Arzneimittelbewertung

Pharma-Verbände in Deutschland und Frankreich bündeln Kräfte

Die Verbände der Pharmaindustrie aus Deutschland (vfa) und Frankreich (Leem) setzen sich erstmals gemeinsam für eine europäische Nutzenbewertung von Arzneien ein.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Arzneimittelnutzenbewertung als Gemeinschaftsaufgabe: Pharmaverbände unterstützen diesen Plan der EU-Kommission.

Arzneimittelnutzenbewertung als Gemeinschaftsaufgabe: Pharmaverbände unterstützen diesen Plan der EU-Kommission.

© Stuart/stock.adobe.com

Berlin. Die Verbände der Pharma-Lobby folgen dem Trend und bündeln ihre Positionen in der europäischen Gesundheitspolitik. Erstmals haben der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) und sein französisches Pendant Les entreprises du médicament en France (Leem) eine gemeinsame Position erarbeitet.

Thema ist die Nutzenbewertung von Arzneiinnovationen auf der Ebene der Europäischen Union. In dem Papier, das der „Ärzte Zeitung“ vorliegt, erklären die Verbände ihre Unterstützung für den Vorschlag der EU-Kommission für eine stärkere Verlagerung der klinischen Bewertung neuer Wirkstoffe auf die europäische Ebene und gemeinsame Beratungen mit den nationalen Behörden.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, die europäische Nutzenbewertung (Euro-HTA) im Rahmen der gerade angelaufenen deutschen EU-Ratspräsidentschaft weiter zu verfolgen, obwohl sie auf der offiziellen Agenda nicht auftauche.

Gemeinsame Einsichten

Dahinter stehe „die gemeinsame Einsicht, dass eine EU-Intervention in bestimmten Gebieten mehr erreichen kann als jeder einzelne Mitgliedsstaat für sich in kleinem Rahmen“, heißt es in dem Papier.

Bereits 2018 hatten sich der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) und Bio Deutschland gemeinsam mit dem vfa für die Angleichung der Anforderungen an die klinische Evidenz von Arzneiinnovationen und die Vermeidung von Doppelarbeit mittels gemeinsamer Beratungen und anschließender gemeinsamer klinischer Bewertungen in den Mitgliedsländern ausgesprochen.

Brexit schwächt Europas Stimme

Die neue Zusammenarbeit der Vertreter der beiden wichtigsten Arzneimittelmärkte in Europa ist mit ausgelöst vom bevorstehenden endgültigen Ausscheiden Großbritanniens aus der EU. Europas Zukunftsbranchen stünden im scharfen Wettbewerb mit den USA und China, heißt es dazu beim vfa. „Wollen wir bestehen, müssen wir als Europäer zusammenrücken und zusammen erledigen, was sich gemeinschaftlich erledigen lässt“, sagte vfa-Präsident Han Steutel der „Ärzte Zeitung“.

Philippe Lamoureux, Generaldirektor von Leem, betonte die enge Zusammenarbeit der Verbände im aktuellen Kontext. „Das deutsch-französische Tandem war immer Motor des europäischen Aufbauwerks“, so Lamoureux zur „Ärzte Zeitung“.

Beide strichen heraus, dass mit dem Ausscheiden Großbritanniens die europäische Stimme im globalen Konzert schwächer klingen werde. Umso wichtiger sei es, dass Frankreich und Deutschland auch auf der Ebene der Industrieverbände zusammenrückten. Die europäische Nutzenbewertung sei dafür ein gutes Thema, da sie die Einheitlichkeit europäischer Versorgungsstandards berühre.

Subsidiarität nicht verletzt

Der Vorschlag sei mit dem in Europa geltenden Subsidiaritätsprinzip und damit auch mit den nationalen Preis- und Refinanzierungssystemen der Arzneikosten vereinbar, heißt es in dem gemeinsamen Papier. Die sollten in der Verantwortung der EU-Mitgliedsstaaten verbleiben. Die Sorge um einen möglichen Souveränitätsverlust lässt die Verhandlungen zwischen Europäischem Rat, der EU-Kommission und dem Straßburger Parlament darüber derzeit stocken.

Am Donnerstag haben die EU-Mitgliedsstaaten beschlossen, als Reaktion auf die Pandemie und den bevorstehenden Brexit in der Gesundheitspolitik näher zusammenzurücken. Europäische Agenturen wie die Arzneimittel-Agentur (EMA) und das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sollen aufgewertet werden.

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