Telemedizin

Die Patientendaten fliegen schneller als der Helikopter

Die richtigen Patientendaten zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort - das soll die Zukunft der Medizin sein. Gezeigt wird sie in Halle 8 bei der CeBIT.

Von Hauke Gerlof Veröffentlicht: 04.03.2010, 05:00 Uhr
Die Patientendaten fliegen schneller als der Helikopter

Die Fernüberwachung der Vitaldaten wird bei der CeBIT vorgeführt. Hier der Stand von Connected Living. © dpa

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Groß und gelb - so steht der ADAC-Rettungshubschrauber bei der CeBIT mitten in der TeleHealth-Halle 8. "ADAC Luftrettung - Christoph SIM" steht auf der Seite des Helikopters geschrieben. Im Innenraum ist viel Technik installiert, die hilft, Leben zu retten. Der Hubschrauber, sonst beim ADAC zu Trainingszwecken für Rettungssanitäter und -ärzte genutzt, steht im Zentrum der FutureCare, einer Sonderschau auf der TeleHealth. Sie ist vom Anbieterverband BITKOM ins Leben gerufen worden.

"Sie sehen hier, wie es mit Hilfe von Vernetzung möglich ist, in der Behandlung von Patienten immer die richtigen Daten zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben", erläutert Lutz Reum Besuchern auf einer Führung. Reum hat die FutureCare als Projektleiter organisiert und zeigt jetzt den CeBIT-Besuchern, wie mit Hilfe von Telemedizin die Daten ins Fliegen kommen. Denn der Helikopter bleibt natürlich am Boden.

Die Informationen im Flug können lebensrettend sein

Die Patientendaten fliegen schneller als der Helikopter

Im Zentrum der FutureCare in Halle 8 steht der telemedizinisch vernetzte Rettungshubschrauber des ADAC. © ger

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Das Szenario für den Einsatz im Notfall sieht so aus, dass die Sanitäter während des Fluges über die elektronische Gesundheitskarte die Notfalldaten des Patienten erhalten. Schon im Flug geben sie per Mobilfunk die Vitaldaten des Schwerverletzten an das Krankenhaus weiter, so dass sich die Ärzte dort gut auf den Noteinsatz vorbereiten können. Ist der Patient im Krankenhaus bekannt, ist es zusätzlich möglich, Daten aus dem Krankenhaus in den Hubschrauber zu übertragen, um schon dort eine fundierte Vorbehandlung zu leisten. Gerade bei Flügen, die ein paar Minuten länger dauern, können solche Informationen lebensrettend sein.

Die Luftrettung ist nur eines von mehreren Szenarien, die sich Besucher der FutureCare in Halle 8 noch bis Samstag anschauen können. Dargestellt wird die ganze Breite der Versorgung, von der Sekundär- und Tertiärprävention über das telemedizinische Service-Center bis zur Arztpraxis und Apotheke, vom Rettungsdienst bis ins Krankenhaus, das intern zwischen allen Abteilungen ebenso vernetzt ist wie mit den Zuweisern.

In der Realität stehen häufig noch Hürden wie fehlende Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Programmen vor einer wirklich reibungslosen sektorübergreifenden Versorgung. Für die FutureCare haben sich die beteiligten Unternehmen ins Zeug gelegt, und versucht die Hürden zwischen den Programmen zu überwinden.

Beim Einsatz der neuen Technik geht es allerdings nicht nur um die medizinische Vernetzung. Auch Verwaltungsabläufe können auf diese Weise effizienter gestaltet werden. So wird auf der FutureCare zum Beispiel gezeigt, wie bei der Patientenaufnahme in größeren Praxen, MVZ oder im Krankenhaus mit Hilfe eines E- Kiosks, der in die vorhandene EDV-Landschaft integrierbar ist, die Abläufe möglicherweise gestrafft werden können.

Die gefühlte Wartezeit verkürzt sich für Patienten

Die Patientendaten fliegen schneller als der Helikopter

Mit E-Kiosken am Empfang können Kliniken und große Arztpraxen den Verwaltungsaufwand reduzieren. © ger

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Der Patient führt seine Chipkarte in das Gerät ein - später wird das dann die Gesundheitskarte sein, das Gerät ist darauf vorbereitet. Im Kiosk werden die Stammdaten erfasst, weitere Daten werden abgefragt, die direkt am Bildschirm eingetragen werden können, und dann bekommt der Patient eine Nummer, über die er dann aufgerufen wird. "Der Patient braucht am Terminal vier bis sieben Minuten für die Anmeldung", erläutert Lars Kliefoth vom Unternehmen NCR beim Rundgang. Der Vorteil: Für den Patienten verkürze sich so die gefühlte Wartezeit, und bei der anschließenden Patientenaufnahme hätten die Angestellten mehr Zeit, individuell auf den Patienten einzugehen, weil ein Großteil der Daten schon erfasst sind. Eine Evaluation dazu, wie viel Zeit durch den Einsatz des E-Kiosks tatsächlich eingespart werden kann, läuft derzeit im Klinikum Ingolstadt.

Die CeBIT hat noch bis Samstag, 6. März, geöffnet. Leser, die die Computermesse besuchen wollen, können kostenlose E-Tickets bei der "Ärzte Zeitung" im Internet buchen: www.aerztezeitung.de (Kasten TeleHealth/CeBIT). Regulär kosten Eintrittskarten an der Tageskasse 38 Euro.

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