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Jorveza® – erste zugelassene Therapie bei eosinophiler Ösophagitis

Budesonid als Schmelztablette mit Brauseeigenschaften (Jorveza®) von Dr. Falk Pharma verfügt über eine spezielle Galenik, die auf die lokale Wirksamkeit am Ösophagus ausgerichtet ist. Mit dieser neuen Darreichungsform ist erstmals eine zugelassene Behandlung der eosinophilen Ösophagitis mit hohen Remissionsraten zu realisieren.

Veröffentlicht: 09.07.2019, 11:54 Uhr
Jorveza® – erste zugelassene Therapie bei eosinophiler Ösophagitis

Bei der eosinophilen Ösophagitis handelt es sich um eine chronische, immunvermittelte Erkrankung. Die histologische Untersuchung der Ösophagusschleimhaut zeigt eine Infiltration mit eosinophilen Granulozyten (> 15 Eosinophile/HPF [high power field]). Die Erkrankung ist mit einem hohen Leidensdruck der Patienten verbunden. Es kann zu erheblichen Schluckstörungen kommen mit dem Risiko einer Bolusimpaktion. Die Patienten haben Schmerzen beim Schlucken, was zur Entwicklung von Vermeidungsstrategien führt, z. B. sehr langes Kauen der Speisen, Pürieren der Nahrung oder Meiden von Restaurantbesuchen.

Die Pathogenese der eosinophilen Ösophagitis ist unklar, wahrscheinlich spielen Nahrungsallergene eine Rolle. Unbehandelt schreitet die Erkrankung in aller Regel fort, es kommt zu fibrotischen Veränderungen bis hin zur Bildung von Strikturen und einer Lumenverengung der Speiseröhre.

In den Leitlinien werden zur Behandlung Protonenpumpenhemmer sowie topische Steroide oder eine Eliminationsdiät empfohlen. Seit Juni 2018 ist Budesonid als 1-mg-Schmelztablette (Jorveza®) von Dr. Falk Pharma als erstes und einziges Arzneimittel offiziell zur medikamentösen Behandlung der eosinophilen Ösophagitis bei Erwachsenen zugelassen.

Lokale Wirksamkeit von Budesonid

Budesonid als Schmelztablette wurde speziell für die Behandlung der eosinophilen Ösophagitis bei Erwachsenen entwickelt. Das Präparat entfaltet seine Wirkung direkt am Ort der Entzündung. Denn die Schmelztablette löst sich über mehrere Minuten langsam im Mund auf und regt durch die enthaltenen Brausekörperchen den Speichelfluss an. Der Speichel weist durch seine Mucin-Bestandteile adhäsive Eigenschaften auf und kann die Ösophagusschleimhaut benetzen. Damit ist er ein ideales Vehikel für Wirkstoffe, die ihre Effekte an der Ösophagusschleimhaut entfalten sollen. Das im Speichel gelöste Budesonid wird mit dem Schlucken an die Schleimhaut im Ösophagus transportiert und kann dort lokal wirksam werden.

Hohe histologische Remissionsrate

Die gute klinische Wirksamkeit der Budesonid-Schmelztablette dokumentiert eine randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Phase-III-Studie, in der 88 Patienten mit aktiver eosinophiler Ösophagitis sechs Wochen lang mit der 1-mg-Schmelztablette zweimal täglich (n = 59) oder Placebo (n = 29) behandelt wurden. Es schloss sich eine sechs Wochen lange offene Verlängerungsphase für jene Patienten an, die keine Remission erreichten.

Bereits innerhalb der ersten sechs Wochen wurde bei 58 Prozent der Patienten in der Verumgruppe (Placebogruppe: 0 Prozent; p < 0,00001) der kombinierte primäre Endpunkt aus histologischer und klinischer Remission erreicht. Dieser war definiert als Maximum von < 16 Eosinophilen pro mm2 im hochauflösenden Bereich bei ösophagealen Biopsien plus keine oder nur minimale Symptome wie Dysphagie oder Schmerzen beim Schlucken. Eine histologische Remission erreichten mehr als 90 Prozent der Patienten der Verumgruppe.

In der offenen Studienphase über weitere sechs Wochen bei Patienten ohne Remission stieg der Anteil klinischer und histologischer Remissionen sogar weiter auf 85 Prozent. Bei 93 Prozent der Patienten resultierte eine histologische Remission.

