Test nach Quarantäne besser

RKI-Daten: Corona-Tests direkt bei Einreise weniger zuverlässig

Ein Corona-Test bei der Einreise und beim negativen Ergebnis ist alles gut? Eine neue Modellierung zeigt die Risiken – und die Vorzüge einer „Vortest-Quarantäne“.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Corona-Testcenter am Münchner Flughafen

Corona-Tests am Münchner Flughafen: Viele Positive fallen wohl durchs Raster.

© picture alliance / SVEN SIMON

Berlin. Die aktuelle Test- und Quarantänestrategie der Bundesregierung auf SARS-CoV-2 bei Reisenden birgt offenbar Risiken. Das legen Modellierungsergebnisse nahe, die für das Robert Koch-Institut (RKI) erstellt wurden und Bundestagsabgeordneten sowie der „Ärzte Zeitung“ vorliegen.

Demnach könnten von 100 infizierten Einreisenden aus Risikogebieten, die unmittelbar bei Ankunft in Deutschland negativ auf das Coronavirus getestet worden sind, gut 13 dennoch infiziert sein. Von 100 infizierten Einreisenden würden nach sieben Tagen immer noch gut sieben durch das Raster fallen und nicht erkannt werden.

Reisende, die sich nicht testen lassen, müssen derzeit bekanntlich 14 Tage in Quarantäne. Würde der Corona-Test hingegen erst nach einer siebentägigen „Vortest-Quarantäne“ durchgeführt, würden nur zwei von einhundert Infizierten nicht erkannt.

Nach zehn Tagen noch vier Prozent Falsch-negative

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte Freitag angekündigt, mit den Ländern über eine Verkürzung der Quarantänezeit auf zehn Tage verhandeln zu wollen. Dann sind den vorliegenden Daten zufolge 4,24 Infizierte von 100 nicht erkannt, würde wie gehabt direkt bei Einreise getestet werden.

Anfang Oktober soll nach Ankündigungen Spahns bereits ein neues Rahmenwerk für Teststrategie und Quarantäneregeln vorliegen.

Derzeit verlangen die Behörden von Menschen, die aus vom RKI ausgewiesenen Risikogebieten einreisen, unmittelbar bei der Ankunft im Land einen Corona-Test. Danach müssen sie sich in häusliche Isolierung begeben. Ist das Testergebnis negativ, können sie die Quarantäne beenden, also unter Umständen schon ein bis zwei Tagen nach dem Test.

Das soll sich nach der aktuellen Beschlusslage ändern. Ab 1. Oktober sollen sich Einreisende aus Risikogebieten verpflichtend in Quarantäne begeben. Frühestens nach fünf Tagen sollen sie sich testen lassen können. Fällt der Test dann negativ aus, können sie die Quarantäne aufheben.

Test nach Quarantäne senkt Fehlerrate

Erfolgt der frühestmögliche Test, wie derzeit noch ab Oktober vorgesehen geplant, fünf Tagen nach der Vortest-Quarantäne, sind 3,24 Prozent der Infizierten nicht herausgefiltert. Dauert die Quarantäne vor dem Test 13 Tage, sind es dem Modell zufolge weniger als ein Prozent (0,7 Prozent).

In der Ärzteschaft gibt es seither Vorbehalte gegen die aktuell noch andauernden Massentestungen auch symptomfreier Menschen zum Beispiel bei der Einreise nach Deutschland, gleichgültig aus welcher Region.

Da in den meisten Fällen die Symptome innerhalb von zehn Tagen aufträten, könne man „höchstens über eine modifizierte Reduktion der Quarantänezeiten nachdenken“, hieß es dazu bereits am Montag bei der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL).

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