Transplantationsmedizin

Spahn spürt Rückenwind bei Organspende

Die Debatte um die Organspende-Reform hat laut Gesundheitsminister Spahn weitaus mehr Bürger für das Thema sensibilisiert als jede Kampagne zuvor. Das müsse man nutzen.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht: 05.06.2020, 14:25 Uhr
Axel Rahmel (l-r), Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, und Kati Jordan, Oberärztin im Auguste-Viktoria-Klinikum, sprechen zum Tag der Organspende im Bundesministerium für Gesundheit.

Axel Rahmel (l-r), Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, und Kati Jordan, Oberärztin im Auguste-Viktoria-Klinikum, sprechen zum Tag der Organspende im Bundesministerium für Gesundheit.

© Britta Pedersen/dpa

Berlin. Zum Tag der Organspende am 6. Juni hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Bundesbürger aufgerufen, eine Entscheidung zur Organspende zu treffen und diese zu dokumentieren. „Das gibt nicht nur Ärzten, sondern auch nächsten Angehörigen die nötige Sicherheit“, sagte Spahn am Freitag in Berlin.

Aus der „grundsätzlichen Bereitschaft“ zur Organspende müsse eine „konkrete Bereitschaft“ werden, einen Organspendeausweis auszufüllen, so Spahn. Das Interesse am Thema sei so „groß wie nie“.

„Leidenschaftliche Debatte“

Grund sei auch die „leidenschaftliche und intensive Debatte“ über die Organspende-Reform, die Gesellschaft und Politik vergangenes Jahr geführt hätten, zeigte sich der Minister überzeugt. Es gelte jetzt, den „Rückenwind“ aus der Debatte zu nutzen.

Der Bundestag hatte Anfang Januar beschlossen, die Organspende neu zu regeln. Der Beschluss sieht eine Stärkung der Entscheidungslösung vor. So sollen Bundesbürger vom Hausarzt auf das Thema Organspende angesprochen oder durch regelmäßige Hinweise in Bürgerämtern zu einer Entscheidung bewegt werden.

Spahn betonte, sein Haus arbeite „mit Hochdruck“ an einer Umsetzung des Beschlusses. Spahn selber hatte für die doppelte Widerspruchslösung geworben. Danach gilt jeder als Organspender, solange er nicht widerspricht oder Angehörige eine andere Willensbekundung kennen.

Zahl der Organspender um acht Prozent gestiegen

Ein Beleg für das gestiegene Interesse am Thema Organspende sei auch, dass bereits in den ersten vier Monaten dieses Jahres knapp 2,5 Millionen Organspenderausweise und Flyer bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellt worden seien, so Spahn. Das sei eine halbe Million mehr als im gleichen Zeitraum 2019.

Auch die Zahl der Organspender sei trotz der Corona-Krise gestiegen. „Dadurch konnte mehr Menschen ein neues Leben geschenkt werden.“

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) ist die Zahl der Organspender von Januar bis Mai 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als acht Prozent auf 410 Spender gestiegen. Die Zahl der gespendeten Organe stieg im Vergleichszeitraum von 1254 auf 1300 Organe. Gleichzeitig warten weiter über 9000 Patienten auf ein Spenderorgan.

Mit „blauem Auge“ davon gekommen

Der Medizinische Vorstand der DSO, Dr. Axel Rahmel, wies darauf hin, dass die Coronavirus-Pandemie in einigen Ländern wie Frankreich, Spanien oder den USA zu massiven Einbrüchen bei der Organspende geführt habe. In Deutschland könnten Organspenden und Transplantationen „fast uneingeschränkt stattfinden“. Man sei bislang „mit einem blauen Auge“ durch die Krise gekommen.

Die Frage nach einer möglichen Organspende am Lebensende werde „in vielen Kliniken immer mehr zur Selbstverständlichkeit“, sagte Rahmel mit Blick auf das 2019 in Kraft getretene Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende. Wichtig sei es gewesen, die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken zu stärken. „Sie haben eine Schlüsselrolle im Organspendeprozess.“

Das Beispiel Spanien zeige, dass ein Anstieg der Zahl der Organspenden nicht „über Nacht“ komme, betonte Rahmel. „Wir haben es hier nicht mit einem Sprint zu tun, sondern mit einem Marathon.“

Ärzte stärker schulen

Die Neuerungen des Gesetzes von 2019 „haben relevante strukturelle Verbesserungen für unsere Arbeit als Transplantationsbeauftragte gebracht“, lobte auch die Oberärztin am Berliner Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK), Dr. Kati Jordan.

Ärzte und Pflegekräfte müssten stärker geschult werden, wie sie Patienten und Angehörige in Sachen Organspende ansprechen sollten. Es handele sich um ein hochsensibles Thema, das häufig unter großem Zeitdruck zu besprechen sei. „Die Ärzte müssen das gelernt haben, das ist nicht selbstverständlich“, sagte Jordan, die auch als Transplantationsbeauftragte am AVK tätig ist.

Aktionstag erstmals digital

Der Tag der Organspende findet seit 37 Jahren statt. Ziel ist es, das Thema Organspende stärker in den Fokus der Gesellschaft zu rücken. Der diesjährige Aktionstag steht unter dem Motto: „Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.“

Wegen der Coronavirus-Pandemie findet der Aktionstag erstmals ausschließlich digital statt.

BÄK-Präsident Reinhardt: Dürfen nicht nachlassen!

Der Chef der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, nannte den Tag der Organspende eine „gute Gelegenheit, über dieses wichtige Thema nachzudenken und einen Organspendeausweis auszufüllen“.

Offensichtlich habe die intensive gesellschaftliche und politische Debatte über die Neuregelung der Organspende das Thema etwas stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. „Wir dürfen aber jetzt nicht nachlassen, das Interesse der Menschen an der Organspende weiter wachzuhalten. Nur so lässt sich diese Entwicklung verstärken“, sagte Reinhardt am Freitag in Berlin.

Der BÄK-Präsident betonte, viele Menschen stünden der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber. „Alle sind aufgerufen, die vielfältigen Informationsangebote zur Organspende zu nutzen und dann auch den entscheidenden Schritt weiter zu gehen und die persönliche Einstellung zu dokumentieren.“

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