Traumberuf Hausarzt in Woldegk

Richard Bader ergriff vor vier Jahren die Chance und ließ sich nach jahrelanger Tätigkeit in der Klinik als Hausarzt in Woldegk nieder. Bereut hat er es nie - besonders wegen seiner Standortwahl. Warum er auch mit 60 noch lange nicht ans Aufhören denkt, zeigt ein Besuch in seiner Praxis.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Für Naturliebhaber Richard Bader ist Woldegk ein Eldorado. Die beiden Isländer sind nur zwei seiner vielen Tiere.

Für Naturliebhaber Richard Bader ist Woldegk ein Eldorado. Die beiden Isländer sind nur zwei seiner vielen Tiere.

© Schnack

WOLDEGK. "Ich kann nur jedem raten, lass Dich nieder." Man trifft nicht viele Praxisinhaber, die mit 60 Jahren so überzeugt von der Niederlassung sind wie Richard Bader.

Der als Hausarzt tätige Internist praktiziert mitten in Woldegk und ist rundum zufrieden - besonders mit seiner Standortwahl.

"Die Hilfsbereitschaft hier ist grandios. Und wer die Natur liebt, ist genau richtig in dieser Region", sagt Bader. Er hat in Woldegk seine dritte Heimat gefunden.

Aufgewachsen in der Nähe von Heidelberg als Sohn eines Winzers, studiert in Gießen und Berlin, wo er lange Zeit gelebt und als Klinikarzt gearbeitet hat.

Dann versprach er seiner inzwischen verstorbenen Frau, sich niederzulassen und wählte die Region, aus der sie stammte. Diesen Schritt machte er vor vier Jahren und hat ihn bis heute nicht bereut - im Gegenteil.

Bader macht einen glücklichen Eindruck, wenn er von seiner Praxis, seinen Patienten, seinen Mitarbeitern und seinen Hobbys spricht, die er in der Region ausleben kann.

Auf die Woldegker kann der Hausarzt immer zählen

Als Junge träumte Bader von einem Berufsleben als Musiker, Landwirt oder Arzt. Seine Entscheidung für die Medizin drängte besonders die Landwirtschaft lange Zeit in den Hintergrund.

Nach seiner Praxisgründung in Woldegk konnte er dieser Leidenschaft endlich nachgehen. In seiner Freizeit kümmert sich Bader um zwei Islandpferde, fünf Rinder und 30 Schafe.

Hausarzt Richard Bader wird durch sein Praxisteam ideal ergänzt: "Sie haben dort ihre Stärken, wo ich meine Schwächen habe."

Hausarzt Richard Bader wird durch sein Praxisteam ideal ergänzt: "Sie haben dort ihre Stärken, wo ich meine Schwächen habe."

© Schnack

Er repariert Stallungen, macht Heu und schlachtet bei Bedarf auch selbst. Kurzum: "Die Region ist ein Eldorado für jeden, der sich für Natur und Landwirtschaft interessiert."

Weil seine Freizeit zu knapp ist, benötigt er permanent Unterstützung und Rat, die er von seinen Mitmenschen in der Region Woldegk bekommt.

Als "sehr hilfsbereit" hat er die Menschen in und um Woldegk kennengelernt, wenn auch zunächst etwas skeptisch gegenüber "dem Neuen".

Der setzt sich auch gerne an seinen Flügel und spielt Beethoven - was aber in seinem wenige Minuten von Woldegk entfernt liegendem Dorf niemand mitbekommt, weil das nächste Nachbarhaus 150 Meter entfernt liegt.

Dass Bader bei rund 1300 Patienten im Quartal überhaupt Zeit für seine Hobbys findet, verdankt er der Praxisorganisation seiner Vorgängerin.

Grabenkämpfe unter Arztkollegen gibt es nicht

"Bei der Übernahme war die Praxis perfekt organisiert. Ich kann mich voll und ganz auf meine Mitarbeiterinnen verlassen. Sie haben dort ihre Stärken, wo ich meine Schwäche habe."

Auch von den vier haus- und den zwei fachärztlichen Kollegen vor Ort fühlt er sich gut aufgenommen.

