„Europäische Charta der Robotik“

EU-Robotik: Der Mensch bleibt am Steuer

Die europäische Robotikindustrie verpflichtet sich dem „Human-in-Command-Ansatz“. Der Mensch behält somit die Oberhand bei der Arbeit mit kollaborativen Robotiklösungen – zum Beispiel in der Medizin.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Kollaboratives Arbeiten mit dem Menschen hat sich die europäische Robotikindustrie für ihre Lösungen auf die Fahne geschrieben.

Kollaboratives Arbeiten mit dem Menschen hat sich die europäische Robotikindustrie für ihre Lösungen auf die Fahne geschrieben.

© Alexander Limbach / stock.adobe.com

Brüssel. Es ist ein klares Bekenntnis zu menschenfreundlichen und gesundheitsfördernden, kollaborativen Robotern: EUnited Robotics, der Fachbereich Robotik des europäischen Maschinenbau-Verbandes (European Engineering Industries Association), hat am Donnerstag seine „Europäische Charta der Robotik“ veröffentlicht. Darin verpflichtet sich die Branche – ganz im Sinne der bereits in Kraft getretenen deutschen und der noch kommenden EU-KI-Strategie – ausschließlich auf kollaborative zu setzen, bei denen der Mensch die Oberhand behält über eine Entscheidung, was wie getan werden soll.

Die Branche spricht hier von einem „Human-in-Command-Ansatz“. Dies ist insbesondere im Hinblick auf Medizinroboter, die in der Charta explizit genannt werden wichtig. So sollen, das ist in der Bundesrepublik Konsens, Roboter Operateure zwar mittels KI-basierter Auswertung von Patientendaten und dem Abgleich mit der weltweiten Literatur eine Op-Strategie und Therapieoptionen vorschlagen; die Wahl soll aber immer der Arzt treffen.

Ohne Regulierung geht es nicht

Die europäische Robotikindustrie gibt in der Charta auch ein klares Bekenntnis zu der 2015 in New York von der UN-Vollversammlung verabschiedeten „2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung“ ab, die insgesamt 17 Ziele formuliert hat. Nachhaltigkeits-Ziel Nummer drei adressiert die Gesundheit der Menschen weltweit.

Die europäische Charta stellt ausdrücklich den Menschen und dessen Gesunderhaltung im Arbeitskontext in den Mittelpunkt – die Arbeitsmediziner in Deutschland haben sich auf diesen neuen Tätigkeitsbereich bereits eingestellt. So sollen Roboter den Arbeitnehmern repetitive Arbeiten abnehmen, die wegen der Monotonie nicht zumutbar sind – Mitarbeiter sollen wie Menschen und nicht wie Maschinen arbeiten.

Die Belegschaften sollen durch den strategischen Einsatz der Robotiklösungen im Arbeitsumfeld länger und vor allem gesünder im Job gehalten werden als dies bisweilen in verschiedenen Branchen der Fall war. Vorreiter ist hier unter anderem die Autoindustrie, die in der Produktion stellenweise bereits Exoskelette einsetzt, um Beschäftigte bei Hebe- und Tragearbeiten zu entlasten.

Die Industrie darf bei der Robotik aber nicht alleine im luftleeren Raum agieren, mahnt Sir Christopher Pissarides, Co-Chair des Institute for the Future of Work (IFOW) in London. „Die zunehmend automatisierte und datengesteuerte Wirtschaft erfordert Veränderungen in der Arbeitswelt, die von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und nationalen Regierungen gestaltet werden müssen“, so Pissarides. „Die Industrie kann zu dieser Entwicklung beitragen, indem sie sicherstellt, dass ihre Arbeitnehmer mit den Fähigkeiten und dem Wissen ausgestattet sind, um in der neuen Wirtschaft erfolgreich zu sein“, ergänzt er.

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