Praxisführung

Arzthelferinnen haben Angst vor Jobverlust

Zwei Drittel der Medizinischen Fachangestellten sehen ihren Arbeitsplatz in den Arztpraxen gefährdet. Und das nur, weil sie von den Chefs nicht über die Lage der Praxen informiert werden. Mit der Folge, dass sie sich ganz konkret umorientieren.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 25.01.2010, 14:45 Uhr
Arzthelferinnen haben Angst vor Jobverlust

In vielen Praxen eine Seltenheit: Teamgespräche, in denen die wirtschaftliche Situation der Praxis Thema ist. © Klaro

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KÖLN. Wenn Medizinische Fachangestellte (MFA) keinerlei Hinweise über die wirtschaftliche Situation der Praxis haben, in der sie arbeiten, kann sich das bitter rächen. Die Mitarbeiterinnen übertragen die vielen negativen Berichte, die es zurzeit über die Lage niedergelassener Ärzte gibt, auf ihr eigenes Arbeitsumfeld. Die Konsequenz: Sie machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, schauen sich nach einer neuen Stelle um und verbreiten schlechte Stimmung im Praxisteam.

"Wenn die Mitarbeiterinnen von Ihrem Chef oder Chefin keine Informationen über die Praxis bekommen, bilden sie sich ihre eigene Meinung, und die ist oft negativ gefärbt", sagt Praxisberater Klaus-Dieter Thill, Leiter des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS), der "Ärzte Zeitung". "Wenn man den Angestellten in der Praxis eine Perspektive geben will, muss man ihnen Anhaltspunkte darüber liefern, wie die Geschäfte laufen", sagt er.

Nach einer aktuellen Untersuchung des IFABS halten mehr als zwei Drittel von 920 befragten Medizinischen Fachangestellten in den Praxen niedergelassener Ärzte ihren Arbeitsplatz in den nächsten zwei Jahren für unsicher. Nur knapp zehn Prozent der Befragten konnten für ihre Einschätzung konkrete Anlässe wie entsprechende Aussagen der Praxisinhaber anführen. "Die übrigen Befragten stützen sich auf Vermutungen und Annahmen", so Thill.

Immerhin 28 Prozent der Medizinischen Fachangestellten suchen bereits nach einer neuen Arbeitsstelle. Viele von ihnen versuchten, in einem komplett anderen Bereich unterzukommen, berichtet er. Mitarbeiterinnen aus kleinen Praxen wollen auch in Großpraxen oder Medizinische Versorgungszentren wechseln. "Dort sind die Arbeitsplätze vermeintlich sicherer." 71 Prozent der Befragten gaben an, dass die Situation ihren Arbeitseinsatz deutlich negativ beeinflusst. Mit 47 Prozent klagen fast die Hälfte der Angestellten aufgrund der Gerüchte und Befürchtungen über eine schlechte Stimmung im Team. "23 Prozent wurden bereits aktiv von Patienten auf das schlechte Betriebsklima angesprochen."

Thill hält die Ergebnisse der Befragung aus Sicht der Niedergelassenen für äußerst kritisch. "Das Gefühl der Arbeitsplatzsicherheit ist eine zentrale Grundlage der Arbeitsproduktivität." Von der Einschätzung hänge nicht nur die Intensität der Arbeitsleistung, sondern auch die Qualität der Arbeit ab, insbesondere in Bezug auf die Patientenbetreuung. "Besonders gefährlich ist, dass sich die Angst einzelner Mitarbeiterinnen schnell auf ein ganzes Team überträgt und damit eine praxisübergreifende, destruktive Eigendynamik gewinnt", erläutert er.

Vielen Praxisinhabern seien die Sorgen ihrer Mitarbeiterinnen aber nicht bewusst. "In den meisten Arztpraxen wird immer noch viel zu wenig kommuniziert", sagt Thill. Er empfiehlt den Niedergelassenen, den Mitarbeiterinnen zumindest eine grobe Einschätzung der wirtschaftlichen Situation zu geben. "Am Ende des Jahres kann man gut ein Resümee ziehen und sagen, ob es ein gutes Jahr war oder nicht." Hilfreich seien auch Praxisbesprechungen und Mitarbeitergespräche, in denen wirtschaftliche Aspekte thematisiert werden können. Dabei hapere es aber in vielen Praxen. "Der strukturierte Austausch ist noch selten." Nur ein Drittel der Niedergelassenen führe regelmäßig Mitarbeitergespräche. Gerade dort könnten die MFA aber Fragen nach der Praxissituation stellen.

Die mangelnde Kommunikationskultur ist für Thill Ausdruck der nach wie vor in vielen Praxen vorhandenen Defizite im Praxismanagement. Das hat eine zweite Untersuchung gezeigt, in der das IFABS die Fragebögen analysiert hat, die 430 Medizinische Fachangestellte aus Hausarztpraxen ausgefüllt hatten. Danach wird nur in 16 Prozent der Praxen ein professionelles betriebswirtschaftliches Praxismanagement betrieben, berichtet der Berater.

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