BVMed

Datenbank soll in Krisen Medizinprodukte-Versorgung gewährleisten

Um Lieferengpässe bei versorgungskritischen Medizinprodukten in künftigen Krisensituationen in Deutschland zu vermeiden, will der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) eine digitale Bestandsplattform ins Leben rufen.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Wer bekommt welche Medizinprodukte? Eine digitale Bestandsplattform versorgungskritischer Medizinprodukte soll Engpässe in künftigen Krisen- oder Pandemiesituationen vermeiden helfen, verspricht der Bundesverband Medizintechnologie.

Wer bekommt welche Medizinprodukte? Eine digitale Bestandsplattform versorgungskritischer Medizinprodukte soll Engpässe in künftigen Krisen- oder Pandemiesituationen vermeiden helfen, verspricht der Bundesverband Medizintechnologie.

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Berlin. Die gegenwärtige Coronavirus-Pandemie hat nicht nur in Deutschland Schwachstellen bei der Versorgung mit Medizinprodukten und Pharmazeutika zur Intensivbehandlung offengelegt.

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) schlägt zur Vermeidung von Lieferengpässen bei künftigen Krisensituationen in Deutschland eine „Digitale Bestandsplattform Versorgungskritischer Medizinprodukte“ vor.

„Die Medizinprodukte-Industrie steht für smarte Lösungen bereit, um die Verteilung versorgungskritischer Medizinprodukte in Krisensituationen besser über eine Bestandsdatenbank mit offenen GS1-Schnittstellen zu organisieren“, sagte der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan, Vorstand bei B. Braun, auf der digitalen Jahres-Pressekonferenz des deutschen MedTech-Verbandes am Donnerstag in Berlin.

Lieferengpässe durch digitale Plattform vermeiden

Der BVMed-Vorschlag bezieht sich auf die vom Bundesgesundheitsministerium geplante „Nationale Reserve Gesundheitsschutz“. „Hier muss unbedingt die logistische Expertise der MedTech-Branche eingebunden werden“, fordert Lugan.

Wie Lugan in Erinnerung ruft, kam es zu Beginn der Corona-Krise zu einer Nachfrage-Explosion für einige Medizinprodukte und Pharmazeutika zur Intensivbehandlung. Spontane und multiple Bestellungen führten dann zu Lieferengpässen. Zudem sei es zu einer Kettenreaktion durch „protektionistische“ Aktivitäten einiger Staaten gekommen.

Lugans Einschätzung: „Für über 80 Prozent aller kritischen Produkte gibt es keinen Mangel, sondern ein Verteilungsproblem. Hier wäre eine digitale Bestandsplattform versorgungskritischer Medizinprodukte eine gute Lösung“.

Gespräche mit BMG laufen

Erste Gespräche mit dem Bundesgesundheitsministerium haben bereits stattgefunden. Derzeit organisiere der BVMed eine Industrieallianz aus den Bereichen Medizintechnik und Pharma. An Bord seien bereits der Branchenverband Spectaris und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Den Weg zur digitalen Bestandsplattform skizziert Lugan wie folgt:

  • Definition kritischer Arznei- und Medizinprodukte;
  • Ermittlung von Produkten/ Rohmaterialien mit fehlender EU-Produktionskapazität;
  • Nutzung eines einheitlichen global eingeführten Produktidentifikationsstandards und Klassifikationsstandards;
  • Festlegung der Teilnehmer an der Bestandsplattform und Zugänglichkeit;
  • Aufsetzen eines Pilotprojektes sowie
  • Strategie zur Vermeidung von außereuropäischen Abhängigkeiten.

Lugan fordert, die Industrie-Expertise bei den Maßnahmen zur Überwindung der COVID-19-Pandemie stärker einzubinden. Er verweist darauf, dass die industrielle Gesundheitswirtschaft (IGW) ein für Deutschland enorm wichtiger Wirtschaftszweig sei. „Die IGW steht für rund 85 Milliarden Euro Wertschöpfung, ein Exportvolumen von 120 Milliarden Euro und über 1 Million Arbeitsplätze“, so Lugan.

Die Medizinprodukte-Industrie sei ein bedeutender Teil der Gesundheitswirtschaft. Die MedTech-Branche beschäftige in Deutschland über 215.000 Menschen, sei stark mittelständisch geprägt und investiere neun Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

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