Als Landarzt in Woldegk ist er keineswegs auf sich allein gestellt. Gegenüber seinem Praxisgebäude praktizieren Physiotherapeut, Zahnarzt, Zahntechniker, nebenan gibt es die Sozialstation, und die Apotheke ist direkt um die Ecke.

Einen Steinwurf von seiner Praxis entfernt plant die Kleinstadt ein Gesundheitshaus. Ein Konkurrenzgefühl verspürt er dennoch nicht, was Bader auch auf die wirtschaftlich sichere Situation für die Hausärzte im Ort zurückführt.

"Wir sind hier konjunkturunabhängig." Zugleich empfindet der langjährige Klinikarzt die fehlenden Hierarchien in der Praxis noch immer als Luxus.

Und die Patienten? Die mussten sich zunächst daran gewöhnen, dass der neue Arzt zum Start nicht einfach weiter verordnete wie seine Vorgängerin, sondern darauf pochte, seine Patienten kennenzulernen. Nachdem das akzeptiert war, entwickelte sich ein gutes Vertrauensverhältnis.

Sprechstunden teilweise bis 20 Uhr

Dass manche Nordlichter zunächst etwas reservierter gegenüber Fremden auftreten, hat Bader nicht als Problem empfunden. Schnell hat er herausgefunden, welche Tonlage er bei welchem Patienten anschlagen muss.

Wichtig ist aus seiner Sicht: "Wer sich in Woldegk niederlässt, muss gerne mit alten Menschen arbeiten. Geriatrische Fragestellungen nehmen breiten Raum ein."

Täglich ab 7.30 Uhr ist Bader für seine Patienten da, Dienstags und Donnerstags sogar bis 20 Uhr.

An den anderen Tagen versucht er, nach den Sprechstunden seinen Hobbys nachzugehen und fährt nach Hause zu seiner neuen Lebensgefährtin, die aus der Region stammt.

Die Befürchtung, dass der immerhin schon 60-Jährige in wenigen Jahren seine Praxis aufgibt, ist unbegründet.

Bader verschwendet keinen Gedanken an ein Ende seiner Tätigkeit und sagt: "Ich hätte den Schritt mit eigener Praxis viel früher machen sollen - als niedergelassener Arzt lässt es sich hier bestens leben."

Lesen Sie dazu auch: Worauf sich ein Arzt in Woldegk einstellen muss Alles zur Aktion "Landarzt gesucht" Video zu "Landarzt gesucht"

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Kommentare
Hauke Gerlof 13.07.201210:44 Uhr

Hausarzt wirklich gesucht!

Sehr geehrter Herr Dr. Prister,

als Teil unserer Aktion Landarzt gesucht haben wir mit dem Hausarzt Richard Bader einen von vier derzeit in Woldegk tätigen Hausärzten vorgestellt, um zu zeigen, wie gut es sich als Hausarzt in Süd-Mecklenburg leben und arbeiten lässt. Die Gemeinde hat gut 4000 Einwohner und eine Unterzentrumsfunktion für die umliegenden Gemeinden. Die Hausärzte am Ort sind daher schon jetzt tendenziell überlastet, zudem ist Herr Bader noch einer der jüngeren Ärzte vor Ort.

Deshalb sucht die Gemeinde dringend einen Hausarzt, und mit der Aktion Hausarzt gesucht wollen "Ärzte Zeitung" und AOK bei der Suche helfen - und gleichzeitig herausfinden, ob mit besserer Kommunikation der drohende Ärztemangel auf dem Land nicht zumindest abgemildert werden könnte.

Beste Grüße
Hauke Gerlof

Hauke Gerlof
Springer Medizin
Stellvertretender Chefredakteur
Ressortleiter Wirtschaft
Ärzte Zeitung Verlagsgesellschaft mbH

Dr. Zlatko Prister 13.07.201209:45 Uhr

habe ich etwas falsch verstanden?

bis vor kurzem hat man händeringend einen hausarzt für das städtchen gesucht (ärztezeitung und regierung zusammen) und jetzt ist einer da der nicht aufhören will.
das verstehe ich nicht ganz.
habe ich etwas falsch gelesen?

mfg
dr. z. prister
frankfurt am main
www.prister.de

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