Privatinitiative tritt gegen Volkskrankheiten an

Eine breite Allianz aus Ärzten, Krankenkassen, Selbsthilfeorganisationen und Unternehmen bereitet ein bundesweites Präventionsprojekt vor. Im Visier hat sie das metabolische Syndrom, das sich immer weiter ausbreitet.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Blick auf die Waage. Kommen zum Übergewicht Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte hinzu, ist das metabolische Syndrom da.

Blick auf die Waage. Kommen zum Übergewicht Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte hinzu, ist das metabolische Syndrom da.

© Dave / fotolia.com

BERLIN. Die Arbeitsgemeinschaft "Zukunftsgipfel Gesundheit" aus mehr als 20 Wirtschaftsunternehmen und -verbänden, mehreren Universitätsklinika, Krankenkassen, Rettungsorganisationen und Selbsthilfeorganisationen hält den Kampf gegen das Metabolische Syndrom für das vordringlichste Präventionsziel.

Dafür stellte die Initiative auf dem Hauptstadtkongress ein Projekt vor, das über das "tödliche Quartett" der Volkskrankheiten aufklären und Hilfen anbieten soll. Initiator des Zukunftsgipfels ist Sanofi-Aventis.

Von einen metabolischen Syndrom sprechen Mediziner, wenn zu einem dicken Bauch erhöhte Blutfettwerte oder niedrige HDL-Cholesterinwerte, erhöhte Insulinresistenz oder Bluthochdruck treten.

Krankheiten angehen, ohne sie zu medikalisieren

Jede Präventionsanstrengung müsse sich auf Gewichtsreduktion und die Förderung körperlicher Aktivitäten ausrichten, zitierte Professor Daniel König von der Universitätsklinik Freiburg den amerikanischen Präventionsfachmann Scott Grundy.

Gehe eine Gesellschaft diese Probleme nicht an, zahle sie einen "schrecklichen Preis". Dabei seien diese Krankheiten ein medizinisches Gebiet, auf dem sich Kosten sparen ließen, ohne die Gesellschaft zu medikalisieren, sagte König.

Für Deutschland lässt sich dieser Preis beziffern. Derzeit seien 23,5 Prozent der Menschen im Land betroffen, sagte König. Setze sich die Entwicklung fort, litten im Jahr 2020 schon 40 Prozent der Menschen an der Kombination der genannten Zivilisationskrankheiten.

Im Augenblick gebe das Gesundheitssystem zur Behandlung der Folgen des metabolischen Syndroms 24,4 Milliarden Euro aus. Trete niemand auf die Bremse, könne dieser Betrag auf 38,9 Milliarden Euro im Jahr 2020 steigen, sagte König.

Unterschiede bei der Lebenserwartung je nach Einkommen

Das metabolische Syndrom sei in der Gesellschaft nicht gleich verteilt, stellte Professor Stefan Huster von der Ruhr-Universität Bochum fest. Tatsächlich lasse sich zwischen Männern des oberen und des unteren Einkommensfünftels ein Unterschied in der Lebenserwartung von zehn Jahren ausmachen. Verantwortlich seien dafür die Krankheiten, die sich am Lebensstil festmachten.

Dass die bisherigen Präventionsanstrengungen an den Risikogruppen vorbeizielten, wollte auch Ministerialdirigent Norbert Paland aus dem Gesundheitsministerium nicht bestreiten. Im Moment gebe es jedoch im Ministerium keinen abgestimmten Prozess zur Prävention.

In diese seit Jahren klaffende Lücke in der Gesundheitspolitik stößt nun die private Initiative. Ihr Ziel sei, sich einer Indikation - dem metabolischen Syndrom - zu widmen, und die von einer breiten Gemeinschaft entwickelten Konzepte auch tatsächlich umsetzen zu wollen, sagte Dorothee Gänshirt, die geschäftsführende Präsidentin der European Health Care Foundation.

In Kurzfilmen, die über das soziale Netzwerk "You Tube" verbreitet werden sollen, will die Initiative das metabolische Syndrom als Problem bekannt machen und sich dafür auch einer Sprache bedienen, die bildungsferne Schichten anspreche, hieß es bei der Vorstellung.

Ein Koordinationszentrum solle gleichzeitig die vorhandenen Informationsangebote vernetzen. Eine Plattform im Internet solle informieren sowie interaktiv Beratung anbieten, zum Beispiel in Chatforen mit Experten.

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