Großbritannien / SARS-CoV-2

Viele Ärzte im UK wollen den Beruf wechseln

Politiker haben bei Corona versagt, kritisieren britische Ärzte. Sie haben die Nase voll. Manche wollen ihren Kittel ganz an den Nagel hängen.

Veröffentlicht: 25.09.2020, 15:09 Uhr
Der Brexit und die Ärzte: ein schwieriges Verhältnis.

Der Brexit und die Ärzte: ein schwieriges Verhältnis.

© Lucian Milasan / stock.adobe.com

London. Mehr als 1000 Ärztinnen und Ärzte in Großbritannien beabsichtigen, innerhalb der kommenden drei Jahre entweder den Beruf zu wechseln oder ganz das Handtuch zu werfen. Grund dafür ist laut einer neuen Ärzte-Umfrage Covid-19 und die Art und Weise, mit der die britischen Politiker mit der Pandemie umgehen.

Die Umfrage, die kürzlich von der Organisation „Doctors Association UK“ veröffentlicht wurde, sorgt seit längerem für gesundheitspolitische Schlagzeilen im Königreich. „Die erste Welle von Covid-19 hat britische Ärztinnen und Ärzte im staatlichen britischen Gesundheitswesen (National Health Service, NHS) hart getroffen. Sie sind desillusioniert, frustriert und ausgebrannt“, so ein Sprecher von „Doctors Association UK“ in London.

Die Organisation bezeichnete die Umfrageergebnisse als „sehr alarmierend“ zumal bereits heute tausende Ärzte im NHS fehlen. Laut Londoner Gesundheitsministerium fehlen landesweit derzeit knapp 8300 Ärztinnen und Ärzte im NHS. Viele EU-Mediziner gehen auch wegen des Brexits.

Von den insgesamt 1758 Ärzte, die auf die Fragen der „Doctors Association UK“ antworteten, sagten zwei von drei, Covid-19 habe ihre Einstellung zu ihrem Beruf und damit auch ihre weitere Lebensplanung „stark verändert“. Sie beabsichtigten deshalb, ihren Beruf innerhalb der kommenden drei Jahre zu wechseln oder sogar ganz aufzuhören.

Besonders groß ist die Unzufriedenheit bei Ärztinnen und Ärzten, die ausschließlich für den NHS arbeiten. Der Dienst, der fast ausschließlich aus allgemeinen Steuermitteln finanziert wird und der für Patienten in der Regel kostenlos zugänglich ist, gilt als marode und unterfinanziert.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass solche Mediziner, die zwar unzufrieden sind, aber nicht ans Aufhören denken, zumindest beabsichtigen, vom Staatssektor ganz in die Privatmedizin zu wechseln. Als konkrete Gründe für den großen Frust innerhalb der britischen Ärzteschaft nach der ersten Infektionswelle wurden unter anderem ein Mangel an Schutzmaterialien, zu geringe Bezahlung, überlange Arbeitszeiten und ein von vielen Gesundheitsverwaltungen erlassenes Redeverbot genannt, das es Medizinern nicht erlaubt, die Zustände in den Kliniken und Praxen öffentlich zu kritisieren. (ast)

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