Interview zum Tag der Organspende

„Das A und O für mehr Organspenden sind bessere Strukturen“

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Dr. Kirsten Kappert-Gonther hat für die Entscheidungsregelung bei der Organspende gekämpft. Im Interview sagt die Ärztin, was sie sich von der Reform erhofft und warum Spanien ein Vorbild ist.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Die Grünen-Politikerin Dr. Kirsten Kappert-Gonther im Bundestag.

Die Grünen-Politikerin Dr. Kirsten Kappert-Gonther im Bundestag.

© Bernd von Jutrczenka / dpa / picture alliance

Ärzte Zeitung: Von Januar bis Ende April 2020 sind bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gut zwei Millionen neue Spenderausweise bestellt worden. Klingt gut, aber bestellte Ausweise sind noch keine ausgefüllten Ausweise?

Dr. Kirsten Kappert-Gonther: Stimmt. Aber wer aktiv einen Spenderausweis bestellt, hat offenbar die Absicht, seinen Wunsch zu hinterlegen. Selbst wenn nicht jeder, sondern nur jeder zweite bestellte Ausweis ausgefüllt würde: Ein Anstieg der Nachfrage um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist sehr erfreulich.

Und wer keinen Ausweis ausfüllt?

Kappert-Gonther: Der hat vielleicht mit Angehörigen oder Freunden über seine oder ihre Wünsche geredet, die im Fall der Fälle darüber Auskunft geben könnten. Grundsätzlich ist es sehr zu begrüßen, dass sich immer mehr Menschen mit Organspende-Fragen beschäftigen.

Dr. Kirsten Kappert-Gonther

  • Aktuelle Position: Sprecherin für Drogenpolitik und Gesundheitsförderung sowie Obfrau im Gesundheitsausschuss
  • Werdegang: Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Ärzte betonen, die Organspende-Zahl sei gar nicht so aussagekräftig. Wichtiger sei, dass die Kliniken jede Möglichkeit der Organspende erkennen und dann auch melden. Passiert das ausreichend?

Kappert-Gonther: Es ist richtig, dass das A und O zur Erhöhung der realisierten Organspenden bessere Strukturen in den Kliniken sind. Wir können aktuell noch nicht sagen, inwieweit das schon umfassend geschieht, aber die Weichen sind gestellt.

Vor einem Jahr ist das Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Strukturen bei der Organspende in Kraft getreten. Damit werden auch Abläufe in Entnahmekrankenhäusern gestärkt. Sie können mehr Zeit und Ressourcen auf die Erkennung und Meldung von Spendern verwenden. Verbesserungen dieser Art haben in Ländern wie Spanien maßgeblich dazu beigetragen, dass mehr Organspenden stattfinden.

Anfang 2021 tritt das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft in Kraft. Am Entwurf haben Sie maßgeblich mitgewirkt. Was erhoffen Sie sich konkret davon?

Kappert-Gonther: Regelmäßige Ansprache durch den Hausarzt, Informationen zur Organspende während der Fahrstunde, Info-Angebote beim Pass-Abholen: Die Organspende wird in unseren Leben präsenter werden. Die Leidenschaft und das Engagement, mit der wir in Parlament und Gesellschaft darüber debattiert haben, wie sich die Organspendezahl erhöhen lässt, brauchen wir jetzt dafür, damit die Organspende weiter auf der Agenda bleibt. Damit mehr Menschen sich dafür entschließen und damit mehr Leben gerettet werden können.

Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gegen den Organmangel

Transplantationsgesetz: Das ändert die Nieren-Überkreuzspende

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Tab. 1: Empfohlene Anfangsdosierungen von Ruxolitinib bei akuter und chronischer GvHD in Abhängigkeit vom Alter

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [5, 6]

Graft-versus-Host-Erkrankung

JAK1/2-Hemmung jetzt für Kinder unter zwölf Jahren und in neuer Darreichungsform möglich

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vernarbung und Fibrosierung

Interstitielle Lungenerkrankung: Die Nachwehen von COVID-19

Infektionsgeschehen

Höhepunkt der Grippewelle wohl überschritten

Lesetipps
Ein Mann im Krankenhaus beim Essen.

© fresnel6 / stock.adobe.com

Neue S3-Leitlinie

Ernährungs-Screening bei Menschen mit Krebs sollte Routine werden

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe