Immunitätsnachweis

Digitales Corona-Zertifikat in der Probe

Auf Bundesebene liegen die Pläne für einen Immunitätspass noch auf Eis. Eine Kölner Initiative hat indes bereits eine vergleichbare Idee realisiert: das digitale Corona-Gesundheitszertifikat.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 14.05.2020, 15:17 Uhr

Köln. Während die Einführung eines Immunitätsausweises für SARS-CoV-2 im Kabinett erst einmal vom Tisch ist, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aber grundsätzlich an seiner Idee festhält, arbeitet eine Kölner Initiative bereits an der konkreten Umsetzung eines „digitalen Corona-Gesundheitszertifikats“. Dabei handelt es sich um ein Blockchain-basiertes System, das alle relevanten Informationen sammelt und den Nutzer ab der Anmeldung zum Test begleitet.

„Im Prinzip digitalisieren wir die Corona-Meldeverordnung“, sagt Ines Manegold, Geschäftsführerin von Digital Health Germany, der „Ärzte Zeitung“. Der in Köln ansässige Verein ist einer der Initiatoren des Zertifikats und koordiniert das Projekt. Zu den Partnern gehören die Universitätsklinik Köln, die Unternehmen Ubirch, Healex und m.Doc, die Bundesdruckerei und Govdigital, ein Zusammenschluss von zehn IT-Dienstleistern aus dem öffentlichen Sektor.

Alle Schritte digital dokumentiert

Das Konsortium hat nach eigenen Angaben eine Lösung entwickelt, „die eine verifizierbare Kette von der Bereitstellung einer medizinischen Probe, ihrer Handhabung in Kliniken und anderen Einrichtungen über den Prozess automatisierter Labortests bis hin zur Vorlage bei den anfordernden Behörden oder anderen Stellen schafft“. Ein von COVID-19 genesener Patient könnte das also anhand des Zertifikats künftig nachweisen.

Der erste Teil dieser Kette ist bereits in der Kölner Uniklinik im Einsatz. Über ein Webtool sind die Prozesse von der Anmeldung von Personen für den Test auf SARS-CoV-2 über die Anamnese bis hin zur Begleitung von positiv Getesteten digitalisiert. Das Tool ermöglicht den Nutzern unter anderem das Führen eines COVID-19-Tagebuchs.

Für das „digitale Corona Gesundheitszertifikat“ wird die Palette der Anwendungen Schritt für Schritt erweitert, berichtet Manegold. So wird jetzt neben dem Labor der Kölner Uniklinik auch das Kölner Labor Dr. Wisplinghoff angebunden. Ziel ist es, auch den niedergelassenen Praxen den Zugang zu der IT-Lösung zu ermöglichen. Sie wird zunächst in einer Kölner Praxis erprobt. „Es ist uns wichtig, die niedergelassenen Ärzte mit ins Boot zu holen“, sagt sie.

Datenhoheit liegt beim Nutzer

Die verwendeten Daten sind pseudonymisiert. Die Verwendung der Blockchain-Technologie sorgt dafür, dass die Daten nicht im Nachhinein verändert werden können. Jeder einzelne Prozessschritt bleibt nachvollziehbar. Eine große Missbrauchsgefahr sieht Manegold deshalb nicht. Die von Minister Spahn angestoßene Stellungnahme des Ethikrates zum Corona-Immunitätsausweis werde zu Chancen und Risiken sicher wichtige Erkenntnisse liefern. Die Nutzer werden für die Akzeptanz des Zertifikats sorgen, erwartet sie.

Entscheidend ist für Manegold, dass die Datenhoheit immer beim Nutzer liegt. Nach ihren Angaben ist die Entwicklung des Zertifikats völlig unabhängig von der Initiative Spahns. Die Anwendungsmöglichkeiten seien zudem nicht auf COVID-19 beschränkt. „Das Potenzial geht deutlich darüber hinaus.“

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