Gesundheitspolitik international

Massiver Ärztestreik auf der Insel

Geballter Protest: Zehntausende britische Haus- und Klinikärzte sind am Donnerstag auf die Straße gegangen, um gegen die Neuregelung der ärztlichen Altersvorsorge zu protestieren. Es ist der erste Ärztestreik im Königreich seit mehr als 35 Jahren.

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Streik der Bürger im März: Jetzt gehen auch die Ärzte auf die Barrikaden.

Streik der Bürger im März: Jetzt gehen auch die Ärzte auf die Barrikaden.

© Andy Rain / epa / dpa

LONDON (ast). In Großbritannien haben am Donnerstag zehntausende Haus- und Klinikärzte für einen Tag die Arbeit niedergelegt, um so gegen die ihrer Meinung nach ungerechte Neuregelung der ärztlichen Altersversorgung zu protestieren.

Zehntausende Operationen wurden abgesagt, Hausarztpraxen wiesen Patienten ab. Es ist das erste Mal seit 1975, dass im Königreich die Ärzte streikten.

Wie ein Sprecher des britischen Ärztebundes (British Medical Association, BMA) in London zur "Ärzte Zeitung" sagte, sei der Streik "ein Erfolg" gewesen. Es sei wichtig, die Öffentlichkeit auf die "ungleiche und unfaire" Behandlung durch die Regierung hinzuweisen.

Die Ärzte protestieren dagegen, dass die Regierung Cameron die Pensionsansprüche der Ärzte um 15 bis 20 Prozent senken will. Ihnen gefällt auch nicht, dass Beamte im Ruhestand besser gestellt sind.

Nur Notfälle behandelt

Hausärzte verweigerten am Donnerstag die Arbeit und viele Primärarztpraxen wiesen neue Patienten ab und behandelten nur Notfallpatienten.

Die Fach- und Klinikärzte, die im staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) stets in den Krankenhäusern praktizieren, leisteten ebenfalls vielerorts Dienst nach Vorschrift: nur Notfälle wurden behandelt.

Ärztliche Berufsverbände bestritten, der Streik gefährde Patientenleben. Es sei sichergestellt, dass Notfallpatienten in jedem Fall behandelt würden, so ein BMA-Sprecher.

Das Londoner Gesundheitsministerium kritisierte den Streik als "überflüssig" und "egoistisch". Leidtragende seien in jedem Fall die Patienten. Der Gesundheitsminister verlangte von den Ärzten "mehr Wir-Gefühl" sowie Solidarität.

Alle Gesellschaftsschichten müssten angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise den Gürtel enger schnallen und Ärzte seien da keine Ausnahme.

Patientenverbände in Großbritannien kritisierten die Arbeitsniederlegungen der Ärzte. Nur vereinzelt gab es Zustimmung.

Die Patient Association (PA) sprach von "mehr als zehntausend gestrichenen Operationen" und von "bis zu 150.000" ausgefallenen Check-up-Untersuchungen.

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