Impfkomplikationen im Blick

Koalition plant weiteres Gesetz zur Corona-Abwehr

Die Regierungskoalition bastelt an einem neuen „Corona-Gesetz“, das ein schnelles Handeln ermöglichen soll, falls Impfkomplikationen durch neue Corona-Impfstoffe auftreten. Zudem soll der Einsatz digitaler Helfer für den Öffentlichen Gesundheitsdienst geregelt werden.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Ärztin impft älteren Herrn. Für die Corona-Impfungen soll die Pharmakovigilanz der neuartigen Impfstoffe erhöht werden.

Ärztin impft älteren Herrn. Für die Corona-Impfungen soll die Pharmakovigilanz der neuartigen Impfstoffe erhöht werden.

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Berlin. Im Vorfeld von Impfungen gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 plant die Koalition die Dunkelzifferrate bei Impfkomplikationen auszuleuchten. Dafür setzt sie auf eine breitere Streuung der anonymisierten Patientendaten bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen).

Das geht aus dem Entwurf eines „Dritten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ hervor, der der „Ärzte Zeitung“ vorliegt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) überwacht das Impfgeschehen in Deutschland. Dazu bedient es sich der Patientendaten bei den KVen. Sie enthalten Aussagen zu Häufigkeit, Schwere und Langzeitverlauf von Impfkomplikationen.

Die wiederum lassen Rückschlüsse darauf zu, ob gesundheitliche Schädigungen beziehungsweise Erkrankungen geimpfter Personen im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen häufiger vorkommen als bei Ungeimpften.

Erfahrungswerte fehlen

In einem Moment, in dem mehrere Impfstoffe gegen das Coronavirus vor der Zulassung stehen und möglicherweise im kommenden Jahr bereits verimpft werden könnten, sieht die Koalition hier Regelungsbedarf. Es fehlten schließlich „Erfahrungswerte“.

Um die Reaktionsgeschwindigkeit bei Komplikationen durch die neuen Impfstoffe zu erhöhen, sollen die KVen ihre Daten zusätzlich auch an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) übermitteln. Das Institut ist zuständig für die Pharmakovigilanz, also die Überwachung der Arzneimittelsicherheit.

Tatsächlich zeigten die vom PEI erhobenen Daten, dass schon bisher Lücken beim Erkennen von Impfkomplikationen aufgetreten sind und von einer „erheblichen Dunkelzifferrate“ auszugehen sei, heißt es in der Entwurfsbegründung. Grund sei, dass nicht alle Impfkomplikationen gemeldet würden.

Labore sollen zur Nutzung von DEMIS verpflichtet werden

Weitere Regelungen des Entwurfs betreffen die Digitalisierung der Gesundheitsämter. So sollen die Labore verpflichtet werden, SARS-CoV-2-Meldungen künftig über das Elektronische Melde- und Informationssystem (DEMIS) abzusetzen, das derzeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst flächendeckend installiert wird. Unterstützen soll dabei auch die Gesellschaft für Telematik (gematik), an der die Kassenärztliche Bundesvereinigung beteiligt ist.

Auch in das Testgeschehen will der Gesetzgeber weitere Regelungen einziehen. So sollen veterinärmedizinische“ und „zahnärztliche“ Laborkapazitäten im Krisenfall für „patientennahe Schnelltests“ auf das Coronavirus genutzt werden können. Der Arztvorbehalt könne dann entsprechend „angepasst“ werden.

Der Anspruch auf Tests soll erweitert werden, um gleichzeitige Testung auf Influenzaviren zu ermöglichen.

Regieren per Verordnung

  • Regieren per Verordnung durch den Gesundheitsminister soll auch beim geplanten „Dritten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ im Instrumentenkasten bleiben.
  • Bundestag und Bundesrat bleibt die Möglichkeit, die Aufhebung von Verordnungen zu verlangen. Zum Teil treten sie ein Jahr nach ihrem Inkrafttreten automatisch wieder außer Kraft.
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anwältin erläutert Fristen

Regressbescheid nach 10 Jahren – ist das rechtens?

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Lesetipps
Skelettszintigraphie einer betroffenen Patientin mit Osteomalazie in den Hüften (gelb) nach intravenöser Eisentherapie mit Eisencarboxymaltose.

© Roland Haubner/Universitätsklinik für Nuklearmedizin Innsbruck

Beobachtungsstudie

Eisenmangel: Wahl des Eisenpräparats beeinflusst das Frakturrisiko

Markus Frühwein

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Keine Gelbfieberimpfung bei Patienten über 60 Jahren: Stimmt das?

Weltkugel mit Viren

© ImageFlow / stock.adobe.com

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen