Gesundheitsportale

Datenweitergabe über Suchanfragen?

Es ist ein schwerer Vorwurf: Webseiten mit Informationen zu psychischen Erkrankungen sollen Nutzungsdaten ungefragt an Dritte weitergegeben haben.

Veröffentlicht: 04.09.2019, 16:48 Uhr

LONDON. Wer sich im Internet nach psychischen Erkrankungen erkundigt, setzt sich offenbar der Gefahr ungewollter Weitergabe von Daten über sein Nutzungsverhalten aus.

Eine Studie der in London ansässigen Nichtregierungsorganisation Privacy International hat insgesamt 136 bekannte Webseiten mit Informationen zu psychischen Erkrankungen untersucht, 44 davon in Deutschland.

Das Ergebnis: Internetnutzern sei es nahezu unmöglich, Informationen zu psychischen Erkrankungen zu suchen oder etwa einen „Depressionstest“ durchzuführen, ohne dabei getrackt zu werden.

Zustimmung oft nicht abgefragt?

Eine Zustimmung zur Datenübertragung wird der Studie zufolge in vielen Fällen nicht abgefragt. Bei vielen Webseiten wird demnach einfach vorausgesetzt, dass sich die Nutzer mit dem Abruf der Webseiten auch mit der Übertragung von Nutzungsdaten an Dritte einverstanden erklären.

Weiter heißt es, fast zwei Drittel (61 Prozent) der deutschsprachigen Gesundheits-Webseiten enthielten sogenannte Werbe-Tracker, die es ermöglichen, Informationen über Internet-Suchen zu vermeintlichen Erkrankungen zu speichern.

Rund 27 Prozent der in Deutschland untersuchten Webseiten gäben die Informationen an Social-Media-Kanäle weiter. Anhand der Informationen werde ohnehin labilen Menschen personalisierte Werbung angezeigt, so Privacy International in seiner Studie.

Auch deutsche Webseiten im Fokus

Zu den analysierten deutschen Seiten gehörten unter anderem der Webauftritt des Kundenmagazins „Apotheken-Umschau“, der Deutschen Depressionshilfe und www.netdoktor.de. Bislang äußerte sich auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“ niemand der Genannten zu den Studienergebnissen.

Zuvor berichteten „NDR“ und „Süddeutsche Zeitung“ über die Datenweitergaben der Gesundheitsportale. Demnach habe der Verlag der „Apotheken-Umschau“ bereits auf die Vorwürfe reagiert und „vorsorglich entschieden, die Werbung von seiner Webseite zu nehmen und damit auch alle Werbetracking-Tools zu entfernen“.

Netdoktor erklärte laut „SZ“, dass keine gesundheitsbezogenen Daten gespeichert würden und entsprechende Daten auch nicht weitergegeben oder gar veräußert würden. (mu)

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