Büsum

Das kommunale Ärztehaus als Mustervorlage

Der Notnagel könnte zur Blaupause werden: In Schleswig-Holstein erfährt das Ärztehaus der Gemeinde Büsum Unterstützung von der Landesregierung. Patienten haben das neue Zentrum angenommen.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Besuch bei der kommunalen Eigeneinrichtung in Büsum: Thomas Rampoldt (Ärztegenossenschaft Nord) , Hans Jürgen Lütje (Bürgermeister Büsum), Bianca Hartz (KVSH), Gesundheitsministerin Kristin Alheit (von links).

Besuch bei der kommunalen Eigeneinrichtung in Büsum: Thomas Rampoldt (Ärztegenossenschaft Nord) , Hans Jürgen Lütje (Bürgermeister Büsum), Bianca Hartz (KVSH), Gesundheitsministerin Kristin Alheit (von links).

© Dirk Schnack

BÜSUM. Die bundesweit bislang einzige kommunale Eigeneinrichtung in Büsum bekommt politischen Rückenwind. Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) hält das Modell für geeignet, um auch an anderen Standorten einem drohenden Hausärztemangel entgegenzuwirken.

"Keiner muss dieses Modell eins zu eins übernehmen. Aber das Grundmodell könnte auch an anderen Standorten helfen", sagte Alheit am Rande eines Besuchs im Ärztezentrum im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Die Ministerin lobte die Bereitschaft der Büsumer Ärzte, ihre Zulassungen nach Jahrzehnten in eigener Niederlassung in die kommunale Einrichtung einzubringen, dort angestellt weiter zu arbeiten und damit einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in dem Badeort an der Nordsee zu leisten.

Sie sprach von einem Gewinn für alle Beteiligten und einer "intelligenten Zusammenarbeit".

Prekäre Situation für die Gemeinde

Im vergangenen Jahr standen vier der fünf in Büsum niedergelassenen Ärzte kurz vor dem Ruhestand ohne Aussicht auf Nachfolger - eine prekäre Situation für die Gemeinde, die ein Großteil ihrer Einnahmen dem Tourismus verdankt.

Sie entschloss sich daraufhin zur Gründung der kommunalen Eigeneinrichtung, womit sie auch das wirtschaftliche Risiko des Praxisbetriebs trägt. Die Ärztegenossenschaft Nord begleitete die Zusammenführung der Ärzte und führt als Dienstleister der Kommune die Geschäfte des Ärztezentrums.

Fast ein Jahr nach dem Start zeichnet sich nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Rampoldt ab, dass das Zentrum trotz umfangreicher und bis heute nicht abgeschlossener Umbauarbeiten profitabel arbeitet.

Die für das erste Geschäftsjahr angestrebte schwarze Null ist in erreichbarer Nähe, auch weil die früheren Budgets der vier niedergelassenen Ärzte weiterhin voll ausgeschöpft werden - die Patienten nehmen das Zentrum also an und die angestellten Ärzte arbeiten mit vergleichbarer Intensität.

Weitere Eigeneinrichtungen möglich

Von den vier zuvor niedergelassenen Ärzten ist der erste inzwischen ausgeschieden, für ihn sind zwei Ärztinnen in Teilzeit hinzugekommen. Außerdem arbeitet ein Weiterbildungsassistent in dem derzeit sechsköpfigen Ärzteteam. Rampoldt zeigt sich optimistisch, dass auch für die weiteren Ärzte Nachfolger gefunden werden.

Dass sich weitere Kommunen für die Errichtung von Eigeneinrichtungen entscheiden, ist nicht ausgeschlossen. Derzeit gibt es in Schleswig-Holstein in drei Regionen entsprechende Überlegungen.

Die Genossenschaft steigt demnächst in Gespräche mit den kommunalen Entscheidungsträgern ein. Die dort niedergelassenen Ärzte müssen nicht befürchten, dass solche Einrichtungen gegen ihren Willen entstehen.

"Die KV muss ihr Einverständnis geben und das wird sie nicht gegen den Willen der Ärzte tun", betonte Bianca Hartz von der KV Schleswig-Holstein in Büsum.

Wo aber kommunale Eigeneinrichtungen gewünscht sind, unterstützt die Körperschaft dies unter Umständen auch finanziell. Hartz betonte, dass die KV insbesondere kommunale Zusammenschlüsse begrüßen würde.

KV und Ärztegenossenschaft erhoffen sich von dem Modell neben der Versorgungssicherung auch einen Anreiz für junge Ärzte, in die ambulante Versorgung zu wechseln. Später könnten sich diese immer noch selbstständig machen.

Für die frisch in Büsum angestellte Ärztin Kerstin Weiser-Hagelstein überzeugte das Konzept wegen der Teamarbeit, der Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten und kein wirtschaftliches Risiko tragen zu müssen.

"Wirtschaftliche Verantwortung möchte in meiner derzeitigen Situation nicht übernehmen", sagte die 38-jährige dreifache Mutter. Eine spätere Selbstständigkeit schloss sie nicht aus. Auch das wäre in ihrer derzeitigen Einrichtung möglich.

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