Bertelsmann-Studie

Corona treibt KI in der Gesundheit voran

Die Corona-Pandemie lässt in der Bevölkerung die Akzeptanz für Künstliche Intelligenz und darauf basierender Lösungen steigen – vor allem im Gesundheitssektor, sind sich die Autoren einer Studie sicher.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 23.06.2020, 19:01 Uhr
Corona treibt KI in der Gesundheit voran

Künstliche Intelligenz – Retter in medizinischer Not?

© Alexander Limbach / stock.adobe.com

München/Gütersloh. Zwei Jahre ist es her, dass die Bundesregierung ihre nationale Strategie bezüglich Künstlicher Intelligenz (KI) verabschiedet hat – mit dem Anspruch, Deutschland solle weltweit führender Standort für KI-Forschung und -Anwendung werden, auch im E-Health-Kontext. Ausgerechnet die Corona-Pandemie könnte nun dazu beitragen, dass KI auch in der breiten Bevölkerung an Akzeptanz gewinnt – gerade in sensiblen Bereichen wie Gesundheit und Pflege.

Für diese Sektoren sowie für die Bereiche Mobilität, Arbeit und Medien erwarten Experten, dass sie bis zum Jahr 2035 am stärksten beeinflusst werden. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Zukunftsstudie „Leben, Arbeit, Bildung 2035+“ des Münchner Kreises und der Bertelsmann Stiftung unter der Schirmherrschaft von Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) hervor, die laut Bertelsmann auf den Aussagen von mehr als 500 nationalen und internationalen KI-Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft beruht.

Gesellschaft als Treiber?

Die Studie geht der Frage nach, wie sich KI-Technologien mittelfristig auf den beruflichen und sozialen Alltag auswirken, und welche Handlungsfelder sich daraus für Politik und die Gesellschaft ergeben. Den Prognosen der Studienteilnehmer zufolge werden sich die Kräfteverhältnisse auf dem Gebiet der KI verschieben.

Während die meisten Befragten (31 Prozent) der Auffassung sind, dass derzeit noch die Wirtschaft den KI-Diskurs dominiert, erwarten sie, dass in Zukunft die Gesellschaft (34 Prozent) sowie die Politik (20 Prozent) die größte Gestaltungskraft ausüben werden. Die Wirtschaft sehen künftig nur noch 15 Prozent als den prägendsten Akteur.

Mehr positive als negative Folgen

Die Prognose der Experten: KI hat mehr positive Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Insgesamt gehen die Befragten davon aus, dass ein verstärkter Einsatz von KI-Anwendun-gen mit mehr positiven als negativen Folgen sowohl für Unternehmen als auch für das Gemeinwesen verbunden sein wird. Mehr KI-Anwendungen werden vor allem im Gesundheitssektor erwartet.

Die Studienautoren geben den Politikern angesichts der Studienerkenntnisse Handlungsempfehlungen mit auf den Weg, um den KI-Einsatz sinnvoll zu gestalten, darunter:

  • Vertrauen in den Einsatz von Algorithmen schaffen: Es brauche einen Ordnungsrahmen für die Entwicklung und Nutzung von KI-Technologien. Die Standards und Richtlinien sollten insbesondere die Aspekte Ethik, Transparenz, Datenqualität, Nutzerzentrierung sowie die informationelle Selbstbestimmung berücksichtigen.
  • KI muss dem Wohl der Bürgerinnen und Bürger dienen: Es bedürfe geeigneter gesetzgeberischer Maßnahmen, um Wissen und Informationen zu Algorithmen zu demokratisieren und KI-Technologien als gesamtgesellschaftliches Gemeingut zu verstehen helfen.
  • Grundlegendes Verständnis von KI erreichen: Die Politik sollte es sich zur Aufgabe machen, der breiten Bevölkerung das Thema Künstliche Intelligenz näher zu bringen und somit die Akzeptanz zu erhöhen. Strategien zur Vermittlung müssten auf Fakten basieren, verschiedene Disziplinen einbeziehen sowie Nutzen und Risiken von KI-Technologien klar benennen.
  • KI-Bildung inter- und transdisziplinär gestalten: Dies bedeute, Aus- und Weiterbildungsinhalte zum Thema KI fächerübergreifend auszurichten, um zum Beispiel auch Fachgebiete wie Pädagogik oder Psychologie zu berücksichtigen.
  • Verhältnis von KI und menschlicher Arbeitsleistung justieren: Der Einsatz von Algorithmen verändere berufliche Tätigkeiten. Politik, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter müssten gemeinsam Lösungen entwickeln, um Arbeitsplätze trotz verstärkter Automatisierung zu erhalten. Diese Regelungen sollten dann auch Eingang ins Arbeitsrecht finden.

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