Die Therapie mit der Budesonid-Schmelztablette ist allgemein gut verträglich. Durch die Unterdrückung von Entzündungsreaktionen kann sich jedoch die Anfälligkeit für Infektionen – besonders für milde bis mittelschwere Pilzinfektionen in Mund, Rachen und Speiseröhre – erhöhen. Es können sich theoretisch zudem die charakteristischen Kortikoid-Nebenwirkungen zeigen. Diese sind jedoch abhängig von der Behandlungsdauer, einer gleichzeitigen oder früheren Kortikoidtherapie und der individuellen Empfindlichkeit.

Einfache Einnahme von Vorteil

Die 1-mg-Schmelztablette wird morgens und abends jeweils nach einer Mahlzeit eingenommen. Dabei wird die Tablette auf die Zungenspitze gelegt und gegen den Gaumen gedrückt. Sie löst sich innerhalb von mehreren Minuten auf. Sie sollte nicht zerkaut oder unaufgelöst geschluckt werden. Der sich aus der Schmelztablette lösende Wirkstoff sollte nach und nach mit dem Speichel geschluckt werden, während sich die Tablette auflöst. Die Tablette sollte keinesfalls mit Flüssigkeit oder zusammen mit der Nahrung eingenommen werden. Außerdem sollte der Patient anschließend mindestens 30 Minuten lang nichts essen oder trinken, keine Mundhygiene betreiben und keine Lösungen oder Kautabletten einnehmen oder Sprays anwenden. So wird eine optimale Exposition der Ösophagusschleimhaut gegenüber dem Wirkstoff gewährleistet.

Die Behandlungsdauer liegt in der Regel bei sechs Wochen und kann bei nicht ausreichendem Ansprechen auf zwölf Wochen verlängert werden. (cv)

Budesonid als Schmelztablette mit besonderer Galenik

Die Budesonid-Schmelztablette ist das erste weltweit zugelassene Arzneimittel zur Therapie der eosinophilen Ösophagitis. Jede Schmelztablette enthält außer dem Wirkstoff u. a. auch Brausekörperchen mit Dinatriumhydrogencitrat, Natriumdihydrogencitrat und Natriumhydrogencarbonat, die die Speichelbildung stimulieren.

Das im Speichel gelöste Budesonid wird mit dem Schlucken an die entzündete Schleimhaut im Ösophagus transportiert und kann dort – direkt am Ort der Entzündung – seine antientzündlichen Effekte vermitteln.

Am Ort der Entzündung hemmt Budesonid die antigenstimulierte Ausschüttung zahlreicher proinflammatorischer Signalmoleküle wie TSLP (thymic stromal lymphopoietin), Interleukin-13 und Eotaxin-3 im Ösophagusepithel. Das hat eine deutliche Abnahme der entzündungsbedingten Infiltration des Ösophagus mit eosinophilen Granulozyten zur Folge.

Das Unternehmen: Eine feste Größe in der Gastroenterologie

Branche: Die Dr. Falk Pharma GmbH ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit Sitz in Freiburg im

Breisgau, fokussiert auf Entwicklung und Vermarktung verschreibungspflichtiger Arzneimittel für Gastroenterologie und Hepatologie. Bekannte Produkte sind etwa Salofalk® (Mesalazin) gegen chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Budenofalk® (Budesonid) gegen chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Autoimmunhepatitis oder Ursofalk® (Ursodesoxycholsäure) unter anderem zur Auflösung von Gallensteinen und zur Behandlung der primär biliären Cholangitis (PBC). International ist das Unternehmen in 65 Ländern präsent, mit eigenen Niederlassungen in Belgien, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Luxemburg, Spanien,

Österreich, Portugal und Russland.

Umsatz und Gewinn: Im zuletzt berichteten Geschäftsjahr 2017 wurden rund 324 Millionen Euro erwirtschaftet, davon knapp ein Viertel (87,9 Millionen) im Inland. Nach Steuern werden für das Berichtsjahr 71,4 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen.

F&E-Ausgaben: Die Produktentwicklung beinhaltet einesteils galenische Verbesserungen von bereits zugelassenen Präparaten, anderenteils neue Wirkstoffe gegen gastroenterologische Erkrankungen. Die F&E-Ausgaben werden nicht beziffert.

Pipeline: Aktuell bearbeiten Falk-Mitarbeiter 14 klinische Projekte, darunter auch mehrere neue Therapieoptionen. Zu den wichtigsten Entwicklungsprojekten gehören unter anderem die norUrsodesoxycholsäure zur Behandlung einer primär sklerosierenden Cholangitis (PSC) und zur Therapie der nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH) sowie ein Transglutaminase-Blocker („ZED1227“) gegen Zöliakie. (cw)

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