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Mammografie-Screening - eine Eröffnungsbilanz mit vielen blinden Flecken

Knapp fünf Jahre nach Start des größten Präventionsprogramms in Deutschland liegen erste Daten vor. Doch ob der Kampf gegen Brustkrebs mit einem flächendeckenden Screening effektiv und effizient ist, lässt sich nicht sagen. Eine Wirkung auf die Mortalität ist erst in ferner Zukunft zu erwarten, über die Kosten schweigen sich die Autoren der Evaluation aus.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Selten haben Pressure-Groups so gründliche Arbeit geleistet: Fraueninitiativen und Selbsthilfegruppen von Patientinnen machten so heftig Druck, dass der Bundestag 2002 beschloss, dass Deutschland ein qualitätsgesichertes flächendeckendes Screening-Programm zur Früherkennung von Brustkrebs bekam.

Dafür gab es zwei Gründe: bis vor wenigen Jahren war das sogenannte graue Brustkrebs-Screening üblich, die Qualität war fragwürdig.

Der zweite, allerdings umstrittene Grund war die Erwartung, dass man die Brustkrebsmortalität in der Zielpopulation um bis zu 30 Prozent senken könne. Mit dieser Zahl hantierten in der öffentlichen Kommunikation gern die Mammografie-Protagonisten - Epidemiologen und Sozialmediziner halten die Verwendung solcher relativen Verbesserungen für fragwürdig, zumindest für unvollständig. Sie verweisen darauf, dass ohne Mammografie-Screening vier von tausend Frauen an Brustkrebs sterben, mit Screening drei. Die absolute Veränderung beträgt demnach ein Promille.

Dennoch: Selten wurde ein gesundheitspolitisches Projekt mit derart teutonischer Gründlichkeit exekutiert wie das Mammografie-Screening. Nach Testläufen in Modellregionen startete der bundesweite Rollout 2005. Ende 2007 waren 79 von 94 geplanten Screening-Einheiten in Betrieb. Personelle und apparative Ausstattung entsprechen den europäischen Leitlinien. Die Dokumentation erlaubt Qualitätsvergleiche und lässt eine Homogenisierung erwarten.

Anspruch auf die Untersuchung haben alle 10,4 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren, und zwar alle zwei Jahre. Mindestens 70 Prozent der Zielpopulation müssen regelmäßig an der Untersuchung teilnehmen, wenn die angestrebte Mortalitätssenkung realisiert werden soll.

Von diesem Ziel ist man noch weit entfernt. Frühestens in zehn Jahren werde ein Effekt auf die Brustkrebsmortalität zu sehen sein. Bis dahin ist das flächendeckende Mammografie-Screening ein gewaltiges kostenträchtiges Investitionsprojekt.

Mammografie-Screening - eine Eröffnungsbilanz mit vielen blinden Flecken

© Foto: Kooperationsgemeinschaft Mammographie

Jedes Jahr müssen gut 5,2 Millionen Frauen eingeladen werden. Davon war man im Jahr 2007 noch weit entfernt. Von den eingeladenen Frauen müssen mindestens 70 Prozent die Untersuchung wahrnehmen. Tatsächlich lag die Teilnahmerate 2007 bei etwa 50 Prozent. Zwar steigt mit dem Aufbau der Infrastruktur die Zahl der Einladungen - keine Aussage macht der Report aber darüber, ob die Teilnehmerquote steigt.

Eines der größten Probleme von Screenings ist deren mangelnde Treffsicherheit. Die Brustkrebs-Entdeckungsrate liegt bei 7,8 Promille, aber die Zahl der Verdachtsfälle ist fast zehnmal so hoch. Zwar werden die Zielwerte der europäischen Leitlinie erfüllt (Wiedereinbestellungsrate unter sieben Prozent), aber Hunderttausende von Frauen müssen jedes Jahr doppelt untersucht werden.

Über eines schweigt sich die Evaluation völlig aus: die Kosten. Weder wird transparent gemacht, wie viel Geld für den Aufbau von 94 Screening-Einheiten, für Qualitätssicherung und Management, schließlich für den diagnostischen Betrieb aufgewendet worden ist. Keinen Aufschluss gibt der Bericht darüber, ob als Folge früherer und besserer Diagnostik mehr Therapien nötig sind und ob die - wegen früherer Krankheitsstadien - besser, eventuell kostengünstiger sind. Nur grobe Schätzungen existieren: mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr. Das sind dürftige Erkenntnisse - oder: Gesundheitspolitik als Glaubenssache.

Lesen Sie dazu auch: Neue Standards für Biopsie bei Brustkrebs-Verdacht Brust-Screening: Krebs wird früh entdeckt

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