Großbritannien

Wartezeiten im NHS: Pandemie verschärft regionale Ungleichheit

Patienten aus weniger betuchten Regionen im UK müssen besonders lange auf eine Behandlung oder Operation warten – in der Pandemie haben sich die Probleme verschärft. Das legen Zahlen der Organisation Healthwatch nahe.

Arndt StrieglerVon Arndt Striegler Veröffentlicht:
Mit der Pandemie hat sich in Großbritannien das Problem der Zweiklassenmedizin verschärft. Jetzt gibt es auch noch Kraftstoffmangel. Militärangehörige sollen helfen, die Nachschubschwierigkeiten an Tankstellen in den Griff zu bekommen.

Mit der Pandemie hat sich in Großbritannien das Problem der Zweiklassenmedizin verschärft. Jetzt gibt es auch noch Kraftstoffmangel. Militärangehörige sollen helfen, die Nachschubschwierigkeiten an Tankstellen in den Griff zu bekommen.

© Joe Giddens/PA Wire/dpa

London. Patienten aus sozialschwachen Gegenden in Großbritannien warten im Durchschnitt doppelt so lange auf eine Operation im staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) wie Patienten in den bessergestellten Regionen. Britische Ärzteverbände reagierten empört auf die jüngsten Zahlen und verlangen vom Gesundheitsministerium schnelle Abhilfe.

Wie aus neuen Zahlen, die von der Organisation Healthwatch England vorgelegt wurden, hervorgeht, hat die Pandemie die Ungleichheiten bei der stationären Versorgung in Großbritannien noch verstärkt. Laut Healthwatch warten in den ärmsten Gegenden Englands sieben Prozent der Patienten ein Jahr oder noch länger auf ihre Operation. Dagegen mussten sich in wohlhabenden Regionen wie zum Beispiel rund um London im Durchschnitt nur vier Prozent der NHS-Patienten ein Jahr oder noch länger gedulden.

Ärzte empört: „Nationale Schande“

Generell haben die Autoren von Healthwatch – darunter auch Ärzte und Pflegekräfte – für die sozialschwachen Landesteile doppelt so lange Wartezeiten festgestellt. „Viele dieser Patienten sind krank und sie leiden. Da kommt es auf jeden Tag an“, so ein Sprecher der Organisation in London. Und: „Die überlangen Wartezeiten haben auch ernsthafte negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Patienten.“

Der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA) reagierte empört. Es sei „eine nationale Schande“, dass Kranke derart unterschiedlich lange warten müssten. Das Londoner Gesundheitsministerium wurde „dringend“ aufgefordert, mit gezielten lokalen Hilfspaketen dem NHS in den sozialschwachen Gegenden des Landes unter die Arme zu greifen. Andernfalls sei zu erwarten, dass die Ungleichheiten weiter wachsen würden, so die BMA.

Über fünf Millionen auf Wartelisten

Im staatlichen britischen Gesundheitsdienst warten derzeit laut offiziellen Angaben rund 5,6 Millionen Patienten auf eine Operation oder auf eine andere fachärztliche Behandlung oder Konsultation. Vor Beginn der COVID-Pandemie waren es weniger als halb so viele Patienten. Besonders im Norden Englands ist die Versorgungslage in vielen Landesteilen teils desolat.

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