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Schub für die DMP?

Bundesverband Managed Care rät zu verstärktem Einsatz digitaler Möglichkeiten bei DMP

Der Bundesverband Managed Care hält die Möglichkeiten der DMP für nicht ausgeschöpft. Neue DMP brauchen lange in die Versorgung. Digitale Helfer sollen Aufwand für Praxen verringern helfen.

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Ältere Frau mit Gehstock auf dem Bürgersteig

In die DMP-Landschaft kommt Bewegung: Schleswig-Holstein plant für Oktober die Einführung des Behandlungsprogramms für Osteoporose.

© Radu Razvan / stock.adobe.com

Berlin. Der Bundesverband Managed Care (BMC) sieht das Potenzial von Disease Management Programmen (DMP) nicht ausgeschöpft. Die Patientenzahlen stagnierten und neue DMP würden nur zögerlich in die Praxis implementiert, heißt es in einer Pressemitteilung von Freitag. „Bisher erreichen wir nicht einmal die Hälfte der Versicherten, die von DMP profitieren könnten“, sagt der BMC-Vorstandsvorsitzende Professor Lutz Hager.

Zudem senkten die DMP auch die Behandlungskosten, bei Diabetes Typ 2 zum Beispiel um durchschnittlich 1.000 Euro pro Fall. Jedenfalls sei dies im Zeitraum von 2005 bis 2007 so festgestellt worden.

Rund 8,5 Millionen Menschen seien derzeit in eines der sechs aktiven DMP eingeschrieben. Das Potenzial belaufe sich aber auf mehr als 20 Millionen Patientinnen und Patienten, rechnet der BMC in einem am Freitag verbreiteten Impulspapier vor. Die Patientinnen und Patienten seien Umfragen zufolge in der Regel zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Versorgung. Bei einer Ärztebefragung der Universität Frankfurt im Herbst 2020 in Hessen zeigten sich auch 59 Prozent der Hausärzte zufrieden mit den DMP. Kritikpunkte waren der hohe bürokratische Dokumentationsaufwand und das Einbinden von DMP-Patienten in den Praxisalltag.

DMP hängen in der Warteschleife

Bislang gibt es sechs dieser strukturierten Behandlungsprogramme, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Kassen, Ärzten und Krankenhäusern fertig ausverhandelt hat. Fünf weitere sind vom G-BA bereits aufgestellt. Es handelt sich um die DMP Osteoporose, Rheumatoide Arthritis, Chronische Herzinsuffizienz, Chronische Rückenschmerzen und Depression. Zum Teil liegen sie bereits seit Jahren in der Schublade. Das neueste, das DMP Adipositas, soll im Ausschuss weit fortgeschritten sein.

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Immerhin: Für Oktober 2023 ist in Schleswig-Holstein das DMP Osteoporose angekündigt. Die Voraussetzungen für die Einführung sind ausweislich des Bundesamtes für Soziale Sicherung gegeben. Bevor Patientinnen und Patienten eingeschrieben werden können, bedarf es allerdings auch noch regionaler Verträge zwischen Kassen, Praxen und Krankenhäusern.

Vorschlag: Programme bundesweit aufziehen

Um den DMP neuen Schub zu verleihen, schlägt der BMC nun vor, für neue DMP bundesweit geltende Rahmenverträge zu ermöglichen. Die Vergütung sollte Versorgungsketten und Kooperationspauschalen vorsehen. Gleichzeitig sollte die Bedeutung von Multimorbidität stärker gewichtet werden, um mit Mehrfacheinschreibungen leichter umgehen zu können, heißt es.

Um Anreize zu setzen, schlägt der BMC zudem vor, outcome-orientierte Vergütungselemente einzuziehen. „Patientinnen und Patienten sollten aktiver in den Versorgungsprozess eingebunden werden, denn ein Großteil der Zeit sind sie mit ihrer Erkrankung auf sich gestellt“, argumentiert Hager.

Erleichtern könnte dies das Digitalgesetz aus dem Hause von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, das Ende August vom Bundeskabinett abgesegnet worden ist. Darin ist die Digitalisierung der DMP vorgesehen. Der BMC schlägt in diesem Zusammenhang vor, verstärkt auf Digitale Gesundheitsanwendungen und Videoschulungen zu setzen, unter anderem auch zur Stärkung der Adhärenz. Das digitale Erfassen von medizinischen Parametern soll den BMC-Vorschlägen zufolge Grundlage von Praxisbesuchen sein können. Um die in den DMP gesammelten Versorgungsdaten für die Versorgungsforschung nutzen zu können, sollten sie in einem nationalen Register zusammengeführt werden. (af)

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