Krankenzimmer kühlen

Hausmittel statt Klima-High-Tech gegen Hitze in Kliniken

Extreme Wetterereignisse wie die aktuelle Hitzewelle mehren sich, aber längst sind nicht alle Kliniken dafür gerüstet. Klimaanlagen sind in kleineren Krankenhäusern meist wenigen Bereichen vorbehalten. Doch das Personal weiß sich zu helfen.

Von Birgit Fenzel Veröffentlicht: 13.08.2020, 14:40 Uhr
Knapp 40 Grad zeigte das Thermometer an. So heiß war es in Deutschland in den vergangenen Tagen  an vielen Stellen.

Knapp 40 Grad zeigte das Thermometer an vielen Stellen in Deutschland in den vergangenen Tagen im Schatten an. Für viele Kliniken sind solche Außentemperaturen ein Problem.

© K.-U. Häßler / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Die Klimatisierung bestimmter Bereiche, direkte Wärmeabführung bei Großgeräten, der Einsatz von Verschattungselementen in der Fassadengestaltung – solche Maßnahmen gehören bei modernen Klinikneubauten inzwischen zum Standard. Nicht aber bei den kleineren Krankenhäusern älteren Jahrgangs, von denen es einige vor allem in ländlichen Regionen gibt.

Die Folge: Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, kommen auch Patienten und das Klinikpersonal ins Schwitzen. „Speziell in den oberen Etagen können die die Temperaturen bis 34 Grad gehen“, hat beispielsweise Dr. Ralph Krolewski, Sprecher der AG Klimawandel und Gesundheit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), am Mittwoch im „ÄrzteTag“-Podcast berichtet. Krolewski bezieht sich dabei auf mehrere Kliniken im Kölner Raum, wo die Außentemperaturen in den vergangenen Tagen bis über 38 Grad gestiegen sind.

Höhere Temperaturen seien jedoch nicht nur riskant für besonders empfindliche Patientengruppen. Solche Temperaturen könnten für vulnerable Patientengruppen in der Klinik lebensgefährlich werden. Aber auch Medikamente müssten vor Temperaturen über 25 Grad geschützt werden, erinnert Krolewski.

Kleinere Kliniken nicht optimal ausgestattet

Auch in anderen Teilen Deutschlands trifft die Hitze Patienten und Personal in vielen Krankenhäusern. Die Kreisklinik in Bad Reichenhall ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein kleineres Haus in Bayern die Herausforderung durch die Hitze ohne Klima-High-Tech meistert.

Mit ihren 285 Betten ist die Kreisklinik ein Krankenhaus der Akutversorgung. Sie steht unter der Trägerschaft der Kliniken Südostbayern AG. Insgesamt verfügt sie über zwölf hochmodern ausgestattete Hauptabteilungen sowie vier Belegabteilungen. Klimaanlagen gibt es nach Auskunft der Pressesprecherin auch dort lediglich in den Funktionsbereichen, zum Beispiel OP-Sälen, Endoskopie, Ambulanz oder Intensivstation.

Hören Sie dazu

Statt High-Tech würden die Mitarbeiter auf bewährte Hausmittel setzen. „Also heißt es auch hier wie zu Hause: Morgens, abends und nachts lüften, wenn die Temperatur angenehm ist, am Tag die Fenster größtenteils geschlossen halten und den Sonnenschutz herunterlassen: Verdunklung bringt Kühlung“, sagt Evelyn Tauber.

Kühlgeräte und Ventilatoren sind aus Hygienegründen unmöglich

Zudem habe man auf den Stationen für alle Patienten und Mitarbeiter Getränke in genügender Menge zur Verfügung gestellt. Zusätzlich würden bei bettlägerigen oder älteren Patienten, die häufig das Trinken vergessen, die Getränke regelmäßig von Servicekräften und Pflegepersonal angeboten.

Darüber hinaus werde den Patienten wird auf Wunsch eine dünne Bettdecke zur Verfügung gestellt. Abkühlung biete auch der Garten mit seinen schattigen Sitzplätzen, den gehfähige Patienten nutzen dürften.

Den Wunsch nach Kühlgeräten fürs Krankenzimmer könnten die Mitarbeiter allerdings nicht erfüllen. „Der Einsatz mobiler Klima-Geräte ist aus Hygienegründen im Krankenhaus nicht möglich. Ebenso ist der zurzeit häufig nachgefragte Einsatz von Ventilatoren am Krankenbett nicht gestattet“, berichtet die Kliniksprecherin.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Carl Scherer

Da denk ich noch an meine Nieren-OP genau vor 2 Jahren im Lukaskrh.NE . 38° Celsius auf der urolog. Station mit
frischoperierten Patienten und Schmerzen, dazu nächtliches Schnarchen des durchweg älteren Klientels auf der
Männerstation. Herrlich ,werde ich niemals vergessen diese Woche,habs aber dank Morphium postoperativ überlebt.


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