Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar zum E-Impfpass

Doppelstrukturen der Digitalisierung

Die Entwicklung des digitalen Impfzertifikats in Deutschland hängt hinter der politischen Einigung hinterher. Der Verspätungszuschlag, der zu zahlen sein wird, zeigt, wo es hierzulande hakt.

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:

Hätte, hätte, Fahrradkette – es ist stets müßig zu lamentieren, wie es sein könnte, wenn, ja wenn nur alles anders wäre. Der europäische Impfnachweis, wie er jetzt in Brüssel beschlossen wurde, ist auch so ein Fall. Wieder einmal zeigt sich, welche Möglichkeiten Deutschland einbüßt, nur weil die Digitalisierung noch nicht so weit entwickelt ist wie in anderen europäischen Ländern.

Während etwa in Schweden nur der Schalter umgelegt werden muss, um bereits vorhandene Daten für das Impfzertifikat nach Brüssel zu leiten, müssen hierzulande Programmierer Heldentaten vollbringen, um das Zertifikat mit möglichst geringer Verspätung den reisefreudigen Bürgern zur Verfügung zu stellen. Und eine mit Standardschnittstellen an die Praxis-EDV angebundene Lösung wird wohl trotzdem nicht dabei herauskommen – kein Wunder, dass die Hausärzte aufschreien, wenn sie auch noch die digitalen Impfzertifikate ausstellen sollen.

Lesen sie auch

Dabei ist das MIO („Medizinische Informationsobjekt“) elektronischer Impfpass für die E-Patientenakte mit Anbindung an die Praxis-EDV längst in Arbeit und soll Anfang kommenden Jahres fertig sein. Wäre Deutschland schon weiter mit seiner ePA, gäbe es auch kein Problem mit dem Impfzertifikat. Krankenkassen, die Doppeluntersuchungen bei Versicherten aufdecken, monieren unwirtschaftliches Verhalten der Leistungserbringer. Die Entwicklung der E-Impfnachweise ist ein klarer Fall von Doppelentwicklung – politische Kosten einer hausgemachten Verspätung.

Diejenigen, die schon im Juni in Urlaub fahren wollen, haben immerhin den gelben Papier-Impfpass, der ebenfalls international anerkannt wird. Aber es wäre schön, wenn wir im Konzert der europäischen Nachbarn nicht nur im Konjunktiv II sprechen müssten, sobald es um digitale Anwendungen geht – das ist bekanntlich der Irrealis.

Schreiben Sie dem Autor: hauke.gerlof@springer.com

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Unternehmen

US-Konzern NVIDIA beteiligt sich an Doctolib

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie können Ärzte Einsamkeit erkennen und ansprechen, Professor Adli?

Lesetipps
Ausgestreckte Hand gegenüber einer Impfspritze.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Lipoprotein(a)-Partikel

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Cholesterin

Intensive LDL-Senkung bei hohem Lp(a): Warum das schwierig werden kann