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Hautnah erleben

Campus-Praxis soll Studenten Lust auf Hausarzttätigkeit machen

Erlebniswelt Allgemeinmedizin: Mit einer Campus-Praxis will die Allgemeinmedizin in Münster neue Wege in der Lehre gehen. Studenten sollen erfahren, wie hausärztliche Versorgung funktioniert. Doch das braucht Vorbereitung.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Die Campus-Praxis in Münster. Noch befindet sich das Projekt im Aufbau, doch die Verantwortlichen haben genaue Pläne, wie es weitergehen soll.

Die Campus-Praxis in Münster. Noch befindet sich das Projekt im Aufbau, doch die Verantwortlichen haben genaue Pläne, wie es weitergehen soll.

© UKM

KÖLN. Am Universitätsklinikum Münster (UKM) müssen die Studierenden künftig keine weiten Wege mehr in Kauf nehmen, um die Realität der hausärztlichen Versorgung kennenzulernen. In der Campus-Praxis der Klinik können sie den Praxis-Alltag miterleben und zum Teil vom Hörsaal aus am Geschehen teilhaben.

Die hausärztliche Campus-Praxis ist eine Filiale des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) der Uniklinik. Im Sommer hat das MVZ die Praxis von einer niedergelassenen Hausärztin übernommen. Sie arbeitet dort zurzeit auf einer halben Stelle als Angestellte weiter, geht aber bald in den Ruhestand.

Die zweite halbe Stelle hält ein Mitarbeiter des Centrums für Allgemeinmedizin am UKM.

Studenten Hausarztpraxis Nahe bringen

"Wir wollen die hausärztliche Versorgung in die unmittelbare Erlebniswelt der Studierenden holen", sagt Professor Peter Maisel. Leiter des Centrums, der "Ärzte Zeitung".

Das Ziel: Die Studierenden sollen erfahren, dass die Allgemeinmedizin genauso ein klinisches Fach ist und nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin arbeitet wie andere Fächer. "Die Allgemeinmedizin ist Teil der universitären Medizin", betont er.

Die Lehrenden der Allgemeinmedizin am UKM sind teilweise als niedergelassene Hausärzte tätig, die Praxen sind aber häufig vergleichsweise weit entfernt. Maisel selbst praktiziert im niedersächsischen Emsbüren. "Da ist es oft schwierig, die Studierenden in die Praxen mitzunehmen."

Als Alternative gab es bislang die Möglichkeit, mit Praxen in Münster zu kooperieren. Dort kenne man aber die Patienten nicht so gut. "Die Campus-Praxis ermöglicht es uns, bekannte und selbst versorgte Patienten in den Unterricht zu integrieren."

Studenten könnten Patienten auf dem Campus untersuchen

Außerdem werden die Praxisräume technisch so ausgestattet, dass Übertragungen direkt aus der Praxis in den Hörsaal möglich sind, etwa die Untersuchung von Patienten mit deren Einverständnis. Geplant ist, spezielle Lehrprojekte für Studierende anzubieten, die an der Allgemeinmedizin Interesse haben. "Es geht um die intensivere Einbindung der Patienten in die Lehre", erläutert Maisel.

Er verweist auf einen weiteren Vorteil der Uni-eigenen Praxis: Als Teil des Staatsexamens müssen die Kandidaten Patienten untersuchen und einen Bericht schreiben und werden später dazu geprüft.

Das läuft bislang in den Unikliniken oder in Lehrkrankenhäusern. "Es spricht überhaupt nichts dagegen, auch den ambulanten Bereich in die Prüfung einzubeziehen", sagt der Allgemeinmediziner. Dazu benötige man aber bestimmte Strukturen, die man in der Campus-Praxis schaffen kann.

Zudem bietet die Hausarzt-Praxis den in der Abteilung für Allgemeinmedizin tätigen angestellten Ärzten, die keine eigene Praxis haben, ein praktisches Betätigungsfeld. So können sie die Lehre und die kurative Versorgung verbinden.

Auch die Forschung kann in der Campus-Praxis eine Rolle spielen. Für die Pilotphase von Forschungsprojekten müssen die Allgemeinmediziner der Universität keine kooperierenden Praxen mehr suchen, sagt Maisel. Auch hier kommt künftig die eigene Praxis ins Spiel. "Das ist aber nicht unser primäres Ziel."

Praxen nicht als Konkurrenz

Den Initiatoren ist es mit dem Gesamtkonzept nicht nur gelungen, den Dekan und den Studiendekan der Medizinischen Fakultät sowie den Vorstandsvorsitzenden des UKM ins Boot zu holen, sondern auch die niedergelassenen Hausärzte in der Region.

"Wir haben deutlich gemacht, dass es nicht unser Ziel ist, mit der Praxis Geld zu verdienen, sondern dass es um die Lehre geht." Maisel hofft, dass es langfristig gelingt, in der Campus-Praxis gemeinsame Fallkonferenzen mit den Kollegen zu etablieren, an denen auch die Studierenden teilnehmen können.

Künftig werden sich zwei Hausärztinnen den Sitz teilen. Wenn der Übergang organisiert ist und sich die Patienten an die neue Konstellation gewöhnt haben, sollen im nächsten Jahr die Studierenden dazukommen, sagt Maisel. Dann werde sich auch zeigen, inwieweit die Hausärztinnen neben der Patientenversorgung auch in der Lehre tätig sein können.

Auf Entwicklung gespannt

Der Allgemeinmediziner ist von den Vorteilen des Konzepts überzeugt, auch wenn es für die Lehrenden wahrscheinlich mit einer zusätzlichen Belastung verbunden sein wird. "Wir sind sehr gespannt, wie sich alles entwickelt."

Zurzeit liegt die Campus-Praxis rund zwei Kilometer vom UKM-Gelände entfernt. Langfristiges Ziel ist es, die Räume direkt auf den Campus zu holen. "Dafür veranschlagen wir einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren", berichtet Evelyn Reinke, Leiterin der Abteilung Ambulanzmanagement des MVZ.

Die KV Westfalen-Lippe (KVWL) hat das Projekt begleitet und unterstützt, nicht zuletzt durch die Zulassung der Hausarztpraxis als Filiale des MVZ. "Es macht Sinn, die hausärztliche Ausbildung an der Universitätsklinik zu verstärken", sagt Ansgar von der Osten, Leiter des Geschäftsbereichs Zulassung und Sicherstellung bei der KVWL. "Dazu ist die Campus-Praxis ein geeignetes Mittel."

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