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"Allgemeinmedizin? Das gilt eher als uncool!"

Wie bringt man Medizinstudenten dazu, sich später als Hausarzt niederzulassen? Über mehr Kontakt zur Praxis. Das haben jedenfalls Stipendiaten des MLP-Programms Medical-Excellence bei einer Diskussion in Wiesloch vorgeschlagen.

Von Hauke GerlofHauke Gerlof Veröffentlicht:
Ist das Medizinstudium zu theorielastig? Viele Studenten sehen das so.

Ist das Medizinstudium zu theorielastig? Viele Studenten sehen das so.

© Dmitry Kudryavtsev / fotolia.com

WIESLOCH. Ein berufliches Dasein als Hausarzt - das ist für die Mehrheit der Medizinstudenten nicht gerade der erste Gedanke während ihres Studiums. Das zeigte sich bei einer Diskussion über die Zukunft des Medizinstudiums unter den Stipendiaten des Programms Medical Excellence, das der Finanzdienstleister MLP initiiert hat. Medienpartner des Programms ist die Fachverlagsgruppe Springer Medizin mit der "Ärzte Zeitung".

Praktika bei Hausärzten könnten mobilisieren

Der Hauptgrund dafür sei ein eher "schlechter Ruf" der Allgemeinmedizin an der Klinik. "Es gilt an der Uni als uncool, Allgemeinmedizin zu machen", hieß es bei der Diskussion von den Stipendiaten.

Abhilfe könnte eventuell dadurch geschaffen werden, dass mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin bereit gestellt werden. Über diese Lehrstühle könnten dann Praktika bei Hausärzten organisiert werden, das könne auf Studenten durchaus prägend wirken, sagte Barbara Worst von der Universität in Heidelberg.

Als Protagonistin der Hausarztmedizin outete sich auch Stipendiatin Rebekka Murr von der Universität Mainz: In der Klinik werde der Mensch oft auf ein Organ reduziert. Sie habe es erlebt, dass im Krankenhaus "nebenbei" bei einem Patienten ein Diabetes entdeckt worden sei - der Hausarzt sei darüber allerdings nicht informiert worden. Allgemeinmediziner hätten einen ganz anderen Blick auf ihre Patienten.

Eine stärkere Verzahnung zwischen Klinik und Praxis forderte auch Dr. Burkhard Zwerenz, Landesvorsitzender des Hausärzteverbands in Rheinland-Pfalz und Beiratsmitglied bei Medical Excellence. Es sei wichtig, dass die Studenten lernten, die Fertigkeiten, die sie in der Klinik gelernt haben, "im wahren Leben" auch anwenden zu können.

Die meisten Beschwerden von Patienten gingen ohnehin von selbst wieder weg. Eine der Hauptaufgaben von Hausärzten sei es, die Fälle herauszufiltern, bei denen ärztliches Eingreifen und der Verweis auf die nächste Facharztebene wichtig sei. Ein System ohne Hausärzte werde kaum noch finanzierbar sein, so Zwerenz.

Doch wie gut sind Studenten nach dem Abschluss für das Berufsleben gerüstet? Wer viel Eigeninitiative zeige, der bekomme auch etwas beigebracht, sagte Leif Si-Hun Ludwig von der Charité in Berlin. Wer sich damit abfinde, nicht gefördert zu werden, der komme auch nicht weiter.

Den Blick aufs Gesamte in der Inneren Medizin vermisste Dr. Holger Lawall, Leitender Oberarzt Leiter Gefäßmedizin/Diabetologie an der Klinik Karlsbad-Langensteinbach. "Molekularbiologisch wissen die Studenten heute teilweise großartig viel", so Lawall weiter, aber teilweise falle es schwer, das Wissen einzuordnen und den Patienten am Ende wieder ganzheitlich zu sehen.

Der Ansatz der Uni Witten-Herdecke, Wissen schneller praktisch anzuwenden, wurde von den Studenten ebenso wie von den Ärzten in der Diskussion gelobt.

Deutlich wurde beim Assessment-Center für die Stipendiaten auch, dass der Bachelor im Medizinstudium unter Studenten keinen so schlechten Ruf hat. Voraussetzung wäre allerdings, dass dann klar definiert ist, was mit einem Bachelor im Gesundheitswesen anzufangen wäre. Nach dem ersten Abschluss, könnten Studenten, die weiter gehen wollen, sich dann auf ein Berufsleben in der Forschung oder als Arzt spezialisieren.

Nicht alle Ausbilder motivieren richtig

Ausbildung braucht aber auch Vorbilder, die nicht gleich davon abschrecken, den Beruf zu ergreifen. Das betonte Lucia Laugwitz von der Ludwig-Maximilian-Universität in München: "Was mir fehlt, sind Chef- und Oberärzte, die mir nicht gleich sagen, wie furchtbar das Gesundheitswesen ist, sondern erst mal erzählen, wo eigentlich die Motivation für sie liegt, dass sie den Arztberuf ergriffen haben."

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