Deutscher Telemedizin-Atlas verschafft Überblick

KÖLN (iss). In mindestens 67 Projekten wurde und wird in Deutschland der Einsatz der Telemedizin in der Kardiologie erprobt. Im Pflegebereich sind 45 telemedizinische Projekte bekannt, in der Neurologie 22 und in der Notfallmedizin 20. Das zeigt die neue Landkarte Telemedizin, die das Institut Arbeit und Technik (IAT) an der Fachhochschule Gelsenkirchen veröffentlicht hat.

Veröffentlicht:

Die größte Zielgruppe bei telemedizinischen Anwendungen sind chronisch Erkrankte. Per Fernüberwachung werden am häufigsten Blutdruck, EKG und Körpergewicht kontrolliert.

In der Landkarte haben die IAT-Mitarbeiter aus über 100 Städten und Kommunen mehr als 240 Projekte erfasst. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Anwendungsgebieten der Telemedizin und des sogenannten Ambient Assistent Living (AAL), also der Ausstattung von Wohnungen mit technischen Assistenzsystemen. Die Landkarte ist Teil des vom Bundesforschungsministerium geförderten Verbundprojekts E-Health@Home.

"Wir wollen aufzeigen, was in Sachen Telemedizin bereits alles läuft und welche Anwendungsmöglichkeiten es gibt", sagt Dr. Josef Hilbert, Geschäftsführender Direktor des IAT, zur "Ärzte Zeitung". Die Zusammenstellung zeige, dass Deutschland bei Forschung und Entwicklung in diesem Gebiet gut aufgestellt sei.

Auf der Landkarte sehen Interessierte, welche Projekte es in den einzelnen Bundesländern gibt und können Informationen über sie abrufen. Dazu gehören neben einer Kurzbeschreibung ökonomische und technische Kriterien sowie die einbezogenen Leistungsbereiche.

In einem nächsten Schritt will das IAT die Modelle herausfiltern, die sich bewährt haben und die nachweislich zu mehr Wirtschaftlichkeit in der Patientenversorgung geführt haben.

Auch die Erfahrungen aus den gescheiterten Modellen wollen die Wissenschaftler auswerten, damit die nächsten Anwender die dort gemachten Fehler vermeiden können.

Überhaupt ist es ein Ziel der Telematik-Landkarte, Interessierte und Anwender miteinander in Kontakt zu bringen und einen Austausch anzuregen. "Wir wollen für alle an der Telematik Beteiligten ein Forum schaffen und erreichen, dass sie voneinander lernen", sagt Wolfgang Paulus, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim IAT.

Kommunikationsprobleme sind nach Einschätzung von Hilbert ein Grund für die schwierige Umsetzung der Telemedizin in der Breite. Sie lebe vom Zusammenwirken mehrerer unterschiedlicher Akteure wie Ärzte, Pfleger und Sozialarbeiter.

Diese redeten aber in der Praxis häufig in unterschiedlichen Sprachen, die Kooperation gestalte sich schwierig. "Wir beherrschen das Netzwerk-Management nicht richtig", sagt er.

Eine ganze Reihe von Pilotprojekten hätten inzwischen gezeigt, dass durch den Einsatz der Telemedizin eine bessere medizinische Versorgung erreicht werden kann. "Aber der Brückenschlag zur Praxis erfolgt immer noch stotternd", sagt Hilbert. Die neue Landkarte soll unter anderem dazu beitragen, hier Abhilfe zu schaffen.

www.iat.eu/ehealth/index.php

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Digitale Gesundheitsanwendungen

Regulierungen machen es den DiGA schwer

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. Tino Großmann, Senior Vice President Connectivity bei der CompuGroup Medical

© CGM

„ÄrzteTag extra“-Podcast

„Die eAU wird der entscheidende Meilenstein sein“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: CompuGroup Medical
Videosprechstunden bieten Ärzten und Patienten mehr Flexibilität.

© KRY

Videosprechstunde

Mit Telemedizin zu neuen Patienten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: DMS Digital Medical Supply Germany GmbH
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Flüssigbiopsie im Test

Pankreaskrebs: Früherkennung in Sicht?

Lesetipps
Virtuelle Checkboxen

© chinnarach / stock.adobe.com

Praxisführung

So profitieren Praxisteams von Qualitätsmanagement