Hirnleistungstests

Alzheimer-IGeL fallen bei Experten durch

Der IGeL-Monitor hat keine Studien gefunden, die einen Nutzen der Demenz-Früherkennung belegen.

Veröffentlicht: 05.12.2017, 14:35 Uhr

ESSEN. Gewohnt kritisch geht der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) in seiner Bewertungsreihe "IGeL-Monitor" mit Hirnleistungstests zur Demenz-Früherkennung ins Gericht: "Tendenziell negativ" lautet die jüngste Bewertung dieser Selbstzahlerleistung. Begründung: Wissenschaftliche Studien, die den Nutzen der Tests belegten, habe man nicht gefunden. Schäden durch die Tests seien jedoch durchaus möglich – exemplarisch ist von "unnötiger Beunruhigung und unnötigen Therapien" die Rede.

Nicht nur habe man keine Studien zum Nutzen der Früherkennung gefunden, heißt es. Vielmehr gebe es auch "gute Gründe anzunehmen, dass kein Nutzen zu erwarten ist". Man habe eine Übersichtsarbeit entdeckt, wonach die derzeit verfügbaren Arzneimittel in einer frühen Krankheitsphase nicht in der Lage seien, die geistigen, körperlichen und Verhaltens-Einschränkungen der Patienten aufzuhalten. "Folglich ist es unnötig, eine Demenz möglichst früh zu erkennen", schreibt der MDS.

In Deutschland leben den Angaben zufolge rund eine Million Menschen mit Demenz. Pro anno seien etwa 200.000 Neuerkrankungen zu registrieren. Hirnleistungs-Checks, die mit dem Versprechen angeboten würden, "bislang unbemerkte, frühe Anzeichen einer Demenz erkennen zu können", kosteten zwischen sieben und 21 Euro. Mit seinem Votum "tendenziell negativ" beansprucht der MDS, auch konsenskonform geurteilt zu haben. So spreche sich "die aktuelle ärztliche Leitlinie ‚Demenzen‘ gegen eine Untersuchung von Personen ohne Beschwerden oder Symptome aus, da es ‚zu einer hohen Anzahl falsch positiver Diagnosen bzw. Verdachtsdiagnosen kommen‘ würde". Zudem würden Schäden durch Verunsicherung oder medikamentöse Nebenwirkungen auch deshalb unnötig in Kauf genommen, weil sich "jede zweite frühe Demenz ohnehin nicht zu einer schweren Form weiter entwickelt".

Der Hirnleistungs-Check ist die bislang 46. IGeL, die der MDS bewerten ließ. Ein eindeutiges "positiv" wurde bislang nicht vergeben. (cw)

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