mRNA-Vakzine

Bayer steigt in Corona-Impfstoffproduktion ein

Bayer kündigt den Aufbau einer mRNA-Wirkstoffproduktion in Wuppertal an. Erste Auslieferungen sollen jedoch erst ab 2022 erfolgen.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Bayer-Werk vor Schwebebahn, dem Markenzeichen Wuppertals schlechthin. Hier soll bis Jahresende eine mRNA-Wirkstoffproduktion entstehen.

Bayer-Werk vor Schwebebahn, dem Markenzeichen Wuppertals schlechthin. Hier soll bis Jahresende eine mRNA-Wirkstoffproduktion entstehen.

© Bayer AG

Berlin/Tübingen/Leverkusen. Passend zum heutigen Impfgipfel kündigt die heimische Pharmaindustrie eigene Anstrengungen zur Produktion eines mRNA-Imfstoffes gegen das Corona-Virus an: Der Traditionskonzern Bayer, der bisher keine eigenen Impfstoffe herstellt, will seine Entwicklungsallianz mit dem Tübinger Start-up CureVac nun auch um die Produktion erweitern und an seinem Standort Wuppertal eine Anlage für mRNA-Impfstoff aufbauen.

Bei einem virtuellen Pressetermin am Montagmorgen sagten sowohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet regulatorische Unterstützung zu; die behördlichen Genehmigungsprozesse auf Bundes- und Länderebene würden im Eiltempo vonstattengehen.

Laut Bayer-Pharmavorstand Stefan Oelrich könnte der Betrieb voraussichtlich Endes dieses, Anfang nächsten Jahres anlaufen und in 2022 rund 160 Millionen Dosen des mRNA-Impfstoffs von Kooperationspartner CureVac in Wuppertal gefertigt werden. Im zweiten Jahr sollen es dann „deutlich mehr sein“.

Demnächst erste Phase-3-Daten

Zu seiner eigenen Produktionsplanung erklärte CureVac-CEO Franz-Werner Haas am Montag, bis Ende dieses Jahres rund 300 Millionen Impfstoff-Dosen herstellen zu wollen. CureVac hat dazu ein Partnernetzwerk aufgebaut, zu dem das Münchener Chemieunternehmen Wacker, der französische Lohnhersteller Fareva sowie die auf rekombinante Auftragsproduktion spezialisierte Rentschler-Gruppe in Laupheim gehören. Rentschler stelle den mRNA-Wirkstoff her und übernehme auch dessen pharmazeutische Formulierung, heißt es. 2022 werde CureVac rund eine Milliarde Impfstoffdosen produziert werden können – noch nicht eingerechnet die Dosen, die dann zusätzlich von Bayer kommen.

CureVacs mRNA-Kandidat zur COVID-19-Prävention wird seit Dezember in einer zulassungsrelevanten klinischen Studie der Phase 2b/3 („HERALD“) in Europa und Lateinamerika geprüft, an der laut Haas rund 36.000 Probanden teilnehmen. Erste Daten aus einer Zwischenauswertung werden zum Ende des ersten Quartals 2021 erwartet.

Bundesgesundheitsminister Spahn betonte, man werde über den Sommer hinaus Corona-Impfstoff benötigen. Weder wisse man bisher, ob es künftiger Auffrischungsimpfungen bedarf, noch, inwieweit Impfstoffe den zu erwartenden Virusmutationen anzupassen seien. Spahn kündigte an, im Einvernehmen mit der EU-Kommission auch für 2022 schon Impfstoff vorbestellen zu wollen. Zudem werde sich Deutschland bei Bayer und CureVac „vertraglich Kapazitäten sichern“ – in welcher Größenordnung, sagte Spahn nicht. Der Bund war bereits im Juni vorigen Jahres mit 300 Millionen Euro bei CureVac eingestiegen. Im September erhielt das Unternehmen nochmal eine staatliche Finanzspritze über 252 Millionen Euro.

Spahn: „Keine Zwangslizenzen“

Spahn sieht den Einstieg Bayers in die mRNA-Wirkstoffproduktion aber nicht nur als Beitrag zu höherer Versorgungssicherheit, sondern auch als Signal für den Industriestandort. „Ich möchte, dass Deutschland der Standort für mRNA-Wirkstoffe in der Welt wird.“

Mit Blick auf den heutigen Impfgipfel ließ der Minister durchblicken, direkte Eingriffe in die industrielle Produktion nicht für erforderlich zu halten. „In einem Bereich, in dem Unternehmen kooperieren wollen, brauchen wir keine Zwangslizenzen.“ Unter anderen hatte am Wochenende Grünen-Chef Robert Habeck für eine „Notimpfstoffwirtschaft“ plädiert und der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, der CSU-Politiker Manfred Weber, als Maßnahme gegen Impfstoffknappheit sogar Zwangslizenzen ins Gespräch gebracht.

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