Direkt zum Inhaltsbereich

TK-Empfang in NRW

Laumann setzt bei Krankenhausreform auf Konsens

Bei der Klinikreform muss es um die Sache gehen, findet NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Er sieht das Verhältnis von Politik und Selbstverwaltung anders als TK-Vize Thomas Ballast.

Veröffentlicht:
TK-Vize Thomas Ballast(l.), die Leiterin der TK-Landesvertretung NRW Barbara Steffens und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann diskutieren beim Neujahrsempfang der Kasse.

TK-Vize Thomas Ballast(l.), die Leiterin der TK-Landesvertretung NRW Barbara Steffens und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann diskutieren beim Neujahrsempfang der Kasse.

© Ilse Schlingensiepen

Düsseldorf. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will seinen Teil dazu beitragen, dass es bei der Krankenhausreform zu einer Lösung kommt, die vom Bund und den Ländern getragen wird. „Ich werde als Landesgesundheitsminister des größten Bundeslandes alles daran setzen, dass wir etwas Gescheites hinbekommen“, betonte Laumann beim Neujahresempfang der NRW-Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Düsseldorf.

„Ich habe den Eindruck, dass der Bundesgesundheitsminister sehr daran interessiert ist, das gemeinsam mit den Ländern hinzukriegen, und ich bin daran interessiert, das nicht kaputtzumachen“, sagte er. Bei so einem wichtigen Thema müsse es um die Sache gehen.

Die Länder werden bei der Krankenhausreform auf jeden Fall eine wichtige Rolle spielen. „Ich habe die feste Zusage, dass es ein zustimmungspflichtiges Gesetz wird“, berichtete er. Das sei auch wichtig. „Man kann nicht eine Bundesschablone über alles legen.“

Bei solchen Großprojekten braucht man Vertrauen

Bei der Umsetzung des neuen Krankenhausplans in Nordrhein-Westfalen werde sich das Gesundheitsministerium immer wieder mit den Krankenkassen, den Ärzten, den Krankenhäusern und der Pflege rückkoppeln, versprach der Minister. „Ich glaube, dass man ein so großes Ding nur hinbekommen kann, wenn man Vertrauen hat. Vertrauen setzt Transparenz voraus.“

Die Krankenhausplanung in NRW orientiert sich künftig an Leistungsbereichen und Leistungsgruppen statt Fachabteilungen, die Bettenzahl ist nicht mehr die entscheidende Planungsgröße. Qualitätskriterien spielen eine größere Rolle als bisher.

„Wir sind sehr daran interessiert, dass das Vorgehen in Nordrhein-Westfalen durch den Bund nicht torpediert wird“, sagte der stellvertretende TK-Vorsitzende Thomas Ballast. „So weit in vernünftigen Planungsstrukturen ist kein anderes Land in der Bundesrepublik“, lobte er.

„Belanglose“ Eckpunkte zur Digitalisierungsstrategie

Mit Blick auf die Bundespolitik fürchtet Ballast, dass die Digitalisierung auf der gesundheitspolitischen Agenda von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ins Hintertreffen geraten könnte. Zwar gebe es jetzt Eckpunkte einer Digitalisierungsstrategie. Sie seien trotz monatelanger Vorarbeit aber „belanglos“, kritisierte er. „Darauf hätte man im Sommer bei einem Glas Bier in einer Stunde kommen können.“ Angesichts des großen Potenzials der Digitalisierung dürfe man bei diesem Thema nicht lockerlassen, sagte der TK-Vize.

Er skizzierte drei Grundsätze, mit denen die TK die Gesetzesvorhaben im Jahr 2023 begleiten will:

  • „Wir tun uns schwer mit dem neu entdeckten Prinzip der Ent-Ökonomisierung.“ Im Gesundheitswesen gehe es ein Stück weit immer auch um Ökonomie. Man müsse bei der Versorgung immer auch auf die Wirtschaftlichkeit achten, sonst fahre das System an die Wand.
  • Die TK werde sich gegen eine Verstaatlichung des Gesundheitswesens wehren. Die gemeinsame Selbstverwaltung sei ein wichtiger Faktor für das starke Gesundheitssystem in Deutschland. „Ausgehandelte Kompromisse einer Selbstverwaltung tragen besser als das, was sich ein Ministerium ausdenkt.“
  • Bei allen Vorhaben müsse darauf geachtet werden, dass die Solidargemeinschaft nicht überfordert wird.

In das Hohelied der Selbstverwaltung mochte Minister Laumann nicht einstimmen. „So kann es mit der Selbstverwaltung nicht weitergehen.“ Er verwies auf die pädiatrische Versorgung. Bei den Verhandlungen über die Vergütung von Kinderkliniken habe nie ein Politiker am Tisch gesessen, betonte er. Laut der beiden KVen in NRW gebe es keine Probleme bei der Versorgung durch niedergelassene Kinderärzte. Nach den Bedarfsplanungs-Kriterien des Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) seien keine Sitze frei.

„Die Politik muss eine Bank haben.“

Die Politik ist an den Entscheidungen nicht beteiligt, bekommt bei Versorgungsproblemen aber den Ärger der Bevölkerung ab, ärgert sich Laumann. Auch er wolle kein staatliches Gesundheitswesen, stellte er klar. „Aber die Politik muss eine Bank haben, wenn es um Versorgungsfragen geht.“ Die „Bänke“ im G-BA sind die Vertreter der Leistungserbringer mit Ärzten, Zahnärzten und Kliniken auf der einen und Krankenkassen auf der anderen Seite.

Im G-BA nehmen zwar in einigen Ausschüssen auch Vertreter der Länder teil, sie haben aber kein Stimmrecht. „Wir brauchen die Ergänzung der Selbstverwaltung um eine Bank Politik mit Stimmrecht“, sagte Laumann. „Ich sitze nicht gern am Katzentisch.“

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hausarztzentrierte Versorgung

Warum es schon jetzt Wirbel um die Primärversorgung gibt

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München

Weniger Bürokratie

Wie nützt Digitalisierung?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Muster 16. DiGA-Verordnungen sind als „Gebühr frei“ zu kennzeichnen (1). Im BVG-Feld (2) steht eine „6“, wenn nach Bundesversorgungs- oder -entschädigungsgesetz Anspruch auf die Verordnung besteht. Im Verordnungsfeld (3) darf maximal eine DiGA verordnet werden. Anzugeben sind „Digitale Gesundheitsanwendung“, die PZN und der Name der jeweiligen DiGA [7].  Pfizer Deutschland GmbH

© Pfizer Deutschland GmbH

Chronischer Schmerz: Digitalisierung hält Einzug

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Signifikant höhere Erfolgsquote

Persistierendes Vorhofflimmern: Müssen die Leitlinien geändert werden?

Digitale Praxis

KI-Helfer für die Praxis entwickelt Hausarzt Rasche selbst

Lesetipps
Ein Patient öffnet den Mund, damit die Ärztin seinen Rachen untersuchen kann.

© Graphicroyalty / stock.adobe.com

Datenanalyse

Wieso sich der Blick in die Mundhöhle auch für Hausärzte lohnt

Ein Arzt untersucht eine junge Frau im Rahmen eines Gesundheits-Check-ups.

© Halfpoint / stock.adobe.com

Retrospektive Kohortenstudie

Gesundheits-Check-up: Was bringt die Prüfung auf Herz und Nieren?