Politik, Schulschließungen – wenn überhaupt – als allerletzte Maßnahme in Betracht zu ziehen“, sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Thomas Fischbach, der „Ärzte Zeitung“ am Sonntag. „Auf dieser Zusage beharren wir“, setzte der Pädiater aus Solingen hinzu.

Es gebe eine Reihe weiterer Möglichkeiten, trotz anziehender Pandemielage Schulschließungen zu vermeiden, so Fischbach. So müssten vorliegende Hygienekonzepte an den Schulen konsequenter umgesetzt und Lehrer entsprechend fortgebildet werden. Länder und Kommunen sollten zudem ausreichend Luftfilter für die Einrichtungen bereitstellen, forderte der BVKJ-Präsident. „Die Mittel dafür sind da – sie werden aber noch nicht überall abgerufen.“

Der Bund stellt nach einem Beschluss vom Sommer 2021 zusätzlich zu den Ländern Mittel von 200 Millionen Euro für mobile Luftfilter bereit. Für stationäre raumlufttechnische Anlagen existiert zudem ein Bundesprogramm in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

Hygienekonzepte umsetzen, Lehrpersonal fortbilden

Grundsätzlich sei an den Schulen bislang zu wenig passiert, um sich umfassend auf die Pandemielage einzustellen, monierte Fischbach. „Wenn Vertreter von Lehrerverbänden bei steigender Inzidenz dann immer sofort nach Schulschließungen rufen, dann ist das im Grunde eine Bankrotterklärung des Schulsystems in Deutschland.“

Deutschland dürfe seine „nachwachsende Generation nicht weiter mit Bildungsentzug in der Pandemie knechten“, warnte Fischbach. Schon jetzt kämen viele Schülerinnen und Schüler, insbesondere jene aus sozial schwächeren Schichten, kaum hinterher, verpasste Lehrinhalte aufzuholen.

Das könne sich auch gesamtgesellschaftlich rächen, so der BVKJ-Chef. „Viele Berufszweige – auch und gerade im Gesundheitsbereich – kämpfen um Nachwuchs. Und diesen jungen Menschen machen wir jetzt die Zukunft kaputt, indem wir ihnen die Bildung klauen.“

„Gesundheitliche Kollateralschäden bleiben hoch“

Hinzu gesellten sich bei Kindern und Jugendlichen zahlreiche körperliche und psychische Folgewirkungen aus vorangegangenen Lockdowns inklusive wochenlanger Kita- und Schulschließungen, sagte Fischbach.

Bei vielen Eltern, die in seiner Praxis aufschlügen, nehme er inzwischen „Resignation und Verzweiflung“ wahr. „Die gesundheitlichen Kollateralschäden bei Eltern wie Kindern bleiben hoch – weitere flächendeckende Schulschließungen würden das Fass endgültig zum Überlaufen bringen“, adressierte Fischbach an Bund und Länder.

Angesichts der drohenden Omikron-Welle wollen die Kultusminister der Länder an diesem Mittwoch per Videoschalte über die Lage beraten. Für den 7. Januar ist eine weitere große Bund-Länder-Runde mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) zu Corona angesetzt. Zuletzt hatten sich mehrere Ländervertreter für ein Vorziehen des Treffens ausgesprochen.

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